Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Der bewegende Abschiedssonntag der Eulen

Die pure Enttäuschung: Eulen-Spielmacher Dominik Mappes nach dem feststehenden Abstieg.
Die pure Enttäuschung: Eulen-Spielmacher Dominik Mappes nach dem feststehenden Abstieg.

Die Chance war da, doch die Eulen Ludwigshafen haben sie am Donnerstagabend beim TSV GWD Minden nicht genutzt. Das 24:24 war zu wenig, der Abstieg nach vier Jahren in der Bundesliga steht damit fest. Am Sonntag folgt nun ein sicher bewegender Abschied.

Ben Matschke gingen am Donnerstagabend rund eine Stunde nach Spielende in der Kreissporthalle Lübbecke so einige Gedanken durch den Kopf. Darunter einer ganz besonders: „Was hätte ich in so manchen Situationen anders machen können?“ Bezogen war dies auf das 24:24 (10:14) beim TSV GWD Minden – ein Unentschieden, das nicht reichte, um den Abstieg in die Zweite Liga zu verhindern. Was den Trainer, den es nach der Saison zur HSG Wetzlar zieht, besonders wurmte: „Wir waren nicht mutig genug.“

Das vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit in den Situationen, als GWD-Trainer Frank Carstens den siebten Feldspieler brachte. In der ersten Halbzeit hatten das die Eulen einmal bestraft, als Azat Valiullin zum 12:5 ins leere Tor traf (21.). Wenig später versuchte das Valiullin erneut, sein Wurf aus der Entfernung ging aber über das Tor. Zu diesem Zeitpunkt sah es noch so gut aus für die Eulen, die einen beeindruckenden Start hinlegten. „Es war aber auch klar, dass wir das so nicht bis zum Ende durchziehen werden“, sagte Matschke. Geschäftsführerin Lisa Heßler meinte: „Ab dem 5:12 konnte Minden nur noch gewinnen.“

Keine einfachen Tore

Nach der Pause, als GWD immer näher kam, hatten die Eulen durchaus ihre Möglichkeiten, mit Tempo zu einfachen Treffern zu kommen, weil das Mindener Tor leer war. Sie taten es aber nicht mehr. Was Torwart-Routinier Gorazd Škof – diesmal nicht eingesetzt – auf der Bank zur Verzweiflung brachte. Wütend knallte er nach dem Spiel, nach dem feststehenden Abstieg, eine Plastikflasche an die Wand der Kreissporthalle. „Wir haben dann versucht, jeden Angriff auszuspielen“, haderte der Trainer.

Das ging immer öfter schief, weil die Eulen Fehler machten, zudem immer wieder am in der Schlussphase ganz starken GWD-Torhüter Malte Semisch scheiterten. Dabei sah es selbst sieben Minuten vor Schluss noch sehr gut für die Eulen aus, als Hendrik Wagner mit einem herrlichen Treffer das 24:21 erzielte – das 174. Saisontor des 23-Jährigen, der von mehreren Bundesliga-Klubs umworben wird. „Wir freuen uns, welche Entwicklung er gemacht hat, und wir freuen uns, dass er für nächste Saison bei uns unter Vertrag steht“, sagte Lisa Heßler.

Matschkes Dank

Ein weiteres Tor wollte den Ludwigshafenern nicht gelingen. Fatal. Stattdessen trafen der starke Kevin Gulliksen (54., 57.) sowie Juri Knorr, der künftige Rhein-Neckar-Löwe (55.). 24:24. Auch der letzte Wurf von Wagner, der eine so famose Saison gespielt hatte, wollte Sekunden vor Schluss nicht ins Tor, blieb im Block hängen. Die umjubelte Rettung für GWD Minden, der bittere Abstieg für die Eulen.

„Wir hatten mehrfach die Chance, das Spiel zu entscheiden“, wusste Matschke. In der Kabine hat er sich bei jedem seiner niedergeschlagenen Spieler bedankt. „Sie haben in dieser Saison, gerade in den letzten Wochen, ganz viel Invest gezeigt. Es war auch heute wieder Wahnsinn, was sie geleistet haben“, betonte der 38-Jährige.

„Der Druck war enorm“

Nach sieben Jahren als Spieler und sechs Jahren als Trainer wird er sich am Sonntag (15.30 Uhr) nach dem letzten Saisonspiel gegen Frisch Auf Göppingen von den Eulen in Richtung HSG Wetzlar verabschieden. So gerne hätte er seinem Nachfolger Ceven Klatt ein Bundesliga-Team übergeben. „Der Druck heute war enorm, gerade auch auf die jungen Spieler“, gestand Matschke. „Nun wollen wir uns am Sonntag ordentlich verabschieden.“ Es wird sicher ein bewegender, ein sentimentaler Tag.

Kommentar: Erhobenen Hauptes in das Unterhaus.

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