Sparen mit der RHEINPFALZ
Autoversicherung: Kostenfalle für Senioren
Manch ein älterer Autofahrer wundert sich. Keine Unfälle über Jahrzehnte, hohe Rabatte dank bester Schadensfreiheitsklasse – und dennoch werden Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung fürs geliebte Vehikel immer teurer. Und zwar drastisch. Denn Versicherer kassieren zulässige hohe Alterszuschläge, weil Senioren insgesamt häufiger auch sehr teure Schäden verursachen.
Wie stark verteuern sich die Tarife mit dem Alter?
Die höheren Risiken werden in den Tarifen der Altersgruppen einkalkuliert und das treibt die Prämien über die Jahre massiv nach oben. Die Stiftung Warentest hat exemplarisch ermittelt, wie sich die Beiträge für eine Modellkundin bei gleichbleibender Schadenfreiheitsklasse mit dem Alter verändern. Das Ergebnis: Bei allen fünf untersuchten Tarifen steigen die Prämien deutlich an – im Schnitt um satte 100 Prozent.
Demnach müssen Versicherte schon ab dem 56. Lebensjahr mit steigenden Beiträgen für ihre Autoversicherung rechnen. Bei 80-Jährigen können sie durchschnittlich doppelt so hoch sein wie bei 55-Jährigen. Das zeigt die Untersuchung der Verbraucherorganisation, die im neuen Heft des Stiftungsmagazins „Finanztest“ (März 2023) oder online im Detail nachzulesen ist.
Wie sieht das im Detail aus?
Für den Vergleich haben die Experten fünf günstige Anbieter ausgewählt, bei denen im Modellfall ein 55-Jähriger im Schnitt 331 Euro pro Jahr für seine Autoversicherung zahlt. Der Modellkunde profitiert dabei von rund 80 Prozent Rabatt, weil er schon 35 Jahre unfallfrei unterwegs ist und damit schon eine der höchsten Schadenfreiheitsklassen erreicht hat.
Doch auch wenn der Autofahrer weiterhin keine Schäden verursacht, zahlt er als 65-Jähriger bei gleichbleibender SF-Klasse 374 Euro und als 70-Jähriger bereits 432 Euro. Ist der Kunde 75, ist der Beitrag auf 535 Euro gestiegen. Wird der Modellkunde 80 Jahre alt, werden sogar 661 Euro pro Jahr fällig – doppelt so viel wie 25 Jahre zuvor und das trotz Unfallfreiheit.
Was kann ich dagegen tun?
Die Zuschläge sind allerdings nicht einheitlich, denn jeder Versicherer kalkuliert seine Beiträge anders, wie die Stiftung Warentest betont. Der gute Rat der Verbraucherschützer: Man sollte jährlich prüfen, wie sich der Beitrag verändert, teure Anbieter meiden und den Tarif optimieren. „Schon durch kleine Anpassungen im eigenen Versicherungsvertrag kann sich erheblich Beitrag sparen lassen“, sagt „Finanztest“-Expertin Beate Bextermöller.
So lohnt es sich, die Fahrleistung korrekt anzugeben. Wer im Ruhestand weniger unterwegs und nur noch 8000 statt früher 15.000 km fährt, zahlt als 70-jähriger Modellkunde im Schnitt immerhin 50 Euro Beitrag weniger pro Jahr. Wer vereinbart, im Schadensfall eine vom Versicherer vorgegebene Reparaturwerkstatt zu nutzen, spart im Schnitt weitere 40 Euro. Und wer jährlich seinen Beitrag zahlt statt alle drei Monate, bekommt die Versicherung im Modellfall nochmals 30 Euro günstiger.
Brauche ich noch Vollkasko und helfen Telematik-Tarife?
Kaskotarife wiederum sind günstiger, wenn sich der Versicherte im Schadensfall an den Reparaturkosten beteiligt. Die Experten empfehlen 150 Euro Selbstbehalt in der Teil- und 300 Euro in der Vollkasko, die auch bei selbstverschuldeten Unfällen eintritt. Diese deutlich teurere Versicherung ist bei älteren Autos indes nicht mehr nötig, da nur in den ersten Jahren der Neuwert ersetzt wird und danach nur noch der viel niedrigere Gebrauchtpreis.
Finanztest rät zudem auch älteren Autofahrern, Telematik-Tarife auszuprobieren, die bis zu 30 Prozent Rabatt bringen können. Dabei wird das Fahrverhalten mit Sensoren aufgezeichnet. Wer gut und vorausschauend fährt, kann mehr sparen, wer nicht mehr so toll unterwegs ist, habe dennoch keine Nachteile, so die Experten. Bisher bieten nur wenige Versicherer die Telematik-Tarife an, darunter Huk24 und VHV.
Und wenn wir uns ein Auto teilen?
Noch ein Spartipp: Wenn sich Senioren ein Auto teilen, sollte es auf den jüngeren Partner versichert sein. Im Modellfall sind die Beiträge für Kfz-Haftpflicht und Vollkasko um bis zu 123 Euro pro Jahr günstiger, wenn ein Paar seinen fahrbaren Untersatz auf den 60-Jährigen statt auf den zehn Jahre älteren Partner anmeldet. Bei Huk24 (Tarif Classic) zahlt man dann im Beispiel nur 323 statt 446 Euro Jahresprämie, bei Cosmos Direkt (Comfort-Schutz) nur 358 statt 476 Euro. Geringer ist die Ersparnis bei der WGV (Optimal, 317 statt 381 Euro) und Europa (Komfort, 311 statt 387 Euro). Bei VHV (Klassik-Garant 2.0) dagegen bleibt der Beitrag mit 469 Euro auch bei zehn Jahren Altersunterschied gleich.
Der Test Autoversicherung findet sich in der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und unter www.test.de/autoversicherung-senioren.