Schach
Der Pfälzische Verband sehnt sich nach Normalität
Von einer „nervenaufreibenden Zeit“ spricht PSB-Präsident Bernd Knöppel und berichtet von vielen Videokonferenzen und von den Ängsten und Befürchtungen der Schachspieler, mit denen er und die anderen Verantwortlichen des PSB sich konfrontiert sahen. Keine Frage, diese vom Coronavirus verschattete Zeit ist für den Rechtsanwalt die schwierigste in den zwölf Jahren an der Spitze des PSB.
Die Schwierigkeiten begannen, als Mitte März coronabedingt die Mitgliederversammlung abgesagt werden musste und die Saison unterbrochen wurde. Wie geht es weiter mit dem Spielbetrieb? Diese Frage wurde Anfang dieses Monats per Mehrheitsbeschluss auf einer Präsidiumssitzung beantwortet. Die Saison 2019/20 wird „mit Stand des letzten, regelgemäß beendeten Spieltages für die jeweilige Spielklasse abgebrochen“. Im Unterschied zu anderen Sportarten wird es aber nicht nur Aufsteiger, sondern auch Absteiger geben. Im Hinblick auf die kommende Saison kann Knöppel aber „noch nichts Konkretes“ sagen. „Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken“, erklärt der Präsident, was wohl bedeutet, dass die unbeschwerten Schachtage mit Mannschaftskämpfen, Blitzturnieren und geselligen Vereinsabenden nicht so schnell zurückkehren werden.
Internet kein Neuland
In Zeiten von Corona haben viele Sportler und Vereine notgedrungen das Internet für sich entdeckt. Für die Schachspieler ist dieses Medium kein Neuland, wird doch schon seit Jahrzehnten Internetschach gespielt. Kein Wunder, dass auch das Spitzenschach in den digitalen Raum rochierte. Weltmeister Magnus Carlsen initiierte eine Turnierserie und sorgte zuletzt in einem Wettkampf gegen den Chinesen Liren Ding für Aufsehen.
Aufgrund einer technischen Panne konnte Ding die erste Partie nicht fortsetzen und verlor deshalb. Ärgerlich für ihn, dass dies in einem leicht remis zu haltenden Endspiel geschah. Carlsen wollte diesen geschenkten Sieg aber nicht und revanchierte sich in der zweiten Partie, die in die Schachgeschichte eingehen dürfte. Als Nachziehender „opferte“ er im dritten Zug die Dame auf d2 und gab sogleich auf. Eine überaus noble und faire Geste des Norwegers.
Die dunkle Seite
Da aber nicht alle Schachspieler so fair sind, haben Wettkämpfe im Internet auch eine dunkle Seite; sie bieten nämlich die Möglichkeit zum Betrug. Das ist der Fall, wenn ein Spieler während der Partie ein Schachcomputerprogramm als unerlaubtes Hilfsmittel für das Finden eines Zuges benutzt. Deshalb wird von Spielern der Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL) Fairplay gefordert. 246 Mannschaften nehmen an deren Wettkämpfen teil. Vom PSB sind der SK Ludwigshafen, SK Landau, TSG Eisenberg, Post SV Neustadt und die Schachfreunde Birkenfeld mit von der Partie.
Diese Internetkämpfe seien „ein schönes Angebot“, könnten aber die normalen Mannschaftskämpfe nicht ersetzen, sagt der Vorsitzende der Schachfreunde Birkenfeld, Mario Ziegler. Skeptisch steht Schachspielerin Anja Kotowski vom SC Niedermohr-Hütschenhausen diesen Online-Wettkämpfen gegenüber. „Das ist für mich nicht die Erfüllung“, sagt die 46-Jährige. Sie vermisst die Klubabende und spiele Schach, um mit anderen Menschen zusammen zu sein.
Spielabend macht Mut
Diesen Aspekt des Schachspiels rückt auch Bernd Knöppel in den Fokus. „Schach wird am Brett gespielt“, sagt der Präsident und informiert über eine „Zuschussrichtlinie“, mit der der Verband die Vereine beim Kauf von Hygienemitteln unterstützen will. Mut macht in diesen schwierigen Zeiten eine Einladung des PSB und der Schachabteilung des SV Südwest 1882 Ludwigshafen zu einem „Spielabend am Morgen“ am Sonntag, 12. Juli, um 11 Uhr im Julius-Hetterich-Saal. Unter Einhaltung der aktuellen Gebote in Sachen Hygiene und Abstand können dort maximal 50 Schachfreude wieder ein bisschen Normalität am Brett erleben.