Turnen
Auch die 20. Auflage von „It’s Showtime“ begeistert
Welch eine Kulisse in der Sporthalle der Turnerschaft Rodalben, welch eine Begegnung zwischen Aktiven und Zuschauern. Auf der einen Seite die proppenvolle Tribüne, eine Mauer von Menschen, die unter Dauerstrom steht, und auf der anderen Seite, auf der Tanzfläche, quirlige bunte Völkchen von Sportlerinnen und Sportlern, die vor Ehrgeiz brennen. Die 20. Auflage der „Showtime“ läuft, begonnen hatte es 2000 in der Wilfried-Dietrich-Halle in Schifferstadt. Damals das Motto: Turnen, Show, Akrobatik, Clownerie. 2020 und 2021 fiel der Wettbewerb dem Coronavirus zum Opfer.
Und jetzt? Ein Feuerwerk von Ideen, das die teilnehmenden Gruppen und Vereine da zündeten. Am Sonntag, dem zweiten Tag des Wettbewerbs, luden zum Beispiel sechs unbeschwert auftretende Gruppen der Kategorie Minis (bis elf Jahre) zum Teichkonzert ein oder zu einem Tag im Garten, das Winterwonderland wartete und der Feenwald auch. In der Offenen Klasse mit sieben Auftritten zeigte die VT Frankenthal „Romeo und Julia“, die Twisters der Kolpingfamilie Schifferstadt tanzten ums Hotel Twistoria, die Hauensteiner Dance 4 Fun bezauberten mit ihren Kostümen und „Africa, Africa“ und die Eisenberger Crazy Jumbers bedeuteten: „Wir sind noch da“.
Hoch im Kurs: Originalität
Für jedes Auge, für jedes Ohr war etwas dabei. Kostüme und die Musik sind das, wovon sich das Publikum spontan anmachen lässt. Viele Zuschauer sind trotz 20 Austragungen zum ersten Mal dabei – und begeistert.
Das Kampfgericht aber muss ganz andere Kriterien anlegen, um die Finalteilnehmer am „Rendezvous der Besten“ am 26. November in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle zu finden. So wird etwa unter dem Stichwort Choreografie die Originalität und Kreativität bewertet oder unter dem Stichwort Präsentation die Qualität von Bewegung und Ausdauer.
Ganz viele positive Rückmeldungen
Es ist nicht zu übersehen, dass die Anzahl von Gruppen zurückgegangen ist und die Gruppen hier und da kleiner wurden. Inge Hollerith aus Rodalben, gerade 70 geworden, die die Hälfte ihres Lebens in der Turnhalle verbracht haben dürfte und die Erfinderin der Showtime und des Rendezvous ist, war die Erleichterung nach 48 Auftritten anzumerken.
„Es war sehr schwierig zu organisieren, die Auflagen werden immer mehr, die Veranstaltung ist fast nicht mehr durchzuführen. Aber sportlich war es super, einfach klasse. Ich habe in den letzten Jahren nicht so viele positive Rückmeldungen gehört wie dieses Mal“, sagte die Vizepräsidentin des Pfälzer Turnerbundes.
Wegen Corona Ansprüche etwas senken
Petra Fließ (65) von der VT Frankenthal, die sich als Trainerin und Kampfrichterin unglaublich viel Verdienste erworben hat und die mit dem Rendezvous der Besten in drei Wochen in Ludwigshafen in Rente geht, gab einerseits zu bedenken: „Mit der Coronazeit müssen wir alle lernen, das Niveau der Darbietungen fürs Erste etwas herunterzuschrauben.“
Aber jeder weiß: Die Turnstunde, vielleicht im Mutter-Kind-Turnen, ist die Stunde Null der Bewegung. Und daraus folgt: Die Turner haben größte Ausdauer und größte Geduld. Auch nach zwei Jahren Pause und vielen Trainingseinschränkungen veränderten sich zwei Dinge nicht. Das Wir-Gefühl ist erhalten geblieben.
Das glanzvolle Finale gestern: Das Rodalber Gym&dance-Team, das schon am Samstag in der Kategorie „Aktive“ Showtimesieger geworden war, zeigte noch einmal ihr Glanzstück „Vikings“, mit dem die Pfälzer Deutschland bei der Weltgymnastrada 2023 in Amsterdam vertreten werden.