FUSSBALL
Thomas Müller darf wohl schon zur EM
Es hat auch einen Vorteil, dass der FC Bayern sich erstmals seit 2017 wieder vom DFB-Pokalfinale fernhält. Der Rekordpokalsieger ist bekanntlich bei winterlichen Bedingungen in Kiel ausgerutscht, so dass am Himmelfahrtstag das Endspiel im Berliner Olympiastadion ohne Münchner Beteiligung steigt.
Was dem scheidenden Bayern-Trainer Hansi Flick die Gelegenheit verschaffte, seine Zukunft zu besprechen. Alles deutet auf eine Rückkehr zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) hin, der sehr hoffnungsvoll sein kann, demnächst seinen Wunschkandidaten als neuen Bundestrainer mit einem Dreijahresvertrag zu ködern.
DFB mit Flick auf der Zielgeraden
Beim wechselweise aus Frankfurt, Berlin und Herzogenaurach übertragenen digitalen EM-Medienworkshop bestätigte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, dass die Verpflichtung bald auf die Zielgerade gelangen könnte. Vor der nicht perfekten Meisterschaft habe man nicht stören wollen, aber „jetzt können wir es noch ein bisschen intensivieren. Ich bin immer zuversichtlich und weiß, welche Bedeutung die Nationalmannschaft für ihn hat“, verriet Bierhoff aus der Hauptstadt, wo auch Bundestrainer Joachim Löw mit in Klausur gegangen ist. So werden parallel die wichtigsten Personalien geklärt: Wer reist mit zur EM? Wer folgt danach auf Löw?
Sein „unheimlich gutes und enges Verhältnis“ zum ehemaligen Löw-Assistenten sei ja bekannt, bestätigte Strippenzieher Bierhoff, der sich aus dem Dauerzwist der DFB-Führungsriege geschickt herausgehalten hat. Es habe mit Flick – im Gegensatz zu Ralf Rangnick – gute Gespräche gegeben. „Aber es ist kein Geheimnis, dass Hansi ein interessanter Mann ist und hohes Interesse bei anderen Vereinen und Verbänden weckt.“ Klar, wenn ein Trainer in 18 Monaten sieben Titel gewinnt. Doch den heimatverbundenen Heidelberger zieht es nicht weg.
Insofern kann Bierhoff optimistisch sein, „dass wir das Ganze vor der EM geschafft haben“. Der Umworbene weiß, was er am Verband hat, der in der Direktion Nationalmannschaft und Akademie noch eine Einigkeit besitzt, von der Präsidium und Vorstand träumen können. Auch der Sportliche Leiter Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, begrüßt den ehemaligen Sportdirektor mit offenen Armen. Die von Flick einst beim DFB „erzeugte familiäre Atmosphäre, die von ihm garantierte Verlässlichkeit“ empfand Chatzialexiou als überragend. Er sagt über den 56-Jährigen: „Er integriert die Mitarbeiter in seine Gedankengänge, hat eine offene Feedbackkultur.“ Wenn einer Hilfe bräuchte, würde Flick auch „nachts um zwei, drei Uhr vor deiner Tür stehen“. Deshalb würden ihn so viele beim DFB „schätzen und lieben“.
Müller auch noch ein Kandidat für Katar 2022
Derweil ist als Führungsspieler für die Nationalmannschaft offenbar fest Thomas Müller eingeplant. Zwar wollte Bierhoff „keine Zwischenstände“ geben, fügte aber an: „Wir schaffen es noch ein paar Tage, die Diskussion auszuhalten.“ Der 31 Jahre alte Offensivkönner vom FC Bayern wird also vermutlich zu den 26 Akteuren gehören, die Löw am 19. Mai vorläufig für die EM nominiert. Der Bundestrainer hatte vor seiner letzten Mission unter dem Eindruck der vielen Rückschläge zuletzt beteuert, jene Spieler zu berufen, die „den größtmöglichen Erfolg garantieren“. Und da gehört der 100-malige Nationalspieler sicher zu. Überzeugungstäter Flick würde nach der EM wohl versuchen, seinen Lieblingsspieler auch für die WM 2022 in Katar zu begeistern.
Wie die Wüsten-WM läuft auch die erste paneuropäische EM unter erschwerten Bedingungen ab. Weil das Coronavirus längst nicht besiegt ist, verschiebt sich das Trainingslager im österreichischen Seefeld (28. Mai bis 6. Juni). Nach dem Test gegen Lettland (7. Juni) bezieht der deutsche Tross sofort sein Turnierquartier in Herzogenaurach. Dann wird es bei den Gruppenspielen gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) in München ernst.