Die 60. Bundesliga-Saison RHEINPFALZ Plus Artikel Als Wolfgang Schnarr beim FCK für Schlagzeilen sorgte

Voller Einsatz im Schnee: Wolfgang Schnarr rettet im Januar 1970 im Spiel beim FC Bayern vor Gerd Müller; rechts Fritz Fuchs.
Voller Einsatz im Schnee: Wolfgang Schnarr rettet im Januar 1970 im Spiel beim FC Bayern vor Gerd Müller; rechts Fritz Fuchs.

Wolfgang Schnarr hütete das Tor des 1. FC Kaiserslautern, als die Fußball-Bundesliga gegründet wurde. Fast immer ging es nach der Ära der Walter-Elf gegen den Abstieg.

Wolfgang Schnarr, beim FV Bruchmühlbach groß geworden, war zarte 18, als er am sechsten Spieltag der damaligen Oberliga Südwest erstmals das Tor des 1. FC Kaiserslautern hütete. Trainer Richard Schneider, der ihn auf den Betzenberg geholt hatte, leitete 1959 die Wachablösung ein. Schnarr verdrängte den zwölf Jahre älteren Willi Hölz, den legendären Torhüter der Lauterer Meistermannschaft von 1953.

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FK Pirmasens wurde der FCK 1963 Oberliga-Meister. „So schaffen wir überhaupt erst die Qualifikation für die neue Bundesliga“, erinnert sich Wolfgang Schnarr, heute 81, der mit seiner Frau im Kaiserslauterer Stadtteil Siegelbach lebt. Eine neue Zeit begann. Schnarr, bis dahin Nähmaschinenmechaniker bei Pfaff, wurde Profi und sah sich mit einem selbstbewussten Herausforderer konfrontiert: Horst-Dietrich Strich.

Der Druck war riesig

Der gebürtige Wormser kam vom FSV Mainz 05, zunächst aber hatte Schnarr die Nase vorn und stand beim Bundesliga-Start am 24. August 1963 im Tor der Lauterer. „Es ging für uns in den ersten Jahren immer nur gegen den Abstieg. Der Druck war groß, wir wussten, wenn wir absteigen ist alles vorbei, dann bricht die Mannschaft auseinander. Es ging immer wieder um die Existenz des FCK“, sagt Schnarr beim Blick zurück auf die Nervenspiele am Rande des Abgrunds.

An jenem 24. August 1963 liefen die Lauterer vor 30.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion mit Schnarr, Roland Kiefaber, Werner Mangold, Dieter Pulter, Jürgen Neumann, Wilhelm Wrenger, Harald Braner, Walter Gawletta, Star-Einkauf Co Prins, Willy Reitgaßl und Winfried Richter auf. Nach zwei Minuten schon schied Gawletta verletzt aus – die Lauterer erkämpften mit zehn Mann ein 1:1. Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt. Die Führung des FCK durch Jürgen Neumanns Elfmeter hatte Lothar Schämer für die Eintracht ebenfalls per Elfmeter egalisiert. Im „Kicker“ bekam Schnarr die Note 2, aber sein Erzrivale Strich erhielt immer öfter den Vorzug. Von den ersten 60 Bundesligaspielen des FCK bestritt Strich 35, Schnarr 25.

Der „Betze“ als Festung

In den Heimspielen auf dem „Betze“ holten die Lauterer in diesen Jahren die entscheidenden Punkte zum Ligaverbleib. „Die Gegner hatten Angst“, erzählt Schnarr noch heute schmunzelnd in Erinnerung an die krasse Kampfansage: „Nur glatte Brüche.“ Als ein Spieler der Münchner Bayern mal nach Dietmar Schwager fragte, sagte Schnarr kurz und knapp, „der macht sich da hinten an der Eisenstange warm, er übt Kopfbälle.“ An Trainer Günter Brocker, der am 20. Februar 1965 gefeuert wurde, als mal wieder der Abstieg drohte, und durch Werner Liebrich ersetzt wurde, hat Schnarr keine guten Erinnerungen. „Brocker war ein Schauspieler“, kritisiert Schnarr, dessen Rivale Strich, entnervt vom Kampf um den Platz im Tor, 1965 nach Eindhoven wechselte.

In den folgenden Jahren war Schnarr die unumstrittene Nummer 1, stand 1965/66 und 1966/67 in allen 34 Spielen im Tor. 1966/67 wurden die Lauterer sensationell Fünfter, erstmals hatten sie nichts mit dem Abstiegskampf zu tun. „Gyula Lorant war damals unser Trainer, der beste Trainer, den ich jemals hatte. Er sagte immer, Wolfgang ist der beste Torwart, den ich kenne“, erinnert sich Schnarr gerne an den Ungarn, der auch schon mal unangemeldet seine Spieler besuchte, sich das private Umfeld anschaute.

Ein bittersüßer Geschmack bleibt

In drei dicken Ordnern hat Schnarrs Frau Presseberichte aus „Kicker“, „Bild“ und aus der RHEINPFALZ gesammelt. Er hat viele Schlagzeilen wie „Goldfinger Schnarr“ oder „Torwart Schnarr war Held des Tages“ geschrieben. Kritik und Pfiffe, der jahrelange Existenzkampf aber haben Schnarr all die Jahre zugesetzt. Er sah sich oft zum Sündenbock abgestempelt. „Es ist leider so, dass die Eigenen oft nichts zählen! Ich habe immer alles für den FCK gegeben, auch mit einem Turban in Köln weiter gespielt, als Christian Müller voll durchgezogen hat, mich schwer verletzte“, sagt Schnarr. „Ich konnte auch richtig wild werden“, erinnert sich der einstige Top-Torhüter, wie er in einem Spiel die Torwarthandschuhe ins Netz gepfeffert hat. Lange Jahre war noch ohne Handschuhe gespielt worden, Schnarr hatte sich dann mal die Wollhandschuhe seiner Schwester ausgeliehen. Den Spruch, Torhüter und Linksaußen haben eine Macke, unterstreicht Schnarr gerne für seine Profession.

Der Wiederaufstieg beglückt

Nach 182 Bundesligaspielen und 109 Einsätzen in der Oberliga, nach mehr als 300 Pflichtspielen, verabschiedete sich Schnarr vom Betzenberg, folgte 1970 dem Ruf seines Entdeckers Richard Schneider zum Regionalligisten Preußen Münster und beendete 1974 nach zwei Jahren beim ASV Landau seine Karriere. Die Nervenspiele im Abstiegskampf, die nicht seltene unsachliche Kritik und böse Pfiffe, oft auch die fehlende Wertschätzung der Lauterer Vereinsverantwortlichen, hatten Schnarr zermürbt. Jupp Elting wurde die neue Nummer 1. „Mein Verhältnis zum FCK war in der Folge ein distanziertes, obwohl das Herz weiter für den FCK schlägt“, schildert Schnarr, der jüngere Bruder des 2010 gestorbenen ehemaligen SWFV-Präsidenten Georg Adolf Schnarr.

Der Wiederaufstieg hat Wolfgang Schnarr beglückt, drei Spiele in der laufenden Saison hat er in der Westkurve mit seinem Sohn, der eine Dauerkarte besitzt, begeistert verfolgt. „Andreas Luthe ist ein guter Torhüter, sachlich, kein Schauspieler“, lobt der Mann der ersten Stunde die aktuelle Nummer 1 der Roten Teufel.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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