Biathlon RHEINPFALZ Plus Artikel Das Märchen des Johannes Kühn

Staffel am Sonntag: Johannes Kühn (links) übergibt an Romas Rees.
Staffel am Sonntag: Johannes Kühn (links) übergibt an Romas Rees.

Der Biathlon-Weltcup machte in Hochfilzen Station – und die deutschen Skijäger machten in Österreich einen kleinen Schritt nach vorne. Die DSV-Cracks feierten den ersten Sieg des Winters, aber es fehlt im Vergleich zur absoluten Weltspitze noch die Konstanz.

Den verschneiten Wintersportort im Pillerseetal wird Johannes Kühn (30) sicher nicht vergessen. Denn nach fast neun Jahren im deutschen Weltcup-Team stand Kühn, der Bayer aus Reit im Winkl, plötzlich im Mittelpunkt. Völlig überraschend sicherte sich der gebürtige Passauer bereits am Freitag seinen ersten Sieg im Weltcup – der deutsche Höhepunkt des Wochenendes. Im Sprint über zehn Kilometer war er läuferisch nicht zu bremsen und verfehlte insgesamt nur eine Scheibe. Das löste trotz Geisterkulisse Begeisterung im deutschen Lager aus. Die Kameraden trugen den Überraschungssieger auf ihren Schultern durchs Stadion. Das erinnerte an die Bilder beim Olympiasieg Arnd Peiffers in Pyeongchang, als die Kollegen den Gewinner ebenso hochleben ließen.

Erst IBU-Cup, dann Weltcup-Sieg

Dank des Überraschungssiegs schob sich Kühn nach dem dritten Weltcup-Wochenende auf Platz zwölf im Gesamtweltcup vor, keiner seiner Kollegen ist besser platziert. Das klingt fast wie ein Märchen. Auch deshalb, weil Kühn zum Saisonauftakt nicht im Weltcup-Aufgebot des DSV gestanden hatte. Stattdessen musste er erst im zweitklassigen IBU-Cup ran. Und das nicht zum ersten Mal. Immer wieder erlebte er einen Auf- und Abstieg. „Vor zwei Wochen IBU-Cup und heute gewinnen, das ist, glaube ich, noch nicht so oft vorgekommen“, sagte Kühn.

„Er hat das gemacht, was er kann. Wir freuen uns sehr“, sagte Bundestrainer Mark Kirchner. Es war ein Aufstieg im Eiltempo – Kühn erlebt oft ein Wechselbad der Gefühle. Nur einen Tag nach dem bislang größten Erfolg seiner Laufbahn erlebte er wieder einmal ein Desaster. Nach Führung bis zum letzten Schießen im 12,5 Kilometer langen Verfolgungswettbewerb schoss er gleich dreimal daneben und kam nach drei Strafrunden ins Ziel. „Ich habe vieles gut und richtig gemacht, aber so manches kann man doch noch lernen“, gestand Kühn.

Ausrufezeichen der deutschen Frauen

Die nächste Chance dazu gab es am Sonntag mit der Staffel. Mit ihm im Quartett sollte nach dem vierten Rang vor einer Woche ein Podestplatz her. Es lief lange gut für Kühn, und der dritte Platz lag in Reichweite. Beim Stehendanschlag flatterten wieder einmal seine Nerven. Wieder blieben zunächst drei Scheiben stehen, und er musste nachladen. Es war zum Haareraufen. Unter dem Strich stand für die Deutschen der vierte Rang.

Ein Ausrufezeichen setzten die deutschen Damen im Verfolgungswettbewerb über zehn Kilometern. Beim Sieg der Norwegerin Marte Olsbu Röiseland landeten Denise Herrmann (Oberwiesenthal), Vanessa Hinz (Schliersee) und Vanessa Voigt (Rotterode) auf den Plätzen sieben, acht und elf. „Nach den weniger guten Leistungen im Sprint und der Staffel war ich heute mit den Einzelleistungen zufrieden, auch wenn es mannschaftlich nicht ganz nach vorne gereicht, hatte“, befand Bundestrainer Kristian Mehringer. Es fehlen Kleinigkeiten, um gegen Norwegen, Schweden, Weißrussland und Frankreich bestehen zu können. Das Stehendschießen in Stresssituationen scheint derzeit das Problem zu sein – sowohl bei den Männern, als auch den Frauen.

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