Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Die kalten, nassen BMW Open: Notfalls in langer Unterhose

Der Regenschirm durfte nicht fehlen in München am Mittwoch. Eine Frau hat ihr Regencape angezogen.
Der Regenschirm durfte nicht fehlen in München am Mittwoch. Eine Frau hat ihr Regencape angezogen.

Wer derzeit den BMW Open in München beiwohnt, der braucht vor allem eines: Geduld. Viel Geduld. Egal ob als Schiedsrichter, Zuschauer oder Spieler. Das musste auch Alexander Zverev am Mittwoch lernen.

Eine dicke Jacke. Eine Wollmütze. Ein Schal. Ein Regencape. Ein Schirm. Eine Decke. Ein Handtuch (um die nassen Sitze abzuwischen). April, April. Die Münchner wissen Bescheid und waren vorbereitet, als sie gestern bei den BMW Open vorbeischauten, auf der Anlage vom MTTC Iphitos am nördlichen Ende des Englischen Gartens.

Am dritten Tag des ATP-Turnieres herrschten schlanke sieben Grad, es tröpfelte und regnete am Vormittag. Leidtragender war Rudolf Molleker. Der Deutsche gewann in der zweiten Runde den ersten Satz gegen den weitaus besser platzierten Jack Draper, und dann – ja, dann gab es eine Regenpause.

Hitze gibt’s nur akustisch

Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann vertrieb sich die Zeit im Pressezentrum. Nach einer guten halben Stunde Unterbrechung ging es weiter, die Zuschauer wurden auf ein langes Spiel eingestimmt. Schließlich duellierten sich am Dienstag Felix Auger-Aliassime und Maximilian Marter über dreieinhalb Stunden; mit dem besseren Ende für den Kanadier.

Aus der Musikbox kam „The heat is on“, die Hitze ist da, aber Molleker hatte keine Chance mehr, verlor 6:4, 1:6 und 1:6. „Es war schwierig im ersten Satz. Aber jeder muss damit zurechtkommen“, sagte der Brite Jack Draper. Er spielte mit einer langen Unterhose. Auf einem Nebenplatz trat Yuki Bhambri aus Indien in seinem Doppel im Trainingsanzug an. Der April macht, was er will. Der Frühling nahm in München auf jeden Fall noch ein kleines Päuschen. „Letzte Woche war es so schön“, sagte ein Besucher.

Und dann sogar Hagel

Schnell, ganz schnell. Nur zehn Minuten nach dem Match von Rudolf Molleker ging es auf dem Center Court schon weiter. Die Sonne schien, blau-weißer Himmel über München. Das galt es auszunutzen.

Ihr Auftritt, Alexander Zverev. Der deutsche Spitzenspieler war nicht ganz zufrieden mit sich, führte aber mit 5:4 gegen den Österreicher Jurij Rodionov. 47 Minuten waren gespielt, die Tribünen auf dem Center Court sehr gut besetzt – und dann folgte der große Regen. Regen? Kleine Hagelkörner plumpsten auf die Anlage. Jetzt entschied sich der Discjockey für „I can’t stand the rain“. Übersetzt: Ich kann den Regen nicht ertragen, und das passte vortrefflich. Bald ging nichts mehr.

Warten, warten, warten

Die Spieler brauchten Geduld, die Zuschauer brauchten Geduld, die Ballkinder brauchten Geduld, die Linienrichter brauchten Geduld, Turnierdirektor Patrik Kühnen brauchte Geduld. Nach weit über zwei Stunden Zwangspause betraten Zverev und Rodionov kurz vor 17 Uhr wieder die Arena. Zverev gewann den ersten Satz im Tiebreak mit 7:6. Nach 26 Minuten war das ausgeglichene Tennis-Spiel aber schon wieder dabei. Hagel? Nein, ein Platzregen scheuchte die Akteure erneut in die Umkleidekabine. Um kurz nach 19 Uhr ging es weiter, und in einer halben Stunden war es geschafft. 6:2.

Die Stimmung war großartig am Ende des Tages. Die Zuschauer schafften sogar zwei La Olas. Sie feuerten Alexander Zverev an. Nach der Partie sagte er auf dem Platz. „Ich hätte auch 16 Bier getrunken, wenn ich sechs Stunden Zeit gehabt hätte.“ Der 26-Jährige meckerte zwar, dass er zunächst auf Englisch sprechen musste, zeigte sich aber volksnah und bedankte sich bei den Fans, dass sie dablieben. Er freute sich, dass er in München mal wieder im Viertelfinale steht. Fortsetzung folgt. Wie es aussieht: mit noch mehr Regen ...

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