Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Drei Bayern-Legenden sagen Servus

 Jérôme Boateng.
Jérôme Boateng.

Kaiserslautern, Ende Mai 2019. Der FC Bayern München schaut auf dem Betzenberg zum Retterspiel vorbei. Es ist ein Montag, zwei Tage zuvor holte das Team die deutsche Meisterschaft. Präsident Uli Hoeneß ist froh, dass das Spiel für seine noch angeheiterten Jungs glimpflich ausging, und redete dann doch Tacheles. Jérôme Boateng habe keine Zukunft mehr bei den Bayern, der Berater sei informiert, alles Gute, herzlichen Dank.

Jérôme Boateng ist immer noch da beim FC Bayern, zumindest bis Samstagabend. Was Hoeneß damals nicht wusste, war, dass Mats Hummels zurück nach Dortmund flüchtete und Jérôme Boateng arbeitete, sich zurück kämpfte, und zwei weitere klasse Spielzeiten hinlegte. Neben David (Alaba) war er stets der Stellungs-Goliath, Boateng holte im vergangenen Jahr wie schon 2013 mit dem FC Bayern das Triple. David Alaba und Javier Martinez waren an seiner Seite.

Teil der Geschichte

Boateng zeigt sich demütig. „Ich bin unglaublich stolz, dass ich hier Teil der Geschichte geworden bin, so viele Spiele machen durfte, viele Freunde getroffen habe und den Fußball mit dem FC Bayern genießen durfte“, betonte der 32-Jährige. Sein größter Fan zuletzt war Trainer Hansi Flick, Boateng spielte bei ihm immer. Am Morgen des Rückspiels gegen Paris Saint-Germain in der Champions League verkündete der Klub peinlicherweise, Boateng nicht weiterzubeschäftigen. Überraschend war das nicht, mit Dayot Upamecano von RB Leipzig stand schon der Nachfolger bereit. Im Gegensatz zu anderen wurde Boateng beim FC Bayern nie die ganz große Wertschätzung zuteil. So ließ sich Kurzzeit-RTL-Experte Uli Hoeneß vor kurzem noch zu der Expertise hinreißen: „Ich würde ihn nicht (zur EM) mitnehmen.“ Boatengs Franz-Beckenbauer-Gedächtnispässe über das halbe Spielfeld werden der Bundesliga fehlen. Aber wer weiß?

Frühjahr 2012. Amtsstraße Ludwigshafen, Sportressort. Wie kann man einen defensiven Mittelfeldspieler für 40 Millionen Euro kaufen, so der Tenor in der Redaktionsstube. Einen gewissen Javier Martinez von einem gewissen Klub Athletic Bilbao. Absurd! Albern! Lächerlich! Armer FC Bayern! So die Einschätzung.

Jeden Cent wert

Und dann leisteten wir ganz schnell Abbitte. Javier Martinez war jeden Cent wert. Was für ein großartiger Spieler. Bereits ein Jahr später stemmten die Bayern in London den Henkelpott in die Höhe, Martinez bildete mit Bastian Schweinsteiger damals die beste Mittelfeld-Zentrale Europas. „Diese neun Jahre werde ich nie vergessen. Schon am ersten Tag habe ich das ,Mia san mia„ und das Besondere am FC Bayern gespürt“, resümierte Martinez.

In den vergangenen zwei Spielzeiten rückte der Spanier mehr und mehr ins zweite Glied, noch einmal legte der Abräumer und Stabilisator eine Gala hin. Das war am 19. Februar 2019 im Champions-League-Spiel beim FC Liverpool. Der damalige Trainer Niko Kovac setzte auf ihn. Martinez grätsche, Martinez lief Löcher zu, Martinez rackerte. Endstand: 0:0.

Ein grandioser Innenverteidiger

Etwas gelitten hat in jüngster Zeit das Ansehen David Alabas. Der Österreicher wollte partout seinen Vertrag nicht verlängern, hohe Gehaltsforderungen wurden kolportiert. Im Hintergrund lieferten sich die Bayern und Alabas Berater Pini Zahavi unangenehme Wortgefechte. Noch hat Alaba nirgendwo unterschrieben, zumindest offiziell nicht.

Was bleibt? Aus einem sehr guten Linksverteidiger wurde ein grandioser Innenverteidiger. „Ob mir äußerlich die Tränen kommen, kann ich jetzt noch nicht sagen – aber innerlich mit Sicherheit“, sagte er nun.

Flankiert werden die Legenden der Leidenschaft von Trainer Hansi Flick und den Assistenten Hermann Gerland und Miroslav Klose, die ebenfalls am Samstag gehen. Es ist der Tag der Abschiede, auch in den anderen Stadien, man denke nur an die Bender-Zwillinge.

David Alaba.
David Alaba.
Javier Martinez.
Javier Martinez.
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