Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Aufsteiger in die Regionalliga Südwest: Die Zeit der Juristen

Der FK Pirmasens bleibt zu 99 Prozent Regionalligist. Hier das 0:2 am Samstag gegen Astoria Walldorf – Niklas Antlitz überwindet
Der FK Pirmasens bleibt zu 99 Prozent Regionalligist. Hier das 0:2 am Samstag gegen Astoria Walldorf – Niklas Antlitz überwindet FKP-Keeper Benjamin Reitz. Rechts der zuvor patzende Verteidiger Kevin Frisorger.

Es war klar: Ganz gleich, wie die Gesellschafterversammlung der Fußball-Regionalliga Südwest GbR in der Auf- und Abstiegsfrage entscheidet, wird sie auf Protest stoßen. Nun ist die Zeit der Juristen.

Normalerweise nimmt die Regionalliga Südwest alljährlich vier Aufsteiger aus den Oberligen Rheinland-Pfalz/Saar, Hessen und Baden-Württemberg auf – drei Meister und den Gewinner der Vizemeister-Aufstiegsrunde. Nun ist aber derzeit nichts normal. Während die Regionalliga als Profiklasse weiterspielt, wurde in allen drei Oberligen die Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen.

Kein Oberligist hat mindestens 50 Prozent der vorgesehenen Saisonspiele ausgetragen. Die von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann geführte Gesellschafterversammlung, in der sieben Landesverbände je einen Vertreter stellen, kam daher zu folgendem Schluss: „Unter Berücksichtigung der wenigen ausgetragenen Spiele in den drei Oberligen wird den bisherigen sportlichen Leistungen kein hinreichender Aussagewert für die Ermittlung von Aufsteigern beigemessen.“

FKP-Präsident: „Sportlich fair und folgerichtig“

Es werden also keine Aufsteiger zugelassen, und in der Regionalliga gibt es nur zwei statt sechs Absteiger, womit der Regionalligaverbleib des FK Pirmasens praktisch gesichert ist. Nächste Runde spielt die Regionalliga nach jetzigem Stand mit 19 Mannschaften; 20 würden es werden, wenn aus der Dritten Liga noch ein Absteiger (1. FC Kaiserslautern oder SV Waldhof Mannheim) dazu kämen.

„Im Jahr darauf wollen wir dann wieder auf unsere Regelstärke von 18 Mannschaften herunterkommen“, informierte der stellvertretende Regionalliga-Geschäftsführer Felix Wiedemann. FKP-Präsident Jürgen Kölsch findet die Entscheidung unabhängig von den Vorteilen für seinen Verein „sportlich fair und folgerichtig, denn die Regionalliga West hat bei gleicher Ausgangslage auch keine Aufsteiger aus den Oberligen zugelassen“.

Stuttgarter Kickers: „Überrascht und enttäuscht“

Ganz anders naturgemäß die Reaktion der Stuttgarter Kickers, die in Baden-Württemberg zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Rang zwei hinter dem SGV Freiberg lagen. „Wir sind überrascht und enttäuscht. Über das weitere Vorgehen werden wir jetzt erst einmal intern sprechen“, teilte Lutz Siebrecht, Sportlicher Leiter des schwäbischen Ex-Bundesligisten, mit. Freibergs Präsident Emir Cerkez ist nach eigenen Worten „sehr enttäuscht und traurig darüber, dass uns die Möglichkeit einer sportlichen Qualifikation genommen wurde“. Freiberg soll schon Sport-Staranwalt Christoph Schickhardt engagiert haben.

Björn Berens, Geschäftsstellenleiter des in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zum Abbruch-Zeitpunkt auf Position eins befindlichen SV Eintracht Trier, kündigte an, „diese Entscheidung und Argumentation schnellstmöglich juristisch prüfen zu lassen und gegebenenfalls jede Möglichkeit auszuschöpfen, gegen den Beschluss vorzugehen“.

Wormatia Worms: „Während des Spiels die Spielregeln geändert“

„Sehr überrascht“ zeigt sich Jochen Schneider, Vorsitzender von Wormatia Worms, die auf Aufstiegsspiele hoffte: „Vor zwei Wochen hatten wir noch Kontakt mit der Regionalliga – und das Signal bekommen, dass die Relegation auf jeden Fall stattfinden soll.“ Entsprechend bemühte sich die Wormatia bei der Stadt um eine Ausnahmegenehmigung, um wie (schon lange) die Stuttgarter Kickers wieder mit dem Training beginnen zu können. „Wir sind unverschuldet nicht in der Lage, die Liga zu Ende zu spielen. Und es wirkt so, dass während des Spiels die Spielregeln geändert wurden – von meinem Rechtsempfinden her schwierig“, sagt der Offsteiner zu der 50-Prozent-Klausel. Nachdem vor Jahresfrist noch auf die Souveränität der Tabellenführer 1. FC Saarbrücken (Regionalliga) und Schott Mainz (Oberliga) beim Vorzeit-Aufstieg verwiesen worden war, wundert sich Wormatia nun, dass ihr und Triers großer Vorsprung keine Rolle spielen soll. Nun prüfe man weitere Schritte ergebnisoffen, so Schneider: „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit den anderen betroffenen Vereinen, telefonieren und stimmen uns ab.“

Fulda/Lehnerz: „Flickenteppich aus Fußballverbänden“

Sebastian Möller, Manager der in der Hessenliga bei Abbruch führenden SG Barockstadt Fulda/Lehnerz, zieht ein bitteres Fazit: „Die Regionalliga entscheidet, dass wir nicht aufsteigen dürfen, weil wir nicht mindestens 50 Prozent der Spiele gespielt haben, was aber vorher so nie kommuniziert wurde, sonst hätten wir uns ja den ganzen Zirkus seit dem Saisonabbruch sparen können.“ Möller sieht in Deutschland einen „Flickenteppich aus Fußballverbänden mit jeweils gesonderten Regelungen und Interessen“. Möller: „In der einen Liga dürfen Vereine mit einer Handvoll Spielen aufsteigen und andere müssen absteigen, in einer anderen dürfen Vereine aufsteigen, aber keiner steigt ab. Das sorgt für Unmut, Frustration und Kopfschütteln bei den Vereinen.“ Nun seien die SG-Verantwortlichen „es Spielern, Fans, Helfern, Sponsoren und uns selbst schuldig, alles rechtlich zu prüfen“. Möller: „Wenn es einen Ansatz gibt, gehen wir dagegen vor.“

Hans-Dieter Drewitz, Präsident des Südwestdeutschen Fußball-Verbands und einer der sieben Gesellschafter, wollte keine Stellungnahme zu dem Beschluss abgeben.

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