Handball
Lockerer WM-Auftaktsieg: Gislason mit Einstellung der Spieler zufrieden
Es war eines dieser Spiele, durch die sich mancher Akteur bis zum Ende dieses Turniers gute Statistiken gesichert hat. Johannes Bitter lieferte mit neun Paraden direkt einen Spitzenwert ab, denn der Keeper des TVB Stuttgart kassierte in den ersten 30 Minuten der Weltmeisterschaft in Ägypten nur vier Treffer. Die Quote der abgewehrten Bälle (69 Prozent) ist außergewöhnlich, was aber nicht nur mit der Sonderklasse des deutschen Torhüters zusammenhing, sondern auch mit der überschaubaren Qualität der Würfe der gegnerischen Angreifer. Uruguay, der Kontrahent aus Südamerika, war nicht mehr als ein Sparringspartner der Deutschen, die locker und leicht 43:14 (16:4) gewannen.
Kastening mit neun Toren am erfolgreichsten
Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ist wie erwartet erfolgreich in die WM am Nil gestartet, wurde gegen die „Urus“ aber nicht einmal im Ansatz gefordert. „Ich bin sehr zufrieden mit der Einstellung. Es war gut, dass die Mannschaft bis zum Ende durchgezogen hat“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason (61) nach seinem WM-Debüt für Deutschland. Dennoch war er mit dem Auftritt vor leeren Rängen nicht ganz zufrieden. „Es war das Ziel, uns weiter einzuspielen. Das ist nur bedingt gelungen. Zum Ende hin hat es uns der Gegner sehr leicht gemacht“, analysierte der Isländer. „In der ersten Halbzeit haben wir viel verworfen. Das darf uns so nicht passieren, darüber habe ich mich geärgert.“ Timo Kastening mit neun Toren sowie Marcel Schiller und David Schmidt (beide 5) waren die besten deutschen Werfer.
Mit 32 Teams sehr großes Leistungsgefälle
Bei Weltmeisterschaften hatte es bereits in der Vergangenheit ein großes Leistungsgefälle in der Vorrunde gegeben, wenn die etablierten Nationen aus Europa auf Teams anderer Kontinente trafen. Durch die Aufstockung von 24 auf 32 Teilnehmer wird dies verstärkt – Uruguay wäre beim alten Modus nicht in Ägypten dabei. „In einer Trainingseinheit ist das Niveau höher“, räumte Uwe Gensheimer ein. Er zählte zu denjenigen, die Gislason kritisiert. In den ersten 25 Minuten hatte er vier Großchancen, darunter einen Siebenmeter. Dennoch ist der Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen, der in der ersten Halbzeit dreimal traf und nach dem Wechsel nur noch auf die Bank saß, mit 174 Toren nun deutscher WM-Rekordtorschütze.
Gensheimer: Für Debütanten ein guter Aufgelopp
Nach der Partie lief der Kapitän entspannt durch die Katakomben der Arena. Der Routinier kennt solche Partien von früheren Turnieren, weiß sie einzuschätzen und betonte deshalb die positiven Aspekte der Begegnung: „Wir haben ja einige Debütanten dabei und die hatten einen guten Aufgalopp.“
Völlig wertlos waren die 60 Minuten in der Hassan-Moustafa-Halle in Gizeh aus deutscher Sicht in der Tat nicht. Immerhin gab der deutliche Spielverlauf Gislason die Möglichkeit, allen 16 im Aufgebot befindlichen Akteuren Minuten auf dem Feld zu geben. „Die Jungs haben sehr konzentriert gespielt und auch nicht nachgelassen, als wir mit zehn Toren vorne waren“, lobte der Isländer seine Schützlinge.
Sorgen machen sich die Deutschen vor dem zweiten Vorrundenduell am Sonntag gegen die Kapverdischen Inseln. Dabei geht es weniger um die sportliche Qualität des afrikanischen Kontrahenten, sondern um die Corona-Fälle, die es zuletzt innerhalb des Teams gab.
Bitter hat keine große Lust auf Kap Verde
„Ich würde da mit einem unguten Gefühl reingehen“, sagte Bitter, der gegen Uruguay begann, nachdem Gislason Stammtorhüter Andreas Wolff hatte pausieren lassen. Bitter (38), 2007 mit der DHB-Auswahl Weltmeister, war der gewohnt gute Rückhalt. „Eigentlich war jeder Ball haltbar, auch wenn immer mal einer reingeht“, sagte er. Er ließ durchblicken, was ihm mit Blick auf die Partie gegen die Kapverdischen Inseln am liebsten wäre: „Wir hoffen darauf, dass das Spiel vielleicht nicht stattfindet, weil wir uns damit nicht wohlfühlen.“ Auch wenn er keine große Lust auf die Begegnung verspürt: Antreten müssen die Deutschen trotzdem.
So spielten sie
Deutschland: Bitter, Heinevetter (ab 31.) – Häfner, Weber (1), Kühn (4) – Reichmann (3), Gensheimer (3) – Golla (2) – Knorr (4), Firnhaber (3), Michalczik (2), Schiller (5/1), Böhm (2), Kastening (9), Schmidt (5), Drux
Uruguay: Gonzalez, Navarrete (ab 37.) – Spangenberg, Botejara, Velazco – Millan, Rubbo (1) – Chaparro (1) – Liston (1), Fabra, Falabrino, Cancio (2) , Mendez (1) , Morandeira (4), Goyoaga (2), Rostagno (2/1)
Spielfilm: 4:1 (7.), 8:1 (15.), 11:3 (22.), 16:4 (Hz.), 24:6 (38.), 30:8 (47.), (Ende) – Beste Spieler: Kastening, Knorr - Morandeira, Navarrete - Siebenmeter: 2/1 - 3/1 - Zeitstrafen: 1/2 - Schiedsrichter: Lopez/Lenci (Argentinien).