Basketball
Wie sich ein Bundesligaklub an sich selbst berauscht
Im Moment lohnt es sich für die Anhänger der MLP Academics Heidelberg kaum, zu träumen. Die Realität bietet zu viel Grund, euphorisch zu werden. Im Sommer 2021 schafften die Heidelberger Basketballer den Aufstieg in die Bundesliga, ehe ihnen überraschend souverän der Ligaverbleib gelang. Jetzt aber, im zweiten Jahr im Oberhaus, ist sogar mehr möglich. Durch einen unerwarteten, aber gleichwohl verdienten 89:78-Sieg am Donnerstagabend beim FC Bayern München haben die Academics die Chance, sich auf den letzten Drücker für die Play-offs zu qualifizieren.
Unerwartete Eventualitäten
„Es ist einfach unglaublich“, sagt Matthias Lautenschläger. Der geschäftsführende Gesellschafter der Heidelberger Basketballer muss sich aktuell mit Rechnungen und Eventualitäten beschäftigen, die vor wenigen Wochen nicht wichtig schienen. Freitagabend stehen noch Spiele der Konkurrenten aus Rostock und Chemnitz an, die entscheiden, wie groß die Möglichkeiten der Academics sein werden, einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung zu passieren: die Teilnahme an der K.o.-Runde.
Unabhängig von den Ergebnissen am Freitagabend ist sicher, dass die Heidelberger Basketballer am finalen Spieltag am Sonntag mit einem Sieg gegen den Mitbewerber Chemnitz die Chance haben, sich für die Play-offs zu qualifizieren. Lautenschläger kann es fast nicht glauben. „Das ist immer noch surreal“, sagt der Geschäftsführer der Academics. Lautenschläger ist von mehreren Dingen gleichermaßen begeistert. Der Sieg beim FC Bayern, dem bekanntesten Basketball-Klub in Deutschland, war ein Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte. Die Chance auf die Play-offs sind für die Academics im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit ein wunderbares Schmankerl und die Euphorie rund um die Mannschaft beeindruckt den Klubboss immer mehr. „Wenn man sich überlegt, wo wir vor ein paar Jahren in der Zweiten Liga waren. Da mussten wir die Zuschauer in die Halle tragen“, erinnert sich Lautenschläger zurück.
Fans und Spieler befeuern sich gegenseitig
Aktuell ist der Trend andersherum. Voraussichtlich wird der schmucke SNP Dome, die Arena der Heidelberger, am Sonntag zum dritten Mal in der laufenden Spielzeit ausverkauft sein. Zum Hinspiel gegen den FC Bayern kamen kurz vor Weihnachten mehr als 10.000 Zuschauer in die SAP Arena in Mannheim – rund um die Mannschaft ist in den zurückliegenden Monaten eine Euphorie entstanden. „Das befeuert sich gerade gegenseitig“, sagt Lautenschläger. Die Stimmung in der Arena treibt die Spieler zu Höchstleistungen und die guten Resultate erhöhen das Interesse im Umfeld. Die Folge ist, dass die Heidelberger in der Rückrunde zu den besten Teams der Liga zählen, neun der jüngsten zwölf Partien hat die Mannschaft des finnischen Trainer Joonas Isalo gewonnen. Die Chance, die Play-offs zu erreichen, ist deshalb realistisch.
Die starken Leistungen werden von den Fans gefeiert und sorgen außerdem dafür, dass die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird, die Leistungsträger über den Sommer hinaus in Heidelberg zu halten. „Wir werden in die Gespräche gehen und alles versuchen“, kündigt Lautenschläger an, weiß aber um die schlechten Aussichten. Es ist der Fluch der guten Tat, dass Akteure wie Spielmacher Eric Washington, Drei-Punkte-Spezialist Elias Lasisi, Allrounder Jack McVeigh oder der starke deutsche Center Maximilian Ugrai ins Visier inländischer wie ausländischer Topklubs geraten sind. Finanziell können die Academics da kaum mithalten, die sportlichen Perspektiven sind andernorts zudem größer – des aktuellen Höhenflugs der Heidelberger zum Trotz. Lautenschläger weiß um die Problematik und geht sachlich mit ihr um. Die Signale der Sponsoren und Partner deutet darauf hin, dass die Heidelberger ihr Budget werden vergrößern können.
Doch das soll Zukunftsmusik sein. Zunächst warten die Academics die Resultate der Konkurrenz am Freitagabend ab – und freuen sich danach auf das Endspiel um die Play-offs am Sonntag im ausverkauften SNP Dome gegen Chemnitz.