Unternehmen
Bei Röchling weniger Jobs – auch in der Pfalz
In Ruppertsweiler, wo Röchling mit der Hydroma GmbH vertreten ist, arbeiteten Ende 2020 noch 29 (Vorjahreszeitpunkt: 32) Menschen. Am Automotive-Standort Worms sank die Anzahl der Mitarbeiter sogar von 831 auf 770. Für den Konzernsitz in Mannheim wurde die Anzahl von 65 (Vorjahreszeitpunkt: 56) Beschäftigten genannt, wobei hier die Mitarbeiter der Röchling Direct Manufacturing GmbH (RDMC) inkludiert sind.
Wie am Donnerstag bei der Online-Bilanzpressekonferenz mit den Vorstandsmitgliedern Hanns-Peter Knaebel, Franz Lübbers und Evelyn Thome weiter bekannt wurde, arbeiteten zum 31. Dezember 2020 weltweit noch exakt 11.094 Menschen für die Röchling-Gruppe – ein Rückgang um 380 Personen im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt. In Deutschland beschäftigte das Unternehmen zum gleichen Stichtag 4379 Menschen (ein Rückgang um 202), darunter sind 1135 Beschäftigte an den rheinland-pfälzischen Standorten.
Nicht nur Corona ursächlich
Die Stellenstreichungen seien jedoch nicht nur auf „personelle Anpassungen“ aufgrund der Pandemie zurückzuführen, sondern seien auch eine Folge des bereits zuvor begonnenen Restrukturierungsprogramms „Driving Future“ bei Röchling Automotive. Den weiteren Angaben zufolge gab es weder betriebsbedingte Kündigungen noch Standort-Schließungen. Es werden allerdings auch neue Stellen geschaffen – wenngleich in bescheidenem Rahmen: Am Medical-Standort Neuhaus in Thüringen, wo ein neues Produktionsgebäude für rund 50 Millionen Euro entsteht, sind 30 neue Jobs geplant. Und: Im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg die Anzahl der weltweit bei Röchling Beschäftigten wieder leicht auf 11.138.
Die Röchling-Gruppe, die aus einer vor fast 200 Jahren im Saarland gegründeten Kohlenhandlung hervorging, basiert auf den Unternehmensbereichen Automotive, Industrial und Medical. Sie ist weltweit an 90 Standorten in 25 Ländern vertreten. Der Umsatz sank 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 312,7 Millionen auf 2,039 Milliarden Euro (minus 13,3 Prozent). Der Rückgang betraf alle drei Bereiche, wobei Automotive nach wie vor Umsatzspitzenreiter ist und es bei Industrial aufgrund des boomenden privaten Swimmingpool-Baus eine „Sonderkonjunktur“ gab. Zuvor hatte Röchling zehn Jahre hintereinander die Konzernumsätze gesteigert.
Nur ein blaues Auge
Das Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) gibt Röchling für 2020 mit 2,3 (Vorjahr: 81,9) Millionen Euro an. Die Investitionen sanken um 34,4 auf 86,7 Millionen Euro. Laut Vorstandsvorsitzendem Knaebel ist Röchling trotz aller Widrigkeiten (Corona, Rohstoff- und Halbleiter-Knappheit, Preissteigerungen auf dem Weltmarkt) mit einem blauen Auge davongekommen. Der Jahresbeginn und das erste Quartal 2021 ließen eine Stabilisierung des Geschäfts erkennen.
Gemäß zweitem Nachhaltigkeitsbericht will der Konzern bis zum Jahr 2035 zu jedem seiner Kunststoffe eine Alternative aus Biokunststoffen oder aus Recycling-Produkten anbieten. Nachhaltigkeit wolle man konsequent in die Wertschöpfungskette integrieren, hieß es unter anderem. Auch für den Röchling-Fuhrpark soll ein neues Konzept erarbeitet werden, sagte Knaebel auf Nachfrage. Dem Ziel, den Anteil und die Nutzung von Hybrid- und Elektroautos zu erhöhen, will sich übrigens auch die Geschäftsleitung unterwerfen.