Kommentar
Nein zum Investoren-Deal: Das stoppt den Kommerz nicht
Wer mal eben so zwei Milliarden Euro investiert, macht das nicht aus reiner Herzlichkeit. Derjenige will mitreden. Und wer etwas anderes beteuert, verschließt die Augen. Insofern ist es logisch, dass die DFL-Spitze einem möglichen Geldgeber offenbar so etwas wie ein Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten einräumen wollte. Mit dem stückweisen Bekanntwerden einer solche Klausel zeichnete sich aber auch ab, dass die kritische Masse im investorenfeindlichen Fußball-Deutschland zunimmt – und dass der Milliarden-Deal zum Scheitern verurteilt war, bevor das Vorhaben überhaupt richtig startete.
Das wurde offenbar auch der Liga-Spitze bewusst. Kurz vor der Versammlung wollte sie die Skeptiker mit massiven Zugeständnissen doch noch überzeugen und den 36 Vereinen der beiden Bundesligen mehr Mitspracherecht einräumen – bei der Auswahl des Investors, aber auch bei der Verwendung des Geldes. Unter diesen neuen Voraussetzungen wäre ein „Ja“ durchaus wünschenswert gewesen, schließlich ging es lediglich um ein tieferes Einsteigen in die Investoren-Suche, nicht um eine finale Entscheidung. Womöglich wäre der Weg in ein maßvolles Umdenken in der Investoren-Skepsis geebnet gewesen.
Massive Schulden sind keine Option
Doch der Rettungsversuch für das Projekt kam zu spät und misslang. Deshalb ist das Votum in erster Linie eine Klatsche für die DFL-Verantwortlichen, die daran gescheitert sind, die Klubs in den Prozess einzubeziehen. Bei der eigenen Vorgabe, eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen zu wollen, nun von einer „klaren Mehrheit“ für die Investoren-Idee zu sprechen, wie DFL-Boss Hans-Joachim Watzke es tut, gleicht Schönfärberei: 20 Klubs haben sich dafür ausgesprochen, elf dagegen, fünf enthielten sich, was mit einem „Nein“ zweiter Klasse gleichzusetzen ist. Dass die Klubs geheim abstimmen wollten, erscheint bezeichnend und beschämend zugleich: Sie sollten zu ihrem Votum stehen.
Mit ihrem „Nein“ stoppen die Skeptiker trotzdem nicht die Kommerzialisierung des Fußballs, das muss auch den Vertretern der Fankurven klar sein. Die DFL braucht Geld, um international nicht gänzlich abgehängt zu werden, daran besteht unter den Vereinen kein Zweifel. Massive Schulden sind keine Option, um mitzuhalten. Wohin das führen kann, wissen viele der sogenannten Traditionsvereine aus eigener Erfahrung.
Die Skeptiker, die am Mittwoch mit „Nein“ gestimmt haben, sind nun ebenfalls in der Pflicht. Um nicht als Totengräber des deutschen Fußballs zu gelten, müssen sie konstruktive Vorschläge liefern, wie die DFL ihre Erlöse steigern soll. Denn dass der Ligaverband einen neuen Anlauf in der Suche nach externen Geldgebern unternimmt, scheint in absehbarer Zeit erst einmal unwahrscheinlich zu sein. Dazu muss er sich zunächst sortieren – und seine Führung neu und langfristig aufstellen.
