Handball
Die Eulen Ludwigshafen zittern sich zum Heimsieg
„Meine Nerven.“ Eine Zuschauerin sprach am Sonntag direkt nach Spielende aus, was vermutlich viele dachten und empfanden. Die Eulen machten es ihren Fans nicht leicht. Nach einer starken ersten Halbzeit verlor die Mannschaft völlig den Faden und rettete sich mit viel Kampfgeist ins Ziel. Es war ein Auf und Ab. Es war wie in der Hinrunde, nur umgekehrt.
Zunächst aber deutete nichts auf einen ungemütlichen Abend hin. Die Gastgeber fanden sofort ins Spiel, was auch an Torhüter Mats Grupe lag. Das große Torwart-Talent wird immer besser, wird immer konstanter. Grupe hielt gleich mal zwei Bälle.
Früh eine Rote Karte
Bis zur 20. Minute blieb die Partie ausgeglichen. Der TV Großwallstadt, der ab der elften Minute ohne Florian Mohr spielen musste, der nach einem rüden Foul an Mex Raguse die Rote Karte sah, hielt bis zum 12:10 mit.
Dann hatten die Eulen eine sehr gute Phase. In den letzten zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff kamen sie in einen 9:4-Lauf, sie konnten sich so entscheidend absetzen. Die Eulen hielten das Tempo hoch, ließen den Gästen keine Möglichkeit zum Verschnaufen. Eine Augenweide: die weiten Abwürfe von Torhüter Mats Grupe auf Linksaußen Tim Schaller, der zwei Konter so effektvoll abschloss.
Pausenstand geht in Ordnung
Auch Sebastian Trost setzte vor 1879 Zuschauern zunächst seinen Aufwärtstrend fort. Der Rückraumspieler agierte selbstbewusst, nutzte die Lücken in Abwehrverbund der Mainfranken. Mit 21:14 machten sich die Teams auf in die Pause. Das ging auch so in Ordnung.
Aber was passierte dann? „In der ersten Halbzeit haben wir eine super Abwehr gespielt. Jeder hat sich an den Plan gehalten. Wir waren in einem kleinen Rausch. Ich habe, bevor wir nach der Pause wieder raus sind, explizit darauf hingewiesen, dass wir die Grundlagen nicht vergessen dürfen. Dass wir uns nicht ausruhen dürfen“, sagte Trainer Johannes Wohlrab.
Großwallstadt holt Tor um Tor auf
Es kam anders. Die Eulen konnten nicht an die Leistung der ersten 30 Minuten anknüpfen. Sie gerieten aus dem Takt. Großwallstadt war jetzt bissiger und nutze die Schwächephase der Heim-Sieben aus. Mit technischen Fehlern luden die Eulen die Gäste ein. Und tatsächlich: In der 43. Minute, beim 25:23 durch ein Tor des früheren Ludwigshafeners Stefan Salger, war die Begegnung wieder offen. Die Eulen legten einen Zwischenspurt hin, setzten sich wieder auf vier Tore ab. 29:25 stand es. Aber etliche Zwei-Minuten-Strafen unterbrachen erneut den Rhythmus. Tom Bergner quittierte in der 55. Minute seine dritte Zwei-Minuten-Strafe und musste endgültig vom Feld. 31:29. 31:30, Raguse scheiterte, 31:31, jetzt drohte Ungemach. „Wir lassen viele freien Bälle liegen, machen den Torhüter stark. Die vielen Würfe in unser leeres Tor haben besonders weh getan“, betonte Schaller.
Die Stunde des Julius Meyer-Siebert
Und nun war es Julius Meyer-Siebert, der Verantwortung übernahm. Mit seinen Toren zum 32:31 und 33:32 stellte er wieder die Weichen auf Sieg. „Ich habe gesehen, dass ich nah dran bin und wahrscheinlich über den Block komme. Dann hatte ich eine Hand im Gesicht“, erzählte der glückliche Spieler. Seine Analyse: „Es war wie so oft. In der Halbzeit sagen wir: bloß nicht nachlassen, keinen Zentimeter. Der Flow war aufgebrochen. Wir machen dann viele Fehler, laden den Gegner ein. Das Spiel ist uns trotzdem nicht aus den Händen geglitten“, betonte Abwehr-Ass Meyer-Siebert der jetzt auch im Angriff immer wertvoller wird.
Der nächste Krimi ist schon datiert. Am kommenden Sonntag empfangen die Eulen in der Ebert-Halle um 17 Uhr den VfL Lübeck-Schwartau ...