FCK
Norbert Thines – ein Präsident zum Anfassen
Norbert Thines war auf dem Betzenberg mehr als nur ein Funktionär, der seinen größten Triumph am 15. Juni 1991 mit der deutschen Fußballmeisterschaft feierte. Zusammen mit Trainer Karl-Heinz Feldkamp und Mannschaftskapitän Stefan Kuntz holte er nach 1951 und 1953 für den 1. FCK die Meisterschale zum dritten Mal in die Pfalz.
Norbert Thines war die Seele eines Vereins, der in der Fußball-Bundesliga gefürchtet und bewundert wurde. Er begriff den Verein als große Familie und lebte eine tiefe Beziehung zu den Fans in der Pfalz und in aller Welt. Er pflegte die Fankultur wie kein Zweiter, er begründete viele neue Fanklubs. Er wurde für die Anhänger der Roten Teufel zum „Oberteufel“ und zu einer Identifikationsfigur. Er war ein Präsident zum Anfassen, für jeden ansprechbar und erreichbar.
Den Verein und sich selbst zu einer Marke gemacht
Der Vertriebsleiter der Homburger Karlsberg-Brauerei hatte Karriere auf dem Betzenberg gemacht und den Verein und sich selbst zu einer Marke. Der gebürtige Kaiserslauterer wurde in den 1970er Jahren Geschäftsführer des Vereins, dann Vizepräsident, bevor er 1988 als Nachfolger von Jürgen Friedrich das Amt des Präsidenten übernahm.
Internationaler Fußball wurde in der Amtszeit von Norbert Thines auf dem Betzenberg gespielt. Für alle Fans unvergessen das legendäre Duell im Europapokal der Landesmeister in der Spielzeit 1991/1992 mit dem FC Barcelona. José Mari Bakero machte mit einem Tor in letzter Minute den Traum vom greifbar gewordenen Weiterkommen zunichte. Das Tor wurde zum Trauma der Betzenberger.
Bastion Betzenberg
Norbert Thines baute das Fritz-Walter-Stadion als Hort der großen FCK-Familie aus. Er trieb in einem kostspieligen Projekt die neue Nordtribüne in den felsigen Untergrund und festigte damit auch optisch die Bastion Betzenberg. Das Fritz-Walter-Stadion wurde mit der Nordtribüne zu einer Kathedrale des Fußballs in Deutschland.
Norbert Thines blieb immer Mensch, im Erfolg und in der Niederlage. Im Erfolg war er ein Feierbiest, der mit dem Pokalsieg 1990 und der deutschen Meisterschaft ein Jahr später seine Präsidentschaft krönte. In der größten Niederlage des Vereins, dem historischen Abstieg des 1. FCK 1996 in die Zweite Liga, der ihn sein Amt kostete, war er ein angefasster Präsident. Der Pokalsieg des Vereins wenige Wochen später konnte die sportliche Schmach nicht wiedergutmachen.
Norbert Thines war ein großer Pfälzer, ein stimmgewaltiger Charakterkopf und ein tiefgründiger Menschenfreund. Er verdiente sich großen Respekt in der Gesellschaft, zu einem großen Teil auch außerhalb des Fußballsports. Er initiierte Hilfsaktionen nach Ost- und Südosteuropa. Eine Hilfsaktion führte ihn dabei nach Tarnovo in Bulgarien, eine Folge eines Gastspiels von Etar Tarnovo im Landesmeisterwettbewerb 1991.
Großes soziales Engagement
Die Lehre des katholischen Sozialtheologen Adolph Kolping, der er sich als Kolpingbruder zeit seines Lebens verschrieben hatte, prägte sein werteorientiertes Leben und sein soziales Engagement. Er trat für Menschen ein, die Hilfe bedurften.
Er stieg bei der von der RHEINPFALZ und den beiden Kaiserslauterer Kirchen, der Apostelkirche und der Marienkirche, 1997 begründeten Altenhilfe „alt - arm - allein“ ein und wurde zu ihrem Vorsitzenden und ihrem Gesicht. Er baute die Kaiserslauterer Altenhilfe zu einer anerkannten, mit Preisen bedachten Institution aus, die ihn Ende 2018 zu ihrem Ehrenvorsitzenden kürte.
Die Auszeichnung mit dem Ehrenvorsitz wurde der letzte große Auftritt für Norbert Thines, der 2016 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde und damit in die Fußstapfen von Fritz Walter, dem 2002 verstorbenen FCK-Weltmeister von 1954, trat.
Um den rührigen Funktionär und Ehrenamtler war es danach still geworden. An Demenz erkrankt, verbrachte er die letzten Jahre im Altenheim in Kaiserslautern, abgeschieden von der Öffentlichkeit, in der er sich heimisch gefühlt hat. Hier starb er am Montagmittag.

