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BASF-Vorstand: Warum Brudermüller nicht am meisten verdient
Wie viel Geld der Vorstand des größten Chemiekonzerns der Welt für seine Arbeit erhält, das ist erheblichen Schwankungen unterworfen. Je nachdem, was das Gremium leistet und wie erfolgreich die BASF ist. Der Aufsichtsrat legt dabei die Höhe der Vergütung fest und gestaltet das Vergütungssystem, das sich unter anderem an „strategischen Zielen“ orientiert wie etwa Wachstum, Profitabilität, Nachhaltigkeit, Entwicklung des Aktienkurses oder der Dividende. Das Vergütungssystem wird spätestens alle vier Jahre der Hauptversammlung der Aktionäre, also den Unternehmenseigentümern, zur Billigung vorgelegt. Das ist übrigens in diesem Jahr wieder der Fall: Die Hauptversammlung am 25. April soll über ein „weiterentwickeltes“ Modell mit neuen Steuerungsgrößen abstimmen.
Da der Unternehmenserfolg stark schwanken kann, zeigt auch die Vorstandsvergütung „eine ausgeprägte Variabilität“, wie die BASF in ihrem Vergütungsbericht ausführt. Schaut man sich an, was der scheidende Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller für das vergangene Jahr bekommen hat, dann war die Variabilität diesmal nicht sehr ausgeprägt. Die Vergütung (ohne Altersvorsorgebeitrag) für das Geschäftsjahr 2023 stieg um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,105 Millionen Euro. Zuvor hat es allerdings erhebliche Schwankungen gegeben. 2022 – die BASF war unterm Strich in die roten Zahlen gerutscht – verzeichnete Brudermüller einen Einbruch seiner Vergütung um mehr als 29 Prozent. Dafür bekam der BASF-Chef 2021 mehr als das Dreifache als im Vorjahr, allerdings nach zwei Jahren deutlicher Rückgänge.
Sinkende Arbeitnehmervergütung
Für die Arbeitnehmer lief es statistisch betrachtet bei der Vergütung nicht so gut wie für Brudermüller. Dem Plus von 5,5 Prozent für den Vorstandschef stand 2023 ein Rückgang der durchschnittlichen Arbeitnehmervergütung der Belegschaft der BASF SE von 0,9 Prozent gegenüber. Bei der Berechnung berücksichtigte der Konzern hier nur die Belegschaft der BASF SE in Deutschland inklusive der Auszubildenden und auf Vollzeitstellen umgerechnet. Außerdem werden dabei Löhne, Gehälter inklusive variabler Vergütung, Nebenleistungen sowie Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung berücksichtigt, nicht aber betriebliche Altersversorgung und Abfindungen. Den absoluten Wert dieser durchschnittlichen Arbeitnehmervergütung wollte die BASF auf Anfrage nicht nennen.
Besonders interessant ist diesmal ein Vergleich der Vergütung der BASF-Vorstände untereinander. Für 2023 zeigt sich dabei eine Überraschung: Das bestbezahlte Vorstandsmitglied war keineswegs der Vorstandsvorsitzende Brudermüller, er erreicht nur den zweiten Platz. Nein, ganz vorn liegt Saori Dubourg, die schon Ende Februar vergangenen Jahres den Vorstand und die BASF überraschend und vorzeitig verlassen hat. Sie erhielt mit 9,067 Millionen Euro nicht nur knapp 78 Prozent mehr als Brudermüller, sondern auch das 3,7-fache ihrer Vorjahresvergütung. Damit führt Dubourg mit weitem Vorsprung das Feld der Vorstandsvergütungen für 2023 an. Der Grund dafür: Sie erhielt eine Abfindungszahlung in Höhe von 7,5 Millionen Euro „aus Anlass der Beendigung des Vorstandsverhältnisses“. Laut Vergütungsbericht der BASF ist für Vorstandsmitglieder „bei vorzeitiger Beendigung der Vorstandstätigkeit ohne wichtigen Grund“ die Zahlung einer Abfindung möglich.
Weggang „im besten Einvernehmen“
Wer den Vorstand regulär mit Ende seiner Vertragslaufzeit verlässt, erhält dagegen keine Abfindung. 2023 war dies der Fall für den langjährigen BASF-Finanzvorstand und Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Hans-Ulrich Engel, der das Unternehmen Ende April mit Ablauf seines Vertrages verließ. Ebenfalls keine Abfindung erhält nach Angaben der BASF das Vorstandsmitglied Melanie Maas-Brunner, das Ende Januar dieses Jahres mit Ablauf ihres Dreijahresvertrages den Konzern verlassen hat.
Saori Dubourg dagegen hatte der BASF Ende Februar 2023 überraschend und vorzeitig den Rücken gekehrt: nach fast sechs Jahren als Mitglied des Vorstandes und rund 27 Jahren Tätigkeit für den Ludwigshafener Chemiekonzern. Ihr Vorstandsvertrag wäre regulär bis 2025 gelaufen. Das Ausscheiden Dubourgs gab der Konzern nur sechs Tage vor ihrem Weggang bekannt. „Im besten Einvernehmen“, wie es offiziell hieß, kann das nicht gewesen sein, wo die BASF doch Veränderungen im Vorstand gerne von langer Hand plant. Gründe für das Ausscheiden nannte die BASF nicht.
Dubourg wurde in Medien zeitweise als eine der Favoriten für die Nachfolge von Konzernchef Martin Brudermüller gehandelt. Doch das Rennen machte Markus Kamieth, wie die BASF Mitte Dezember 2023 bekanntgegeben hat. Ambitionen auf eine Top-Position hatte Dubourg wohl schon länger. Das „Handelsblatt“ jedenfalls hatte berichtet, sie habe bereits im Herbst 2022 zu den Kandidaten im Auswahlverfahren für den Chefposten beim Leverkusener Chemiekonzern Bayer gehört. Dubourg ist seit 1. März 2024 Vorstandsvorsitzende des österreichischen Kunststoffherstellers Greiner AG in Kremsmünster. Greiner beschäftigt 11.600 Mitarbeiter weltweit und erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen hatte Anfang dieses Jahres auch mitgeteilt, dass Dubourg damit ihren Lebensmittelpunkt von Deutschland nach Österreich verlagert.