Kommentar
Werder Bremen bringt der Liga Emotionalität
Es ist beeindruckend, mit welcher Ruhe und Beharrlichkeit der 1. FC Heidenheim seit mehr als einem Jahrzehnt an der Fortentwicklung des eigenen Vereins werkelt. In der meist von Eitelkeiten und Unvernunft geprägten Welt des Profifußballs bilden die Heidenheimer sogar einen wohltuenden Gegensatz. Und dennoch ist es besser, dass sie den Sprung in die Bundesliga nicht geschafft haben.
In der höchsten deutschen Spielklasse ist in den vergangenen Jahren schon zu viel Emotionalität verloren gegangen. Dort, wo der Meister der kommenden Jahre nur dann nicht automatisch mit dem der vergangenen acht Spielzeiten identisch sein wird, wenn die Hölle zufriert oder Lothar Matthäus zum Manager ernannt wird. Zudem haben sich hinter den Platzhirschen aus München und Dortmund, das dauerhaft Zweiter werden dürfte, mit Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen Teams eingenistet, die allesamt gute Arbeit verrichten, den neutralen Fußballfan aber nicht emotional packen können.
Heidenheim wäre ein Bundesligist, den man rational bewundern muss und der mit dem Aufstieg einen verdienten Lohn für Fleiß und Zielstrebigkeit bekommen hätte.
Aber Fußball in Deutschland lebt als Volkssport doch von seiner emotionalen Komponente. Und die bietet Werder Bremen im Überfluss. Man kann Florian Kohfeldt für das größte deutsche Trainertalent seit Jürgen Klopp halten – oder für einen überschätzten Fußballlehrer, dessen Können in den vergangenen Monaten enttarnt wurde. Man kann Werder den Abstieg oder den Klassenerhalt wünschen. Man kann über den SVW leidenschaftlich streiten – gerade deshalb bereichern die Bremer die Bundesliga.