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FCK spielt 2:2 bei Holstein Kiel: Ganz besondere Geschichten
Sehr unterhaltsam wurde es im gut gefüllten Holstein-Stadion vor allem nach der Pause: Es ging Schlag auf Schlag. Die Kieler Sportvereinigung von 1900 wollte gegen den nach vier Jahren Drittklassigkeit gerade erst wieder in die Zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegenen 1. FC Kaiserslautern nicht sang- und klanglos untergehen. Und die Roten Teufel sahen es gar nicht ein, ganz ohne Ausbeute wieder von der Ostseeküste gen Südwesten zu fliegen.
So konnten mit dem 2:2 (0:1) am Ende beide Teams leben – und so schrieben unter anderem die Torschützen Daniel Hanslik und Terrence Boyd auf FCK-Seite und Fabian Reese, dem ein Doppelpack für Kiel gelang, besondere Geschichten an diesem eher grauen, vergleichsweise kühlen Julinachmittag.
Beide Trainer hatten in ihrer Startelf gegenüber den Auftaktspielen ihrer Klubs jeweils eine Änderung vorgenommen. Kiels Coach Marcel Rapp nahm Simon Lorenz für Johannes van den Bergh in die Anfangsformation. Beim FCK spielte der Ex-Kieler Daniel Hanslik für den mit einer Kniescheibenverletzung länger ausfallenden Ben Zolinski. Apropos Trainer: Beide, Marcel Rapp und Dirk Schuster, haben eine gemeinsame Vergangenheit bei den Stuttgarter Kickers. FCK-Coach Schuster, elf Jahre älter als Rapp, hatte den gebürtigen Pforzheimer bei den Kickers als Spieler. Lange war Rapp Stammspieler, dann setzte ihn Schuster damals auf die Bank.
Pechvogel Niehues
Auf der Bank bleiben sie als Trainer nun beide selten lange sitzen. Schon gar nicht, wenn etwas passiert wie in der 33. Spielminute: Es geschah etwas, das perfekt in ein schlüssiges Drehbuch passt. Hanslik, den der FCK von Holstein Kiel erst leihweise geholt und später fest verpflichtet hat, erzielte das 1:0 für die Roten Teufel: Er vollendete Marlon Ritters Versuch. Ritter durfte, unter anderem von Lewis Holtby nicht nachhaltig gehindert, Torwart Thomas Dähne prüfen. Der bestand den Test nicht wirklich, wehrte den Ball so ab, dass Hanslik abstauben konnte.
Julian Niehues, Ritters Partner auf der Doppelsechs im FCK-Mittelfeld, konnte dank Lauterer defensiver Konsequenz und mangels Kieler Druck im ersten Abschnitt ebenfalls viel vorne unterwegs sein. Torjägerqualitäten indes ließ er vermissen. Erst scheiterte Niehues an Torwart Dähne (43.). Als Hanslik kurz darauf nach einem Flankenlauf am linken Flügel perfekt auflegte, verpasste Niehues aussichtsreich am langen Pfosten – vorbei. Allerdings wurde der Ball von Terrence Boyd in der Mitte so abgefälscht, dass Niehues’ Position ungünstiger wurde (45.). Als das Spiel nach der Pause viel offener und abwechslungsreicher wurde, geriet Niehues vollends zum Unglücksraben.
Beim 1:1 (51.) und beim 1:2 (57.) sah der 21-Jährige in der Abwehr schlecht aus, verlor jeweils nach Eckbällen die entscheidenden Zweikämpfe vor den Kieler Toren. Jeweils Reese traf, indem er Niehues und Kollegen düpierte.
Gesamteindruck bleibt
„Mich ärgert, dass wir außer zwei Fernschüssen aus dem Spiel heraus nichts zugelassen haben“, sagte FCK-Trainer Schuster nach dem Spiel, „und dann zwei Tore nach Standardsituationen kassieren. Das darf in dieser Form nicht passieren. Der gute Gesamteindruck, den wir hier hinterlassen haben, wäre verwässert worden.“
Dass er es nicht wurde, dafür sorgten Kapitän Jean Zimmer, der Vorlagengeber über die rechte Seite, und Stürmer Terrence Boyd, der zum gerechten 2:2 traf (62.), dem Endstand. „Schön, dass ich der Mannschaft mal wieder mit einem Assist helfen konnte“, sagte Zimmer. „wir haben keinen Gegentreffer aus dem Spiel heraus zugelassen. Aber zwei Gegentore durch Standards – das darf uns nicht passieren, wenn wir nicht absteigen wollen.“
Genau andersherum sah es Reese, der für Kiel den zweiten Punkt im zweiten Saisonspiel klarmachte. „Wir haben aus dem Spiel heraus nicht viel kreieren können, deshalb sind die zwei Standardtore Gold wert.“ Mit seinem Doppelschlag verdoppelte Reese seine Ausbeute aus der vergangenen Saison.
Boris Tomiak, Lauterer Innenverteidiger, wollte den jungen Kollegen Niehues, der kurz nach dem zweiten Gegentreffer ausgewechselt wurde, derweil nicht verteufeln. „Am Ende ist es egal, wer welchen Fehler macht. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“ Oder spielen zusammen unentschieden. „Vier Punkte in zwei Spielen, das hätte vorher jeder unterschrieben“, sagte Hanslik, der Ex-Kieler, an seinem besonderen Tag.
So spielten sie
Holstein Kiel: Dähne - Becker, Lorenz (46. van den Bergh), Komenda - Sander - Korb, Reese - Sander, Holtby (75. Porath) - Mühling (46. Skrzybski, 76. Bartels) - Pichler, Arp
1. FC Kaiserslautern: Luthe - Durm, Tomiak, Kraus, Zuck - Niehues (60. Ciftci), Ritter - Zimmer (85. Hercher), Wunderlich (80. Redondo), Hanslik - Boyd (80. Lobinger)
Tore: 0:1 Hanslik (33.), 1:1 Reese (51.), 2:1 Reese (57.), 2:2 Boyd (62.) - Gelbe Karten: Hanslik - Porath - Beste Spieler: Reese, Pichler, Korb - Ritter, Hanslik, Boyd - Zuschauer: 13.113 - Schiedsrichter: Stieler (Hamburg).

