Technologieunternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Digitales Geschäft und E-Mobilität beflügeln Heidelberg

Höheres Umweltbewusstsein und der boomende Onlinehandel sorgen für Zuwächse beim Etiketten- und Verpackungsdruck.
Höheres Umweltbewusstsein und der boomende Onlinehandel sorgen für Zuwächse beim Etiketten- und Verpackungsdruck.

Digitale Geschäftsmodelle und Verpackungsdruck haben der Heidelberger Druckmaschinen AG einen Schub bei Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis gebracht. Geholfen haben auch die Partnerschaften mit einem Versicherer und dem benachbarten Software-Riesen.

Die Nachfrage nach Produkten aus dem Hause Heidelberg ist ungebrochen hoch. So lag der Auftragsbestand nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2021/22 (31. März) mit einem Volumen von 1,88 Milliarden Euro 33 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 23 auf 132 Millionen Euro – nicht zuletzt durch positive Effekte aus der Restrukturierung, durch (inzwischen beendete) Kurzarbeit sowie durch Altersvorsorge-Anpassungen. In den ersten neun Monaten verdiente Heidelberg 40 Millionen Euro, vor Jahresfrist betrug das Nachsteuerergebnis 3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Heidelberg wegen höherer Kosten im Schlussquartal mit einem leichten Gewinn. Am Ende der beiden zurückliegenden Geschäftsjahre stand unterm Strich noch ein Millionenverlust.

Fokus auf Wachstumsfelder

Herausfordernd bliebe der Teilebezug, wobei Heidelberg im Vorteil durch eine „enorme Fertigungstiefe“ sei. Zudem habe man „die Lieferketten besser im Griff als andere“ Unternehmen, hieß es. Aufgrund der aktuellen Zahlen blickt der Vorstand trotzdem zuversichtlich auch aufs kommende Geschäftsjahr. „Das hat es seit vielen Jahren bei Heidelberg nicht mehr gegeben“, sagte Vorstandschef Rainer Hundsdörfer, der zum Ende des Geschäftsjahres in den Ruhestand wechselt.

Mit der Fokussierung auf Wachstumsfelder wie Verpackungsdruck, die Fertigung von E-Ladestationen (Wallboxen) oder den stärksten Einzelmarkt China sei Heidelberg erfolgreich gewesen. Das Unternehmen habe den Restrukturierungspfad verlassen und werde im Kerngeschäft weiter profitabel wachsen. Dabei stehe Heidelberg „erst am Anfang einer enormen Wachstumsstory“, sagte Hundsdörfer.

Impuls durch gedruckte Elektronik

Deutliche Effekte verspricht sich Heidelberg von strategischen Partnerschaften mit dem Münchner Rückversicherer Munic Re als Kapitalgeber beim weltweiten Ausbau des Subskriptionsgeschäfts. Bei diesen auf fünf Jahre abgeschlossenen Verträgen kaufen die Kunden nicht mehr die Maschinen, sondern zahlen pro gedrucktem Bogen – für die Nutzung der Druckmaschine, Service und vor allem die Materialien wie Farbe. Weiteres dynamisches Wachstum verspricht sich das Unternehmen auch von den strategischen Partnerschaften mit dem Walldorfer Software-Riesen SAP und dem Energieversorger EnBW im Geschäft mit Ladesäulen für E-Fahrzeuge und der Verrechnung von Ladeleistungen. Denkbar seien auch Angebote für ein Energiemanagement „intelligenter Häuser“ (Smart Home), sagte Hundsdörfer.

Positive Impulse erwartet Hundsdörfer vom Zukunftsthema gedruckte Elektronik, etwa Sensoren, die im Automobilbau verwendet werden, zum Beispiel bei der Batterieüberwachung.

Unterdessen setzt sich der Arbeitsplatzabbau fort. Ende Dezember beschäftigte Heidelberg weltweit 10.285 Mitarbeiter – 754 weniger als ein Jahr zuvor. Am Standort Wiesloch, Sitz der Unternehmensleitung, sank die Anzahl der Beschäftigten um 471 auf 4267. Um das Ziel zu erreichen, ab 2023 dauerhaft jährlich 170 Millionen Euro an Kosten einzusparen, werden bis zum Ende des Geschäftsjahres noch weitere 600 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. In dem drei Jahre dauernden Prozess werden am Ende mehr als 2000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. Gleichzeitig kündigte Vorstandschef Hundsdörfer an, in Wachstumsbereichen neue Mitarbeiter einzustellen. So werde bei der Herstellung von Wallboxen, für die neue Produktionslinien für die Expansion in weitere europäische Länder geplant sind, die Belegschaft von derzeit 100 auf 130 Beschäftigte aufgestockt.

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