Wirtschaft
Baumärkte trotzen zweitem Lockdown mit Click-and-Collect-Service
Baumärkte sollen noch während des Lockdowns wieder öffnen, fordert der Immobilienbesitzerverband Haus & Grund. Ein Argument: Hauseigentümer benötigen gerade im Winter Material für kleinere, dringende Reparaturen. „Der im Dezember verhängte harte Lockdown hat deutlich gezeigt, wie groß der Bedarf an Baumarktsortimenten ist und zu einem Last-Minute-Ansturm geführt“, bilanziert Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Management AG mit Sitz in Bornheim bei Landau.
Das sei aber nicht nur wegen tropfender Wasserhähne oder kaputter Elektrik: „Heimwerken ist eine sinnvolle Beschäftigung im alternativarmen Krisenmodus. Das schöne und sichere Zuhause ist in den Lebensmittelpunkt gerückt.“ Der Umsatz der Hornbach-Gruppe ist laut Unternehmen von Anfang März bis Ende November 2020 um rund 20 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gestiegen – gegenüber der gleichen Vorjahreszeit. Im Dezember 2020 habe Hornbach in Deutschland und fünf weiteren Ländern mehr Umsatz gemacht als im Dezember 2019.
Click-and-Collect
Einige Baumärkte in Deutschland bieten einen Bestell- und Abholdienst an, das sogenannte Click-and-Collect-System. Die Möglichkeit, Waren online zu reservieren und diese dann am gleichen Tag im Außenbereich des Marktes abzuholen, werde bei Hornbach rege genutzt, informiert das Unternehmen auf RHEINPFALZ-Anfrage. Vorstandsvorsitzender Hornbach spricht sich dafür aus, dass der Service in allen deutschen Bundesländern angeboten werden darf: „Das ist im Falle dringender Reparaturen ein wichtiger Faktor.“ Schon Mitte Dezember, als Deutschland in den zweiten Lockdown startete, hatten Branchenvertreter kritisiert, dass Verbraucher die Vielzahl an Verkaufsgenehmigungen und gesperrten Sortimenten nicht mehr nachvollziehen könnten.
Parkplatz mit Einbahnstraße
Die Landesregierung in Baden-Württemberg erlaubt seit Montag, 11. Januar, wieder das Click-and-Collect-System, von Mitte Dezember bis zum vergangenen Sonntag war auch das untersagt. In Rheinland-Pfalz gab es das Verbot nicht: Das Unternehmen Bauhaus, das seinen Sitz in Mannheim hat, hat unter anderem Filialen in Speyer und Haßloch. Dort konnten die Kunden auch in den vergangenen Wochen den Reservier-und-Abholservice nutzen.
„Die Kunden suchen sich das Produkt im Online-Shop aus, reservieren es, dann stellen wir den Warenkorb zusammen und schicken dem Kunden die Information, dass es zur Abholung bereitliegt“, erklärt ein Bauhaus-Sprecher das Verfahren. Es gebe ein Einbahnstraßensystem auf dem Parkplatz und der Prozess laufe meist kontaktlos ab. Was die Kunden derzeit bestellten, seien diverse Dinge, um kleinere und größere Reparaturen zu tätigen oder Baustellen zu beenden: Brennstoffe, Ersatzteile, Farben, Baustoffe. Allerdings ist Click-and-Collect nicht überall kostenlos, das Möbelhaus Ikea zum Beispiel nimmt Servicegebühren dafür.
Bauhaus hofft auf eine Schritt-für-Schritt-Lockerung der aktuellen Beschränkungen. „Wir haben aber 2020 bewiesen, dass wir mit der Situation vorbereitet umgehen können“, sagt der Sprecher. In den Fachzentren sei viel Platz, die Kunden könnten sicher und bequem einkaufen. Das bestehende Hygienekonzept werde vor der Wiedereröffnung geprüft. Auf das solidarische Mitwirken der Kunden sei man allerdings auch angewiesen.
Der Handwerker-Flickenteppich
In Rheinland-Pfalz dürfen auch keine professionellen Handwerker in die Baumärkte, das ist ebenfalls von Bundesland zu Bundesland verschieden geregelt: Mit Blick auf die Bausaison, die bald beginnt, wäre eine einheitliche Regelung wünschenswert, meint Hornbach.
Auch bei den Globus Fachmärkten, deren Zentrale im saarländischen Völklingen ist, hatte die RHEINPFALZ zur Lage im zweiten Lockdown nachgefragt, das Unternehmen möchte sich dazu nicht äußern.