Bundesliga vor dem Anpfiff RHEINPFALZ Plus Artikel Schalke: Königsblaue Zweckgemeinschaft der Improvisationskünstler

Plötzlich wieder die Nummer eins im Schalker Tor: Ralf Fährmann (rechts).
Plötzlich wieder die Nummer eins im Schalker Tor: Ralf Fährmann (rechts).

Beim FC Schalke 04 findet diesmal nicht nur ein Umbruch statt. Nach einer für den Klub einzigartigen Talfahrt blicken die Fans der Knappen sorgenvoll auf die kommende Fußballsaison. Droht der Abstiegskampf?

Alexander Nübel ist einer dieser Nachfolger von Manuel Neuer, der im Tor des FC Schalke 04 herausragend begann und vorschnell zu einem potenziellen Nachfolger von Neuer in der Nationalelf ausgerufen wurde. In Ansätzen gab es das auch bei Markus Schubert, bei ihm hieß es, er sei besser als Nübel. Bei Ralf Fährmann gab es nur die Einschränkung, dass er ein bisschen besser Fußball spielen können müsse, dann sei er der einzig mögliche DFB-Nachfolger Neuers.

Aktuell ist es nun so, dass Nübel beim FC Bayern spielt und ihm niemand auch nur im Ansatz zutraut, die Position von Neuer dort zu schwächen. Schubert ist die Nummer zwei beim FC Schalke. Die Nummer eins ist Ralf Fährmann, der an Norwich City ausgeliehen war und beim Absteiger nur 22 Minuten in der Premier League zum Einsatz kam. Daher wurde er weiter verliehen an Brann Bergen. Da die Liga in Norwegen aber wegen Corona auch pausierte, spielte er dort noch 22 Minuten weniger.

Es ist daher schon ein recht besonderer Weg zurück ins Tor der Schalker, zumal die ja auch Alexander Schwolow verpflichten wollten. Aber es fehlte das Geld. Das fehlte schon länger, trotzdem wurde recht munter verpflichtet, um mit Gewalt wieder an die Millionen Euro zu kommen, die in der Champions League verteilt werden. Erst mit einem Virus, das die Welt verändert, änderte sich auch Schalkes Denken. Der Klub verabschiedete sich von seinen hohen Ansprüchen.

Historische Talfahrt

Da auch Clemens Tönnies in einem Mix aus Sorge um sein Fleischimperium und recht heftigem Gegenwind aus königsblauen Reihen als Chef des Aufsichtsrates zurücktrat, kann dieses Mal getrost von einem Neuanfang gesprochen werden, nachdem in den Jahren zuvor immer von einem Umbruch die Rede war. Der Trainer ist allerdings noch immer der, der in der vergangenen Saison eine sportliche Talfahrt zu verantworten hatte, die in der Bundesligageschichte des Klubs einzigartig ist: David Wagner.

Er wird in der neuen Saison, die mit einem Auswärtsspiel beim Meister FC Bayern beginnt, ohne Weston McKennie auskommen müssen, der zu Juventus Turin wechselte, allerdings erst ausgeliehen wird. Der fette Batzen an Ablöse fließt erst später, daher ist die Ausgangssituation für Sportvorstand Jochen Schneider auf dem Transfermarkt noch schwächer als angesichts der hohen Schuldenlast und neuen Vernunft ohnehin schon. Immerhin schaffte es Schneider, ablösefrei einen Mittelstürmer zu verpflichten, der seine Qualitäten als Torjäger über Jahre bewies. Die Frage ist, ob der 36 Jahre alte Vedad Ibisevic von seinen Kollegen so bedient werden kann, wie er es benötigt.

Saison der Weichenstellung

„Ich hoffe natürlich, dass wir nicht gegen den Abstieg spielen“, sagte Sebastian Rudy, der das Gehaltsbudget hoch belastet, derzeit aber sportlich enorm wichtig ist. Er wird als rechter Verteidiger eingesetzt, weil sich niemand anderes im Kader befindet, der auf dieser Position Bundesliganiveau aufweist. Rudy, der nach einem enttäuschenden Jahr auf Schalke in der vergangenen Saison an 1899 Hoffenheim ausgeliehen war, umschiffte in einer Medienrunde dezent eine inhaltliche Antwort auf den Hinweis, dass er nicht gerade als zweikampfstark gelte: „Ich bin keiner, der 100 Mal pro Spiel die Linie rauf und runter rennt.“

Schalke in der Saison 2020/21 sieht aus wie eine Zweckgemeinschaft aus Improvisationskünstlern, die sich durch die Spielzeit schleppen und retten wollen. Eine Saison, in der auch die Weichen für eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung gestellt werden dürften. Schalke bleibt spannend. Auch wenn sich so vieles geändert hat.

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