Fragen und Antworten
Wer ist der Gewinner bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft?
Die deutsche Mannschaft spielt nicht um die Medaillen ab Freitag. Warum nicht? Ist das eine Enttäuschung?
Das große Ziel war, die Hauptrunde zu erreichen. Das hat die Mannschaft geschafft. Die EM ist nicht mit normalen Maßstäben zu messen. Es gab 15 positive Corona-Fälle im Tross. Nur noch vier Spieler vom Anfangskader waren am Ende dabei. So gesehen kann man nicht von einer Enttäuschung sprechen. Im Spiel gegen Spanien war das Team chancenlos, gegen Norwegen und Schweden war mehr drin, auch wenn es am Ende deutliche Niederlagen gab. „Es hat sich ein toller Teamgeist entwickelt. Das wird uns auch in Zukunft zusammenschweißen“, sagt Johannes Golla. Lukas Stutzke kam am Mittwoch als 16. positiv Getesteter hinzu.
Wie wichtig war der finale 30:29-Sieg gegen Russland?
Der Sieg war enorm wichtig. „Das ist unser persönlicher EM-Titel“, beschrieb Torwart Johannes Bitter die Bedeutung des Erfolges. Noch einmal warf die sehr müde Mannschaft alles in die Waagschale. Sie begeisterte durch ihr Auftreten, durch ihren Zusammenhalt. Die widrigen Umstände, die konstant schlechten Nachrichten waren tagein, tagaus eine enorme Belastung. „Es ist für alle eine Grenzerfahrung. Solche Dinge hat niemals jemand erlebt“, formulierte DHB-Vorstand Axel Kromer.
Johannes Golla überragend
Wer sind die Gewinner im Team?
Bester deutscher Spieler war Johannes Golla. Der Kreisläufer und Abwehrchef bestach auch als neuer Kapitän. Aufsteiger ist der Gummersbacher Julian Köster, der im Rückraum durch seine unbekümmerte, mutige Art überzeugte. Auch die neuen Außenspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe hinterließen einen guten Eindruck. Torhüter Till Klimpke hat das Potenzial zur neuen Nummer 1. „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Es ist nicht das beste Ergebnis, das ein DHB-Team erreicht hat, aber es ist eine unglaublich außergewöhnliche Leistung“, lobte Axel Kromer.
Welche Spieler wird man nicht mehr im Nationalteam sehen?
Torhüter Johannes Bitter (39) geht davon aus, dass es nicht noch einmal ein Comeback für ihn gibt. Europameister Tobias Reichmann hat gute Rechtsaußen vor sich. Auch der Siegtorschütze gegen Russland, Patrick Zieler, muss sich erst einmal wieder hinten anstellen. 28 Mann waren in Bratislava dabei, die Breite im Kader ist enorm.
Gislason macht einen prima Job
Wie hat sich Bundestrainer Alfred Gislason geschlagen?
Ausgezeichnet! Der eine oder andere traute dem 62-Jährigen nicht mehr zu, eine so junge Auswahl zu führen und zu begeistern. Das war ein Irrtum. Gislason machte es prima. Er hat die Mannschaft in der kurzen Zeit weiterentwickelt, das Team war spielfreudig und kreativ. Der Isländer bewahrte Ruhe. „Keiner hat sich hängen lassen, keiner hat gejammert. Alle haben viel Charakter gezeigt. Es war ein schönes Erlebnis, die schwierigen Tage mit der Mannschaft zu erleben“, sagte er. Auch Sportvorstand Axel Kromer verdient Anerkennung – das waren sehr komplizierte Tage.
Was hat der Verband aus der EM gelernt?
Mit Blick auf die Heim-EM 2024 wird der Verband in mehreren Szenarien planen müssen, wie Mark Schober, der Vorstandsvorsitzende des DHB, sagte. Mehr Spieler, mehr Tests, Spieler, die einzeln nach Hause gefahren wurden – die Mehrkosten für den Verband sind im sechsstelligen Bereich anzusiedeln.
Bald steht die WM-Qualifikation an
Wie geht es weiter für die Auswahl?
Mitte März steht ein Länderspiel an, vermutlich gegen Ungarn. Im April sind die Play-offs für die Weltmeisterschaft in Polen und Schweden.
Wie sieht die Europäische Handballföderation die Corona-EM?
Präsident Michael Wiederer ist trotz allem zufrieden, meint: „Wir werden am Ende ein vernünftiges sportliches Ergebnis haben. Corona hat diese EM beeinflusst, ja. Jedoch wird niemand am Ende sagen, die eine oder andere Mannschaft steht im Ranking nur dort wegen Corona.“ Wirklich?
Wer wird Europameister?
Dänemark ist fast mühelos durch die EM spaziert. Aber die Schweden sind zu beachten, sie haben in einem unglaublichen Spiel Norwegen den Sieg in den letzten drei Minuten entrissen.
Was war der Spruch dieser EM ?
„Wir hatten mal ein großes gemeinsames Candle Light Dinner, virtuell natürlich.“
David Schmidt, Spieler des Bergischen HC.