Handball
Ein Stresstest auf der Alb für die Eulen
Ein Tor. Ein mickriges Tor rettete die Eulen Ludwigshafen vor zwei Jahren vor dem Abstieg. Bietigheim und Gummersbach hatten damals unentschieden gespielt. Die Eulen siegten gegen Minden 31:30 und blieben Bundesligist, weil sie das bessere Torverhältnis gegenüber den punktgleichen Gummersbacher hatten.
Solche dramatischen Saisonfinals könnten diese Runde wegfallen. Die Vereine der Handball-Bundesliga (HBL) haben nämlich eine neue Regelung erarbeitet und eingeführt – den direkten Vergleich. So entscheidet diese Saison bei Punktgleichheit von zwei oder mehr Teams nicht wie bisher die Tordifferenz über die Platzierung, sondern eben jener direkte Vergleich. „Das wurde auf ausdrücklichen Wunsch von Bundestrainer Alfred Gislason beschlossen“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: „Er verspricht sich davon mehr Ruhepausen für die Nationalspieler.“ Die neue Regel soll vor allem den aufgrund der erwarteten Terminhatz stark belasteten Topclubs den Druck nehmen, in jedem Spiel mit dem stärksten Aufgebot bis zum Schluss auf Torejagd gehen zu müssen.
Kontroverse Diskussion über neue Regel
Ist das wirklich so? Die Top-Mannschaften haben in den bisherigen Spielen kaum jungen Akteuren eine Chance gegeben. Die neue Regel wird jedenfalls kontrovers diskutiert. Sie wurde auch beschlossen, weil die Bundesliga auf 20 Teams aufgestockt wurde – wegen der Corona-Krise. Zudem werden diverse ausgefallene Wettbewerbe wie die Endrunden in der Champions League und im DHB-Pokal sowie die Olympischen Spiele mit vorheriger Qualifikation nachgeholt. „Die Tordifferenz ist nun nicht mehr so relevant“, bedauert Eulen-Trainer Ben Matschke. Denn die abwehrstarken Eulen haben in der Vergangenheit immer sehr gut dagestanden im Vergleich zu den direkten Konkurrenten.
Das aber zählt also nicht mehr. Am Donnerstag, 19 Uhr, müssen die Eulen Ludwigshafen somit in Balingen gewinnen. Beide Teams haben nach vier Spielen keinen Punkt geholt. Balingen kassierte am Sonntag eine überraschende 27:33-Abreibung bei Aufsteiger Tusem Essen. „Für mich hat Balingen einen Vorteil, weil sie schon zwei dieser Vier-Punkte-Spiele absolviert haben“, sagt Matschke. Neben Essen traf Balingen auf den TVB Stuttgart – und verlor auch da. „Für uns sind nun Spiele gegen Coburg, Balingen, Essen und Nordhorn extrem wichtig“, betont Matschke.
Ludwigshafen führt gegen Balingen
Im direkten Vergleich hat Ludwigshafen die Nase vorn gegen Balingen. In den fünf bisherigen Aufeinandertreffen gewannen die Eulen zwei Partien und verloren eine. „Wir haben es die letzten beiden Duelle gegen Balingen gut gemacht“, lobt Matschke. Da hatten die „Gallier von der Alb“ immerhin noch Nationalspieler Martin Strobel und Filip Taleski im Team. Beide sind nicht mehr da.
Das ändert für Matschke nichts an der Heimstärke der Balinger. Doch er sagt auch: „Wir haben die Woche sehr gut trainiert. Die Mannschaft war fokussiert und hat sich ein gutes Spiel in Balingen als Belohnung verdient. Wir spielen jetzt die erste Halbzeit, die zweite gegen Balingen folgt dann in der Rückrunde.“