Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Manuel Neuer – mit heldenhaften Qualitäten

Der 36-jährige Kapitän ist in Top-Form: Manuel Neuer.
Der 36-jährige Kapitän ist in Top-Form: Manuel Neuer.

Torhüter Manuel Neuer untermauert während der Nation-League-Spiele seine Ausnahmestellung, doch für die allerhöchsten Ansprüche der Nationalmannschaft ist ein Weltklassetorwart zu wenig.

An vielen Stellen der weitläufigen Puskas-Arena war eine Broschüre in Querformat ausgelegt, die zum Länderspiel zwischen Ungarn und Deutschland informierte. Mit liebevollen Details, bunten Bildern – auch über Land und Leute. So waren auf einer Seite die wichtigsten Dinge beschrieben, die angeblich zu Deutschland gehören: der Kölner Dom, Steffi Graf, Ludwig van Beethoven und die Bratwurst.

Neuer beeindruckt in Budapest

Wer später in den Ausgehkneipen des jüdischen Viertels mit ungarischen Fans redete, bekam indes einen anderen Namen zu hören, der sie am meisten beeindruckt hatte: Manuel Neuer. Da habt ihr ja einen tollen Torwart! Für das Alter! Daumen hoch! Oder Prost! So ähnlich gingen die Konservationen auf der Kazinczy utca. Ohne ihn, sagten berauschte Einheimische, hätte Deutschland doch am Samstag wohl klar verloren.

So weit wollte Bundestrainer Hansi Flick nicht gehen. Er hatte auch gar nicht übermäßig Lust, einen Torwart herauszustellen, „der wieder Weltklasse gehalten hat“. Wenn er allein erneut seine Nummer eins loben müsse, bemerkte Flick mit leicht süffisantem Tonfall, „stimmt ein bisschen was im Spiel nicht“.

Untermauert Ausnahmestellung

Tatsächlich ist es ja so, dass der gebürtige Gelsenkirchener zwar seine Ausnahmestellung untermauert, aber ein Einzelner in Weltklasseform ist für die Rückkehr in die Weltspitze zu wenig. So hat der Bundestrainer die Neuer-Frage direkt in ein Grundsatzreferat über die Mängelliste von dessen Vorderleuten überführt.

Auch der Kapitän sprach lieber übers große Ganze als über sich selbst: „Man hat gute und schlechte Seiten von uns gesehen. In dem Prozess sind wir immer noch auf dem richtigen Weg, aber irgendwie brauchen wir auch mal ein Momentum, dass wir uns ein gemeinsames Erfolgserlebnis holen.“ Vielleicht am Dienstag, wenn Italien zum Nations-League-Spiel in Mönchengladbach gastiert.

In der Bundesliga nicht so viel zu tun

Nach einem 1:1-Triple in Bologna, München und Budapest steht der deutsche Ballfänger so dawie die Statuen auf dem Heldenplatz der ungarischen Hauptstadt wenige Kilometer Luftlinie vom deutschen Quartier. Seine heldenhaften Qualitäten stechen hervor, weil der kürzlich bis 2024 an den FC Bayern gebundene Modellathlet insbesondere im Bundesliga-Alltag selten richtig gefordert wird.

In der deutschen Auswahl ist das in diesen Juni-Tagen anders: Immer wieder durfte die in grün gekleidete letzte Instanz mit der Ruhe eines Elefanten und der Geschmeidigkeit einer Raubkatze (fast) alle Fehler ausbügeln. Allzu scharfen Tadel erteilte der Tormann dem Team nicht. Kreativität, Zielstrebigkeit und die richtige Positionierung im Ballbesitz hätte nicht gestimmt, doch man müsste auch immer berücksichtigen, „dass die die Ungarn eine unangenehme Mannschaft“ seien. Nicht abrücken wollte der 36-Jährige grundsätzlich vom Ziel, in Katar ein weiteres Mal Weltmeister zu werden. Er war damals einer der Ersten, der die Messlatte ganz nach oben legte – und viele haben das damals seinem fortgeschrittenen Alter zugeschrieben.

Aber wer sagt denn, dass der 112-malige Nationaltorwart nicht über die Heim-EM 2024 weitermacht?

So spielen sie

Deutschland: Neuer (FC Bayern München/36/112 Länderspiele) - Klostermann (RB Leipzig/26/17), Süle (FC Bayern München/26/39), Rüdiger (FC Chelsea/29/52), Henrichs (RB Leipzig/25/7) - Kimmich (FC Bayern München/27/67), Gündogan (Manchester City/31/59) - Hofmann (Borussia Mönchengladbach/29/13), Müller (FC Bayern München/32/115), Sané (FC Bayern München/26/44) - Havertz (FC Chelsea/23/28)

Italien: Donnarumma (Paris Saint-Germain/23/46) - Calabria (AC Mailand/25/6), Gatti (Frosinone Calcio/23/1), Bastoni (Inter Mailand/23/14), Spinazzola (AS Rom/29/20) - Barella (Inter Mailand/25/38), Cristante (AS Rom/27/26), Pellegrini (AS Rom/25/25) - Politano (SSC Neapel/28/7), Raspadori (Sassuolo Calcio/22/12), Gnonto (FC Zürich/18/3)

Schiedsrichter: Kovács (Rumänien)

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