Internet
Wie man Nacktfotos wieder aus dem Netz kriegt
Ein Leben ohne Smartphone und Internet ist für junge Menschen heutzutage undenkbar. Der Austausch untereinander, die Pflege von Freundschaften und Liebesbeziehungen – das alles geschieht online. „So kommt es vor, dass man auch Intimität und intime selbst gemachte Aufnahmen teilt“, beschreibt die Organisation „klicksafe.de“ das Phänomen des Sextings (zusammengesetzt aus Sex und Texting, dem englischen Begriff für das Schreiben und Versenden elektronischer Nachrichten).
Gerade hat eine Umfrage im Auftrag der Piraten-Partei unter mehr als 8000 Teenagern im Alter von 13 bis 17 Jahren in 13 EU-Mitgliedstaaten ergeben: 40 Prozent der Befragten versenden einvernehmlich intime Fotos mit ihren Smartphones. Doch der digitale Schnappschuss kann auch sehr schnell mal in falsche Hände geraten. Jetzt gibt es aber Hilfe, wenn Nacktaufnahmen ungewollt im Internet kursieren.
Digtaler Fingerabdruck für Bilddateien
„Take it Down“ (englisch für: nimm das runter) heißt die Plattform, die Nutzern weltweit zur Verfügung steht. „Wenn explizite Inhalte online sind, kann das beängstigend und traumatisierend sein, insbesondere für junge Menschen“, erklärt Gavin Portnoy von NCMEC. Die US-amerikanische Organisation hat mit finanzieller Unterstützung des Facebook-Mutterkonzerns Meta diesen Dienst entwickelt. Damit sollen sowohl Fotos als auch Videos, die Personen unter 18 Jahren nackt, teils nackt oder in sexuell expliziten Darstellungen zeigen, online entfernt werden können.
NCMEC hat sich dem Schutz von Kinderrechten verschrieben und hilft mit, dass Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) aus dem Netz entfernt werden. US-Internetdienste durchforsten dazu ständig die auf ihren Plattformen hochgeladenen Dateien und gleichen sie mit einer Datenbank von NCMEC ab, in der bereits bekannte entsprechende Fotos oder Videos verzeichnet sind. Bei einem Treffer leitet die Organisation auch die dazugehörige Computeradresse an Polizeibehörden – in Deutschland das BKA – weiter, damit sie Verdächtige ermitteln können.
Filter bleibt durchlässig
Der Abgleich mit der Datenbank erfolgt mithilfe eines sogenannten Hashwerts. Das ist eine Art digitaler Fingerabdruck, mit der sich Aufnahmen eindeutig identifizieren lassen. Dieses Verfahren wird nun auch bei „Take it Down“ angewendet. Es ergänzt als präventiver Ansatz die Möglichkeit, die konkrete Bitte um Löschung einer bereits kursierenden Datei direkt an die jeweiligen Onlinedienste zu richten.
Wer befürchtet oder davon ausgeht, dass eigene Nacktbilder online geteilt werden, kann sich anonym an den Dienst wenden. Einzige Bedingung: Man muss unter 18 sein beziehungsweise zum Zeitpunkt der fraglichen Aufnahmen minderjährig gewesen sein. Die entsprechenden Dateien lädt man auf der Website hoch. Dann wird ein Hashwert gebildet. Nur der wird gespeichert, keine Person schaut sich das Material an. Teilnehmende Plattformen können Bilder und Videos dann entfernen, wenn sie darauf stoßen.
Bislang machen allerdings nur Facebook, Instagram, Tiktok, das französische soziale Netzwerk Yubo und die für erotische beziehungsweise pornografische Inhalte bekannten Seiten OnlyFans und Pornhub mit. Weitere sollen hinzukommen. Material, das verschlüsselt beispielsweise bei einem Messengerdienst wie Whatsapp geteilt wurde, bleibt zwangsläufig außen vor. Der neue Filter ist also noch durchlässig.
Noch Fragen?
Die Landesanstalt für Medien NRW richtet sich unter safer-sexting.de mit einer Aufklärungskampagne konkret an Jugendliche mit Fragen zur Verbreitung erotischer Fotos und Videos.