Die 60. Bundesliga-Saison RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Kalli Feldkamp den FCK 1991 zur Meisterschaft führte

Geschafft: Stefan Kuntz und die Meisterschale.
Geschafft: Stefan Kuntz und die Meisterschale.

Im Frühjahr 1990 schien der 1. FC Kaiserslautern dem Abstieg geweiht. Mit der Verpflichtung eines neuen Trainers ging es plötzlich aufwärts.

Wie ist das zu erklären? Am 24. Februar 1990 geht der 1. FC Kaiserslautern im Spiel beim SV Waldhof unter, verliert 0:4. Der FCK feuert Trainer Gerd Roggensack, Kalli Feldkamp kehrt aus Ägypten zurück. Der FCK scheint mit 16:28 Punkten dem Abstieg geweiht, am Ende ist er gerettet: Platz 12, 31:37 Punkte. Der sensationelle Gewinn des DFB-Pokals am 19. Mai 1990 durch einen 3:2-Endspielsieg gegen Werder Bremen macht Retter Feldkamp zu „King Kalli“.

Ein Jahr später feiert der FCK seine dritte deutsche Meisterschaft, Stefan Kuntz nimmt die Meisterschale entgegen, Fritz Walter weint Tränen des Glücks, die Meistermannschaft schippert nach dem schier unfassbaren 6:2-Coup von Köln aus über den Rhein nach Koblenz, Tausende jubeln am Ufer den Helden vom Betzenberg zu. Aber wie ging das – binnen eines Jahres vom Fast-Absteiger zum Meister?

Aussprache als Keimzelle

„Ich habe nie in meiner Trainer-Laufbahn einen Vorgänger angerufen. Ich habe mir immer mein eigenes Urteil gebildet und gesehen, dass eine gewisse Substanz da ist“, sagt Meistermacher Feldkamp beim Blick zurück. Ein Grundstein für die grandiose Saison, die mit einem 3:1-Coup der Roten Teufel beim Hamburger SV begann und mit einem 6:2-Schützenfest in Köln ihre Krönung fand, war die Aussprache zwischen Feldkamp und Stefan Kuntz im Februar 1990.

In Uerdingen waren Coach und Torjäger über Kreuz, der Pfälzer Burgfriede schweißte Trainer und Kapitän zusammen. Kuntz war der Kopf und nach der schweren Verletzung des überragenden Liberos Miroslav Kadlec auch bereit, als letzter Mann Verantwortung zu übernehmen. „Ein unfassbarer Motivator“, schwärmt Kuntz von Feldkamp, der auch in der Krise Antworten fand, mit seinem Bauchgefühl Lösungen schuf.

Meisterfeier mit Schale.
Meisterfeier mit Schale.

So auch nach dem 8. Juni 1991. Alles war angerichtet zur Meisterparty auf dem Betze. Der FCK führte vor dem vorletzten Spieltag bei der noch geltenden Zwei-Punkte-Regelung mit vier Zählern Vorsprung vor Bayern München die Tabelle an. Die Bayern gewannen 1:0 in Nürnberg, der FCK verlor gegen Borussia Mönchengladbach 2:3. Gerry Ehrmann erwischte einen rabenschwarzen Tag, nach 20 Minuten führten die Fohlen durch zwei Tore von Thomas Kastenmaier 2:0, nach 82 Minuten traf Peter Wynhoff zum 3:0, Tausende flüchteten aus dem Stadion, viele kamen wieder zurück, als Markus Kranz und Bruno Labbadia binnen 120 Sekunden auf 2:3 verkürzten.

Trainingslager ab Mittwoch

Aus der Traum? Mitnichten! Noch am Abend sammelte sich die Mannschaft, Mittwoch schon ging es ins Trainingslager. Der FCK hatte noch zwei Punkte Vorsprung, musste mit dem im Vergleich zu den Bayern deutlich schlechteren Torverhältnis zum Tabellensiebten 1. FC Köln. Bayern hatte Heimspiel – gegen Absteiger Bayer Uerdingen.

Feldkamp tüftelte an seinem Meisterplan – ganz für sich. Einem Plan ohne Top-Scorer Labbadia (9 Tore, 7 Vorlagen), einem Plan ohne Demir Hotic ( 9 Tore). „Ich habe auch nicht mit meinem Co-Trainer Rainer Hollmann drüber gesprochen, nicht wie sonst am Abend vor dem Spiel meine Frau angerufen. Ich wollte mir den Plan von niemanden ausreden lassen“, erinnert sich Feldkamp an seine geniale Idee. „Bruno hatte zuletzt nicht getroffen und schon einen Vertrag bei den Bayern …“, erklärt der Meistermacher, der Bernhard Winkler aus dem Hut zauberte. Der hatte erst neun Einsätze – und startete beim „Endspiel“ in Köln.

Der Meistermacher: Kalli Feldkamp.
Der Meistermacher: Kalli Feldkamp.

Dort geschah Unfassbares: 0:1 Haber (5.), 0:2 Winkler (14.), Rote Karte Flick (31.), 1:2 Ordenewitz (32., Elfmeter), 1:3 Winkler (43.), 1:4 Dooley (45.), 2:4 Greiner (47.), 2:5 Haber (87.), 2:6 Schupp (90.). Und zeitgleich spielten die Bayern nur 2:2 gegen Absteiger Uerdingen … „Lieber Betzenberg als Effenberg“, triumphierte Stefan Kuntz, den die verbalen Spitzen des Bayern-Stars („Die anderen sind zu dumm, Meister zu werden) auf die Palme gebracht hatten. Kuntz („Ich lebe und sterbe für diesen Verein“) war der Star, wurde Fußballer des Jahres.

Welch eine Mannschaft

Welch eine Mannschaft! Sechs Rote Karten – Ausdruck der besonderen Leidenschaft. Spieler, die – wie Markus Kranz, Bjarne Goldbaek, Guido Hoffmann, Reinhard Stumpf und Demir Hotic – die Saison ihres Lebens spielten. Andere funktionierten, wenn sie gebraucht wurden: Roger Lutz, Frank Lelle, Kay Friedmann, Joachim Stadler, Axel Roos, Michael Serr, Thomas Richter und eben jener Winkler. Labbadia/Kuntz – ein Traumsturm. Weltklasse: Miro Kadlec. Feste Größen: Gerry Ehrmann, Markus Schupp, Uwe Scherr, Tom Dooley. Und ein Komet: Marco Haber!

Mit einer der besten Fußballer des Kaders passte taktisch nicht so recht ins Gefüge: Rainer Ernst. Der Blondschopf kam 1990 vom BFC Dynamo, mit dem er zehnmal DDR-Meister geworden war, schoss bei seinem Bundesligadebüt am 1. Spieltag beim 3:1-Sieg beim HSV gleich ein Tor. Nach 18 Spielen für den FCK und dem Gewinn der deutschen Meisterschaft zog Ernst weiter zu Girondins Bordeaux. Zwei spielten nur einmal im Meisterjahr: Kai Krämer und Robert Zimmermann. Zwei spielten nie: Elvis Hajradinović und Thomas Renner.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Newsletter wird jeden Freitag verschickt.

Noch mehr FCK gibt es hier:

Pokalsieger, Absteiger, Wiederaufsteiger, Meister: Der 1. FC Kaiserslautern ist wie kaum ein zweiter deutscher Fußballverein in der Region verankert. Unsere Redaktion ist dicht dran am FCK und bietet exklusive Einblicke in den legendärsten Club aus der Pfalz. Alle wichtigen Infos, Hintergründe und Neuigkeiten gibts für Fans auch in unserem Newsletter und dem Podcast Lautre!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x