Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Speyerer bei den Special Olympics: Totale Euphorie

In Berlin vor dem Reichstag: Claus Majolk (links) mit den Tennisspielern und Maskottchen.
In Berlin vor dem Reichstag: Claus Majolk (links) mit den Tennisspielern und Maskottchen.

Völlig begeistert ist dieser Tage Claus Majolk (54). Der Speyerer ist in Berlin der deutsche Tennis-Headcoach bei den Special-Olympics-Weltspielen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

Vor allem auf die Eröffnungsfeier am Samstag vor 50.000 Zuschauern angesprochen, schwärmt Majolk auch Tage danach noch. Er weiß schon gar nicht mehr, wem er was und wann erzählt hat. Konkurrenzloser Höhepunkt bislang: „Das Einlaufen ins Stadion, also wer da keine Gänsehaut bekommt, ist klinisch tot“, erzählt er. „Und das sagen alle.“

Im Tunnel

Der Speyerer erzählt weiter: „Ob ich erst fünf Meter oder schon eine dreiviertel Runde gelaufen war, ich wusste es nicht mehr. Ich habe nur noch die blaue Bahn gesehen und die Leute auf der Tribüne. Ich weiß gar nicht, wieviele Hände ich abgeklatscht habe. Ich hätte noch weiter laufen können.“

2012 entstand Majolks ehrenamtliches Engagement, als die Pestalozzischule Speyer beim Tennistrainer des TC Weiss-Rot seiner Heimatstadt wegen einer Schnupperstunde anfragte: „Wir haben spontan einen Termin ausgemacht.“ Der 54-Jährige recherchierte im Internet, stieß auf die ihm bis dato völlig unbekannte Special-Olympics-Bewegung und blieb der Sache bis heute treu. Spätestens mit den Landesspielen 2015 in Speyer fing er so richtig Feuer.

Das Besondere

Stimmung, Herzlichkeit – das machen für ihn die Tage in der Hauptstadt aus. Immer wieder berichtet er von der Atmosphäre, ob bei der Revue im Friedrichstadtpalast oder dem Tennisturnier: „Es waren 300 Zuschauer da. Das ist mehr als bei manchem Bundesligaspiel.“

Immer wieder lacht Majolk, der mittlerweile als Coach beim BASF TC Ludwigshafen arbeitet, fallen bei unseren Interviews Sätze wie „Hongkong ist auch in die S-Bahn eingestiegen“ oder „Saint Nevis and Kitts spielt Tischtennis.“

Internationale Kontakte

So entstehen persönliche Kontakte: die Tasse Tee mit dem Headcoach Pakistans, der Smalltalk mit den Eltern aus Finnland. Beide Seiten berichten von denselben Schwierigkeiten: Die Verbände tun zu wenig. Alles steht und fällt mit den Ehrenamtlichen.

Und dann waren da noch die zwei Mädchen von 20 College Girls aus dem US-Bundesstaat Kentucky, in Lila zu erkennen und den 20.000 Volunteers zugehörig. „Fremdenführer“ Majolk wartet mit wahren Neuigkeiten für das US-Duo auf: „Berlin ist die Hauptstadt, es gibt ein Brandenburg Gate, einen Reichstag, den man besuchen könnte.“

Berlin-Kenner

Er selbst ist ein Berlin-Fan: „25 bis 30 Mal“ sei er da gewesen, zumeist als Begleiter von Schulklassen. Lieblingsplätze entstehen: „Der Spaziergang vom Alexanderplatz zum Reichstag, aber egal, Berlin Zentrum ist immer schön.“

Aufgrund des eng getakteten Terminkalenders bleibt diesmal kaum Zeit, weder für andere Wettkämpfe, noch für sein so geliebtes Deutsches Historisches Museum: „Egal, was es für Sonderausstellungen gibt, ich gehe gerne hin.“ Alte Meister tun es Majolk weniger an. Pergamonmuseum, Ausstellungen zum Nationalsozialismus viel mehr.

Doch der Tag in Berlin bedeutet: aufstehen um 5 Uhr, in die Federn kurz vor Mitternacht. Vier Whatsapp-Gruppen sorgen täglich für Eingänge im unteren dreistelligen Bereich. Am Sonntag wartet ein letzter emotionaler Höhepunkt: Abschlussfeier am Brandenburg Gate.

Großer Augenblick: Sophie Rensmann aus dem deutschen Tennisteam entzündet das Feuer.
Großer Augenblick: Sophie Rensmann aus dem deutschen Tennisteam entzündet das Feuer.
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