Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Der fatale Leistungsabfall der Adler Mannheim zur Unzeit

Adler-Trainer Bill Stewart (oben rechts) wirkt ob der Schwächephase seiner Mannschaft nicht beunruhigt.
Adler-Trainer Bill Stewart (oben rechts) wirkt ob der Schwächephase seiner Mannschaft nicht beunruhigt.

Die Pleite gegen die Kölner Haie offenbarte, dass die Adler Mannheim nicht in Play-off-Form sind. Der Trainer betont trotzdem positive Aspekte.

Uwe Krupp hatte übertrieben. „Dieses Spiel heute hatte Play-off-Charakter“, sagte der Trainer der Kölner Haie, der vor vielen Jahren als erster deutscher Gewinner des Stanley Cups in Nordamerika oder vor weniger vielen Jahren als Bundestrainer Aufsehen erregte. Krupp wollte seinem Kollegen helfen, der nur zwei Stühle weiter links saß, aber diese Vorlage nicht aufnehmen konnte – es hätte zu unglaubwürdig geklungen. Krupp konnte großzügig in seiner Wortwahl sein, denn die Haie hatte kurz davor bei den Mannheimer Adlern 5:2 gewonnen und letztlich befinden sich die Kölner in so einer Art Vor-Play-offs, denn sie müssen sich recken und strecken, wenn sie in ein paar Wochen die wichtigste Phase in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beginnt.

Die Mannheimer müssen diese Sorge nicht haben, denn sie werden als aktuell Tabellendritter dabei sein, wenn die K.o.-Runden losgehen. Spätestens seit Dienstagabend sollten sich die Verantwortlichen aber Gedanken machen, wie ihr Team dort bestehen soll. Bei der Niederlage gegen die Haie war ein Klassenunterschied erkennbar, der sich in einer deutlichen 5:1-Führung nach zwei Dritteln manifestiert hatte. „Sie haben Play-off-Eishockey gespielt, wir nicht“, sagte deshalb Bill Stewart, Krupps Kollege, zwei Stühle weiter links.

Jubel für Köln: Andreas Thuresson (links) hat das 2:0 für die Haie erzielt.
Jubel für Köln: Andreas Thuresson (links) hat das 2:0 für die Haie erzielt.

Der Chefcoach der Adler musste etwas erklären, was in dieser Phase der Saison niemand erklären möchte: einen Leistungsabfall der eigenen Mannschaft kurz vor den Play-offs. Die Niederlage gegen die Kölner war eine Fortsetzung der Leistungen der jüngeren Vergangenheit, exakt eine Woche zuvor setzte es eine bittere 0:3-Heimpleite gegen Iserlohn, von den jüngsten vier Heimauftritten gingen drei verloren. In den zurückliegenden acht Partien gelang den Mannheimern kein Sieg nach 60 Minuten mehr, da ist offensichtlich etwas ins Stocken geraten.

Stewart, der einräumen musste, kein Play-off-Eishockey vom eigenen Team gesehen zu haben, war ansonsten aber bemüht, den negativen Aspekten des Abends möglichst klein zu halten. „Wir sind nur drei Punkte entfernt vom zweiten Platz in der Tabelle“, sagte der Kanadier, und überhaupt: „Man muss nicht den kleinen Bildausschnitt ansehen, sondern das große Ganze betrachten.“ Stewart zog Zuversicht daraus, dass sich Spieler wie Matthias Plachta in Schüsse des Gegners warfen. Das sei ein guter Grund, an eine gute Zukunft zu glauben. Das ist in etwa so, als würde ein Abteilungsleiter seinen Optimismus zur Erfüllung der Ziele daraus speisen, dass alle Mitarbeiter am Morgen pünktlich zur Arbeit erschienen sind.

Körpersprache: Thomas Larkin von den Mannheimer Adlern nach einem Gegentor.
Körpersprache: Thomas Larkin von den Mannheimer Adlern nach einem Gegentor.

Man muss dem Trainer der Adler anrechnen, dass es vermutlich wenig bringt, zum aktuellen Zeitpunkt grundsätzliche Fragen abzuarbeiten, denn die Adler sind am Freitag gegen die Eisbären Berlin schon wieder in der Liga gefordert und stehen nun einmal kurz vor den Play-offs. Womöglich sind öffentlich verlautbarte Durchhalteparolen der bessere Weg. Auf eines kann sich Stewart verlassen, das wurde selbst bei der klaren Niederlage gegen Köln offensichtlich: Die individuelle Qualität im Kader der Adler ist enorm.

Bergmann hat einen Lösungsansatz

Einer dieser veranlagten Akteure ist Lean Bergmann, der sich nach der Pleite gegen Köln darüber freute, dass der darauffolgende Tag kein Eishockeytraining beinhaltete. „Komplett abschalten“ wollte der Stürmer, und „vielleicht mit Freunden brunchen gehen“. In jedem Fall nicht zu viel an die derzeitige Lage bei den Adlern denken, das trug Bergmann sich selbst auf – um am Donnerstag wieder mit Elan zum Training fahren zu können.

Einen Ansatz für eine baldige Steigerung hatte der 24-Jährige ohnehin parat. „Wir müssen die einfachen Dinge besser machen“, sagte Bergmann zum Schluss. Na dann, wenn es so simpel ist.

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