Eiskunstlauf
Deutsches Team hat noch viel Arbeit vor sich
11.000 Zuschauer schreien und feiern in Kaunas wie aus einer Kehle: Die litauischen Eistänzer Allison Reed und der im EM-Austragungsort geborene Saulius Ambrulevicius haben verdient Bronze hinter Großbritannien und Italien gewonnen. Damit ist das Ziel auch der Ausrichter der wohl lautesten Eiskunstlauf-EM aller Zeiten – das Publikum ist sonst Basketball mit aufpeitschenden Anfeuerungen gewohnt – erreicht. Eine Kulisse, die in Deutschland kaum denkbar wäre, da Eiskunstlauf eine Randsportart ist, auch wenn die Paarläufer Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin dank ihres Siegs im Grand-Prix-Finale für mehr Medieninteresse sorgten. Doch hat Deutschland nur im Paarlauf Weltniveau. Die verpasste Medaille – Hase/Volodin wurden Fünfte – war einem Flüchtigkeitsfehler geschuldet.
Im Eistanz wiederum hat sich das Niveau im vergangenen Jahr so sehr gesteigert, dass die Oberstdorfer Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan trotz sichtbarer Verbesserung auch dank des Inputs der Choreografen-Legende Pasquale Camerlengo in ihrer Tango-Kür nur Elfte wurden, 2023 waren sie noch Zehnte.
Im Frauen-Einzel hinterlässt die zurückgetretene Nicole Schott eine Lücke. Die für den Mannheimer ERC startende Kristina Isaev ist erst langsam in die Saison hineingekommen, erreichte aber in Kaunas durchaus mehr als erhofft: Die 22-Jährige kam bei ihrer ersten EM auf den 15. Platz; auch, da andere Läuferinnen Nerven zeigten. „Ich kann nicht ohne Eiskunstlauf sein, und ich liebe es inzwischen auch, Wettbewerbe zu laufen“, sagt die 22-Jährige. Aus Nervosität sei zur Kür so etwas wie positive Aufregung geworden. „Es ist wie Geburtstag zu haben“, sagte sie strahlend nach ihrer auf den ersten Blick fehlerfreien Kür, bei der das strenge Technikteam des Preisgerichts aber einige Sprünge abwertete: Dem Dreifachlutz fehlte eine halbe Umdrehung, zwei Rittbergern und einem Toeloop je eine Vierteldrehung.
Die 22-Jährige hatte zwischendurch ihre Eiskarriere beinahe schon an den Nagel gehängt. Eine Fußverletzung hatte sie nach ihrer Schulzeit in Mannheim fast drei Jahre lang ausgebremst. Sie hatte eine Ausbildung in einer Zahnarztpraxis begonnen, wollte es dann doch noch einmal wissen.
In der vierten Saison trainiert sie nun in Oberstdorf bei Michael Huth, der schon Carolina Kostner und Nicole Schott coachte. Er attestiert Isaev viel Selbstdisziplin, jedoch müsse sie den Trainingsplänen noch mehr vertrauen. Huth sei ein Trainer mit klarem Konzept, sagt Isaev, die die Grundlagen bei dem von ihr ebenfalls hoch geschätzten Peter Sczypa in Mannheim lernte. „Es war eine tolle Zeit“, blickt sie zurück. Dem MERC bleibt sie denn auch verbunden: „Ich bin in Mannheim immer gut unterstützt worden und werde es auch noch.“