Handball
Löwen-Keeper Andreas Palicka muss den eigenen Körper überlisten
„In den vergangenen Jahren habe ich mir die Aufgaben mit Apfel geteilt, da ging das“, sagt Palicka. Hinter „Apfel“ steckt Mikael Appelgren, der zweite schwedische Torhüter von internationalem Format im Kader der Löwen. Appelgren fehlt seit Monaten nach einer Schulteroperation verletzt und deshalb muss Palicka mehr leisten als sonst. Eigentlich leistet er seit Monaten mehr als nach menschlichem Ermessen möglich ist.
40 Spiele in vier Monaten
Seit Anfang Dezember hat er mehr als 40 Spiele absolviert und dabei derart überzeugende Leistungen gezeigt, dass er bei der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten zum besten Keeper des Turniers gekürt wurde. Nach der Rückkehr zu den Löwen setzten sich seine herausragenden Auftritte zunächst nahtlos fort, aber langsam schwinden die Kräfte. „Irgendwie komme ich immer noch so auf acht bis zwölf Paraden“, sagt Palicka. Das entspricht für einen Torhüter mit seiner Qualität einer ordentlichen Bilanz. Mehr, deutet der Schwede an, mehr sei im Moment aber schlicht nicht mehr möglich.
Palicka muss alle paar Tage einen Weg finden, seinen eigenen Körper zu überlisten. Die Muskeln, die Sehnen und die Knochen sind nicht in der Lage, sich den Anforderungen eines professionellen Torhüters zu stellen, doch Palicka muss ran – und Palicka will ran. Also „zwingt“ der Kopf den Körper zu funktionieren und der Schwede hofft darauf, dass dieser Trick weiterhin funktioniert.
Pflichtaufgaben gegen Nordhorn und in Coburg
Im Heimspiel gegen Nordhorn und drei Tage später auswärts beim HSC Coburg geht es für die Löwen und für Palicka darum, mit Siegen Pflichtaufgaben für eine Spitzenmannschaft der Liga zu erledigen und gleichzeitig mentale und körperliche Energie zu sparen. Das Paradoxon: Um geistig möglichst viel Kraft zu sparen, bedarf es gerade in der Startphase einer Partie möglichst viel davon. Nur wenn es die Löwen schaffen, ihre individuelle Überlegenheit in den ersten Minuten auszuspielen und schnell deutlich in Führung zu gehen, können sie die Begegnung anschließend mit etwas geringerem Aufwand kontrollieren. In den titelreichen Jahren zwischen 2016 und 2018 waren sie dazu dauerhaft in der Lage, in der laufenden Spielzeit gelang das nur selten.
Palicka hofft auf einen ruhigen Abend gegen Nordhorn. Angesichts der Schwankungen der Löwen kann er sich dessen aber nicht sicher sein.