Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Tennisverband Pfalz von der Pandemie profitiert

Familiär und gemütlich: Tennis durch die Fensterscheibe.
Familiär und gemütlich: Tennis durch die Fensterscheibe.

Bei den Tennis-Pfalzmeisterschaften in Bad Dürkheim wirkt die Welt angenehm entschleunigt. Der Verband freut sich über positive Auswirkungen durch die Corona-Pandemie.

Die Welt da draußen ist voller Aufgeregtheiten, und vor diesem Hintergrund bildet dieser Raum ein angenehmes Gegenstück. Die Gaststätte des TC Bad Dürkheim strahlt Ruhe aus. Die Menschen, die sich hier aufhalten, genießen die Atmosphäre – das ist direkt zu spüren. „Hier kennt man sich“, sagt Silvia Müller. Was anderswo als altbacken abgestempelt würde, ist hier ein Zeichen von gewünschter Solidität.

Tennis war einmal der Boomsport in Deutschland. Als Boris Becker die Zuschauer in jedem seiner Matches auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnahm und Steffi Graf Titel an Titel reihte, schauten am TV Millionen zu, wollte jeder selbst zum Schläger greifen. Entsprechend populär war die Sportart.

Wärme, die nicht durch Heizen entsteht

Das ist inzwischen 30 Jahre her. In der Halle in Dürkheim herrscht keine Euphorie – aber eine angenehme Freundlichkeit. Bei den Pfalzmeisterschaften der Aktiven und der Senioren 30 ist der Parkplatz vor der Anlage spärlich besetzt, dafür bekommt man drinnen eine Wärme, die nicht nur durch die Heizung entsteht.

Helferin vom Ausrichter TC Bad Dürkheim: Silvia Müller.
Helferin vom Ausrichter TC Bad Dürkheim: Silvia Müller.

„Es ist immer wieder eine schöne Sache, es ist ein großes Hallo“, sagt Müller. Sie organisiert die Meisterschaften für den TC Bad Dürkheim, begrüßt die Sportler und sorgt für die Verpflegung. Weil die Küche im Vereinsheim gerade aufwendig modernisiert wird und der neue Pächter erst im April seine Arbeit aufnimmt, kümmern sich die Mitglieder gerade selbst um die Kost. Das funktioniert gut, für das Wochenende hat Müller sogar Sushi besorgt: „Das schmeckt lecker, und wegen des Reises werden die Leute satt.“

Zuschauen durch die Fensterscheibe

Gerade laufen die Finalspiele bei den Herren30. Langsam kommen die besten Tennisspieler aus der Pfalz zurück in die Halle. Gleich werden die Halbfinals bei den Herren beginnen, parallel dazu steht bei den Damen schon das Endspiel an. Nicht viele Zuschauer sind gekommen, aber die paar, die da sind, könnten es kaum besser haben. Eine riesige Fensterfront bietet von den Tischen beste Sicht in die Halle, die drei Spielfelder sind gut zu sehen. Das ist ein Grund, warum der Tennisverband Pfalz gerne auf die Anlage in Bad Dürkheim kommt. Die Verantwortlichen wissen, was sie am Klub haben.

Die Organisatoren vom Tennisverband Pfalz: Norman Kiefer, Jan Krämer und Fabian Wolf (von links).
Die Organisatoren vom Tennisverband Pfalz: Norman Kiefer, Jan Krämer und Fabian Wolf (von links).

In einem Nebenraum sitzen Norman Kiefer, Jan Krämer und Fabian Wolf, die die Veranstaltung für den Verband organisiert haben. Vor ihnen auf dem Tisch stehen bereits die Präsentkörbe, die sie später an die Sieger verteilen werden. Viel Geld gibt es für einen Pfalzmeister nicht, aber monetäre Fragen stehen für die Spielerinnen und Spieler nicht im Fokus. Eher schon für den Verband, der die Plätze beim TC Bad Dürkheim mieten muss und insgesamt einen kleinen vierstelligen Betrag für die Meisterschaften in seinem Etat eingeplant hat.

Früher Start hilft dem Tennissport

Immerhin gab es keine Probleme, die Teilnehmerfelder bei den Damen und Herren voll zu bekommen – das war in der Vergangenheit schon einmal anders. Die Lust an Turnieren und das Interesse an der Gemeinschaft haben zugenommen, seit der Sport wie das Leben insgesamt aus der Corona-Pause erwacht ist. „Wir haben davon profitiert, dass es bei uns früh wieder los ging“, berichtet Kiefer – und räumt ein, dass der Tennissport in gewisser Weise ein Gewinner der Pandemie war. Im Frühjahr 2021, nach dem Lockout-Winter, war Tennisspielen früher möglich als andere Sportarten. Weil die Gefahr von Infektionen geringer war, gab es Zulauf.

Die Halle des TC Bad Dürkheim von außen.
Die Halle des TC Bad Dürkheim von außen.

Das spürt der Tennisverband Pfalz nachhaltig. Zu den Boomzeiten von Becker und Stich hatte er rund 60.000 Mitglieder, die Talsohle lag bei knapp 29.000. Inzwischen sind es wieder über 30.000 Mitglieder, und die Tendenz ist steigend. „Wir haben auch wieder mehr Jugendliche“, sagt Wolf, den die Corona-Effekte für seinen Verband freuen. Viele Kinder griffen zum Schläger, weil es wieder möglich war, und blieben dabei.

Das Geld sollte zur Basis kommen

Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass die Pfalzmeisterschaften der Damen und Herren in ein paar Jahren noch mehr Zulauf bekommen, weil aus dem Nachwuchs wieder mehr Sportler nachrücken.

Es besteht beim Verband Anlass zu Optimismus, und der wird auch durch die Leistungen bei den Pfalzmeisterschaften gestützt. Viele der Topathleten, die bei Klubs in der Pfalz gemeldet sind, waren dabei – und zahlten im Vorfeld 38 Euro Startgebühr. Auf diesem Weg versucht der Verband, einen Teil der Kosten wieder reinzuholen. Pro Teilnehmer führt er acht Euro an den Deutschen Tennisverband ab. „Eigentlich sollte es umgekehrt sein, dass von oben Geld zur Basis kommt“, sagt Kiefer. Aber es ist eben nicht alles perfekt, auch wenn es gute Nachrichten gibt.

Die Sieger: Zehetgruber und Hirschmüller

Anne Zehetgruber vom TC Ludwigshafen-Oppau und Christian Hirschmüller (BASF TC Ludwigshafen) sind die Pfalzmeister im Hallentennis. Für Hirschmüller war es binnen acht Tagen der zweite Turniersieg in der Dürkheimer Tennishalle. Er hatte bereits in der Vorwoche das DTB-offene Ranglistenturnier gewonnen, hatte dabei aber nicht ganz so viele Matches wie erhofft.

Bei den Pfalzmeisterschaften musste er immerhin viermal antreten. Seinem Tempo und seiner Schlagstärke war die Konkurrenz nicht gewachsen. Auch nicht der Finalgegner, der an eins gesetzte Tim Stemler vom 1. TC Weilerbach. Hirschmüller siegte fast im Schnelldurchlauf mit 6:2, 6:1.

„Ich habe meine Setzposition erfüllt“, hatte Anne Zehetgruber nach ihrer Halbfinalteilnahme in der Vorwoche gesagt. Da war die Oppauerin an drei gesetzt gewesen. Noch besser machte sie es an diesem Wochenende. Da war sie als Nummer eins ins Rennen gegangen, bezwang im Finale Liv Maja Röstel vom TC Rot-Weiss Kaiserslautern mit 6:2, 6:7, 10:7.

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