American Football
Travis Kelce bekommt von Taylor Swift eine Aufgabe
Auf den vielen Fernsehbildschirmen in den vielen Casinos von Las Vegas läuft an diesem Nachmittag vor allem ein Programm: das von Roger Goodell. In der Woche vor dem Super Bowl wendet sich der Boss der National Football League traditionell an die Öffentlichkeit. Vor der 58. Auflage des Endspiels zwischen den Kansas City Chiefs und den San Francisco 49ers kommt auch Goodell um ein Thema nicht herum. Vier Fragen stellen die 125 – zuvor ausgewählten und eingeladenen – Journalisten zur Herzblatt-Geschichte rund um Chiefs-Star Travis Kelce und Popstar Taylor Swift.
Die Beziehung fasziniert
Der mächtige Liga-Commissioner lächelt. „Beide sind wunderbare junge Menschen, und beide scheinen glücklich zu sein“, sagt er. Dass er sich überhaupt zu diesem Thema äußern soll, zeigt auch, wie sehr die Beziehung zwischen Swift und Kelce die Liga seit September fasziniert. Die Sängerin kenne sich bestens mit großartiger Unterhaltung aus, sagt Goodell, „ich denke, dass sie auch deshalb den Football der NFL liebt“. Nun ja, bevor sie mit dem Starspieler ausging, war Swift kein Stammgast in den Stadien, die Zuneigung dürfte also doch eher Kelce gelten denn dem Sport. Aber eines ist klar: Die Liga profitiert von ihrer Präsenz. „Eine weitere Gruppe junger Fans entsteht“, sagt Goodell, „insbesondere von jungen Frauen.“
Menschentraube bei Kelce
Der Commissioner hält seine Runde in den Katakomben des Allegiant Stadiums, wo am Sonntag das große Finale steigt. Unweit davon und annähernd zur selben Zeit bildet sich auf dem Spielfeld eine riesige Menschentraube. Während mehr als 23.000 Fans ihre Plätze auf den Tribünen einnehmen, suchen sich die Kameraleute den besten Platz, wenn es sein muss mit massivem Ellbogeneinsatz. Die sogenannte Opening Night ist das einzige direkte Aufeinandertreffen der beiden Super-Bowl-Mannschaften vor dem großen Spiel – und es ist das erste Mal, dass die NFL die Begegnung direkt im Finalstadion austrägt.
Normalerweise sind die Quarterbacks die gefragtesten Gesprächspartner an diesem Abend, doch Chiefs-Spielgestalter Patrick Mahomes hat diesmal fast seine Ruhe. Die namhaftesten Spieler sitzen einzeln auf Podien, bei Mahomes Nachbar ist das Gedränge immens – und Travis Kelce kaum zu sehen. „Ich lebe meinen Traum“, sagt der 34-Jährige zur Begrüßung. Ob er damit seine Beziehung meint – oder doch eher die Tatsache, mit den Chiefs zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren im Super Bowl zu stehen und den Titel als erste Mannschaft seit knapp 20 Jahren verteidigen zu können?
Jedenfalls dauert es keine fünf Sekunden, bis ihn die erste Frage erreicht, die ihn und seine Freundin betrifft. „Sie ist unglaublich. Sie schreibt die Geschichtsbücher neu“, sagt er. Vor wenigen Tagen gewann Swift zwei Grammys, Nummer 13 und 14 insgesamt. Weil Kelce zur selben Zeit mit seiner Mannschaft nach Las Vegas reiste, konnte er sie nicht zur Gala begleiten. Umgekehrt musste die Sängerin direkt nach Japan abreisen, wo ihre erfolgreiche Eras-Tour weitergeht. Ob sie es rechtzeitig zum Super Bowl aus Tokio zurück schafft, weiß auch Kelce nicht. Zum Gerücht, dass Swift per Privatjet kommt, sagt er ebenfalls nichts. Überhaupt hätten die beiden in den vergangenen Tagen nicht sonderlich viel miteinander gesprochen. „Jetzt muss ich meinen Teil der Vereinbarung erfüllen und ebenfalls etwas Handfestes mit nach Hause bringen“, sagt Kelce.
Grammy, Sporttrophäen – aber keine Oscars
Es erweckt tatsächlich den Eindruck, dass die Sängerin in der NFL angekommen ist – und angenommen wurde. Chiefs-Fans halten Trikots der Mannschaft in die Höhe, über der Rückennummer steht kein Spielername, sondern der Name der Sängerin. Dennoch: Die 49ers haben kein Interesse daran, einfach nur mitzuspielen, um die passende Geschichte zu liefern, die vermeintlich jeder gerne erleben würde. Mal angenommen, es wird eine enge Partie, es ist spät im Spiel – wäre San Franciscos Quarterback Brock Purdy bereit, Swift zu enttäuschen? Der 24-Jährige lächelt bei dieser Frage, zuckt keine Sekunde und sagt nur: „Ja“.
Tatsächlich sind in den vergangenen Tagen Verschwörungstheorien in den USA aufgekommen, nach denen der Sieg der Chiefs bereits feststünde, weil die NFL es so möchte, da die Swift-Kelce-Beziehung für sie lukrativ sein könnte. Commissioner Goodell bezeichnet diese Theorie als Unfug. „Ich denke nicht, dass ich so ein guter Drehbuchschreiber bin“, sagt er. Beim Super Bowl in diesem Jahr geht es also um Musikauszeichnungen und eine Sporttrophäe. Die Oscars spielen aber keine Rolle.