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Samstag, 20. April 2019 Drucken

Kultur

Unverwechselbar in der Region

Die BASF ist ein weltweit agierender Chemieriese. Aber sie ist auch schon seit fast 100 Jahren ein Förderer der Kultur. Sie unterstützt Projekte in der gesamten Metropolregion, vor allem auch in Ludwigshafen. Warum die BASF das tut, verrät Karin Heyl – ihre Abteilung ist für das Kulturprogramm des Konzerns verantwortlich.

Unverwechselbar und von der BASF gefördert: das Festival Enjoy Jazz, hier ein Auftritt von Saxofonist Archie Shepp

Unverwechselbar und von der BASF gefördert: das Festival Enjoy Jazz, hier ein Auftritt von Saxofonist Archie Shepp ( Foto: Rinderspacher)

Karin Heyl steht bei der BASF für eine vielfältige Kulturförderung in der Metropolregion.

Karin Heyl steht bei der BASF für eine vielfältige Kulturförderung in der Metropolregion. ( Foto: BASF)

Frau Heyl, die BASF fördert zahlreiche Projekte, Festivals und Institutionen in der Region, sie unterstützt den Ludwigshafener Pfalzbau ebenso wie das Hackmuseum, gleichzeitig gibt es ein eigenes Kulturprogramm im Feierabendhaus. Warum engagiert sich ein Unternehmen wie die BASF so für die Kultur?

Wir haben ein großes Interesse daran, dass der Standort Ludwigshafen attraktiv ist für die Menschen, die hier leben. Das ist unser Engagement für den Standort. Damit die Region, damit Ludwigshafen lebenswert ist, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, und der Kultur kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Zudem gibt es eine ganz lange Tradition. Das Kulturprogramm der BASF feiert in zwei Jahren seinen 100. Geburtstag, eine Historie, die übrigens eng mit der Geschichte der Staatsphilharmonie verbunden ist, die ja in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert. Auch die Kulturförderung der BASF hat eine lange Geschichte, zuerst in Form von Einzelspenden, später dann als systematisches Kultursponsoring.

 

Sehen Sie sich mit Ihrem Programm im Feierabendhaus als Konkurrenz zu anderen Konzertreihen in Ludwigshafen und Mannheim oder als Ergänzung?

Wir sehen uns in jedem Fall als Ergänzung, nicht als Konkurrenz. Das zeigt sich auch an unserem Programm. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit ganz gezielt auf bestehende Angebote geschaut und nach Nischen gesucht. Nehmen Sie das Beispiel der Alten Musik. Die wird von anderen Konzertreihen selten aufgegriffen. Sicherlich müssen wir uns auch dem Wettbewerb mit den anderen Kulturanbietern stellen, aber wir verstehen uns immer als fairer Wettbewerber, das wird auch vom Unternehmen eingefordert.

 

Die BASF holt immer wieder große Namen nach Ludwigshafen. Wie vernetzt sind Sie mit der Klassikszene? Oder greifen Sie da auf Agenturen zurück?

Natürlich arbeiten wir auch mit Agenturen zusammen, aber zuletzt ist es uns gelungen, immer mehr eigene Programme zu realisieren. Ganz deutlich wird dies bei den Komponisten- und Künstlerporträts. Hier entwickeln wir gemeinsam mit den Künstlern in einem längeren kreativen Prozess eigene Programme, was für uns auch ganz wichtig ist. Wenn wir das Unverwechselbare in der Region anbieten wollen, dann ergibt es sich ganz automatisch, dass man solche Programme auch selbst entwickeln muss.

 

Sind Sie im Vorteil gegenüber privaten Veranstaltern? Lässt sich ein Experiment leichter wagen, wenn man weiß, dass die BASF hinter einem steht?

Das Unternehmen unterstützt uns ebenso, wie die öffentliche Hand Theater oder Orchester unterstützt. Aber die Anforderung ist schon, dass wir unsere Angebote regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Wir müssen genau so gut unternehmerisch unterwegs sein wie andere Kulturanbieter.

 

Gibt es Auslastungszahlen, die Sie erreichen müssen?

Es gibt hier keine Vorgaben. Aber selbstverständlich achten wir genau auf unsere Auslastungszahlen und darauf, wie viel Geld wir ausgeben und wie viel wir einnehmen.

 

Kann man die Summe, welche die BASF für die Kultur ausgibt, beziffern?

Zahlen nennen wir bezüglich unseres kulturellen Engagements grundsätzlich nicht.

 

Wie muss man sich das vorstellen, wenn die BASF sich um Fachkräfte für Ludwigshafen bemüht: Wird da das kulturelle Angebot als Argument hinzugezogen, um Kandidaten zu überzeugen?

Das Gesamtangebot der Metropolregion, das wird in solchen Verhandlungen gespielt. Dazu gehört auch das Kulturprogramm. Ich war durchaus auch schon eingebunden, wenn es um die speziellen kulturellen Interessen von Gesprächspartnern ging. Die Region soll attraktiv sein, sie soll innovativ sein und so auch wahrgenommen werden. Zu diesem Gesamtpaket gehört eben auch die Kultur. Auch wenn nicht alle dieses Angebot nutzen, es ist wichtig, dass es da ist.

 

Haben Sie Erfahrungswerte, wie viel Prozent des Publikums Ihrer Konzerte aus BASF-Mitarbeitern besteht?

Genaue Zahlen kann ich Ihnen spontan nicht nennen. Wir versuchen das aber über Besucherumfragen zu ermitteln, die wir alle drei Jahre machen. Grob geschätzt würde ich sagen, dass weit über etwa 50 Prozent des Publikums aktive oder ehemalige BASF-Mitarbeiter sind.

 

Wie sicher ist denn die Finanzierung dieses kulturellen Engagements, gerade auch in Zeiten, in denen es wirtschaftlich vielleicht nicht so gut läuft für die BASF?

Sie wissen um die wirtschaftliche Situation und die aktuellen Herausforderungen. In einer solchen Situation geht es immer darum, eine gute Balance zu finden zwischen dem, was notwendig ist, und wo vielleicht auch Anpassungen erfolgen können. Auf der anderen Seite steht das Engagement für und das Bekenntnis zur Region, was auch wichtig ist für unseren wirtschaftlichen Erfolg. Das ist ja eine Investition in ein Umfeld, was nicht ganz unerheblich für uns ist. Es soll deutlich werden, dass wir zu dieser Region stehen und vor allem, dass wir ein verlässlicher Partner sind. Das ist uns sehr wichtig. Wenn wir Anpassungen im Budget vornehmen müssen, sollen keine Projekte in ihrer Existenz gefährdet werden, weil wir auf einmal nein sagen würden. So etwas bereiten wir gemeinsam mit den Partnern vor.

 

Also es muss niemand Angst haben, der mit Hilfe der BASF Kultur in welcher Form auch immer in der Region anbietet, dass er von heute auf morgen aus der Förderung fliegt?

Nein, da muss sich niemand Sorgen machen.

 

Sie haben die Region jetzt mehrfach angesprochen. Es gab in der Vergangenheit vor allem in der Person des BASF-Vorstandsmitglieds Eggert Voscherau durchaus kulturpolitische Visionen für die Metropolregion, bei denen die BASF eine entscheidende Rolle spielen sollte. Wo sehen Sie denn das Unternehmen, wenn es um eine Weiterentwicklung der Metropolregion auch kulturell geht?

Das ist natürlich auch eine Frage, wie viel Einfluss ein Unternehmen in kulturpolitischen Themen haben soll, und Sie wissen auch, welche Diskussionen es damals über die Vorschläge gab. Ich glaube schon, dass wir in der Metropolregion gemeinsam eine Menge bewirkt haben. Nehmen Sie das wunderbare Beispiel der aktuellen Ausstellung im Hack-Museum, „Gewächse der Seele“. Es war nicht das Kulturbüro der Metropolregion, das in diesem Fall die Zusammenarbeit vieler Institutionen aus der Metropolregion angestoßen hat, sondern die Initiative ging von den Institutionen selbst aus. Aber Basis war der regionale Gedanke und die jahrelange Vorarbeit auf regionaler Ebene. Solch ein Projekt haben wir gerne und mit besonderer Freude gefördert, nicht nur, weil es inhaltlich spannend ist, sondern, weil es eben eine Initiative aus der Region ist. Die Vision, dass man sich als gemeinsame Kulturregion versteht, die ist bei vielen Kulturschaffenden angekommen. In diesem Sinne weiterzukommen, das wollen wir gerne unterstützen, ohne dass wir kulturpolitisch eingreifen würden. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir fördern aber durchaus gezielt Projekte, die für die ganze Metropolregion stehen, sei es die Foto-Biennale oder Enjoy Jazz oder eben jetzt zuletzt die genannte Ausstellung „Gewächse der Seele“.

 

Wechseln wir mal das Thema und gehen zum Theater im Pfalzbau Ludwigshafen. Die BASF fördert die internationalen Ballett-Gastspiele im Pfalzbau. Nun gibt es Wünsche des Mannheimer Nationaltheaters, den Pfalzbau während der Sanierung des eigenen Hauses in einem Umfang als Ausweichquartier zu nützen, der ein eigenes Programm in Ludwigshafen gefährden würde. Wie sehen Sie die Diskussion? Haben Sie Angst, dass vielleicht gar kein Platz mehr wäre für den von Ihnen geförderten Ballett-Ring?

Wir vertrauen da jetzt zunächst einmal dem Moderationsprozess, der zwischen Mannheim und Ludwigshafen stattfindet. Uns ist es wichtig, dass das Theater im Pfalzbau mit dem Profil, das es entwickelt hat, so weiterarbeiten kann. Auf der anderen Seite ist es für die BASF selbstverständlich, dass man in der Region zusammenarbeitet, zusammen denkt. Meine Gespräche mit Pfalzbau-Intendant Tilman Gersch haben meinen Eindruck bestärkt, dass er diese Bereitschaft aufbringt, und wir vertrauen darauf, dass es eine gute Lösung für beide Seiten gibt.

 

Unter dem Namen „Tor 4“ haben Sie ein Kulturförderprogramm ins Leben gerufen, das jährlich eine halbe Million Euro vergibt. Was hat es damit auf sich?

Wir sehen „Tor 4“ auch vor dem Hintergrund des 100. Geburtstags unseres Konzertprogramms in zwei Jahren. Man könnte aus diesem Anlass einfach ein besonders festliches Konzert veranstalten. Aber man kann auch fragen, warum die BASF so kurz nach dem Ersten Weltkrieg ein Konzertprogramm angeboten hat und warum es innerhalb weniger Jahre bereits 4000 Abonnenten gab. Oder: Warum fördert die BASF heute noch die Kultur? Darum geht es in „Tor 4“, das es ja als Werkstor selbst nicht mehr gibt. „Tor 4“ steht für Durchlässigkeit, für den Austausch, den wir fördern wollen, zwischen BASF-Mitarbeitern, Managern, Kulturschaffenden, Wissenschaftlern und den Menschen in der Region. Gemeinsam wollen wir Themen nachgehen, die uns heute als Gesellschaft beschäftigen – und mit den Mitteln der Kunst vielleicht sogar zu Antworten kommen.

 

Und bewerben um die Förderung kann sich jeder, von der freien Szene bis zur öffentlichen Kulturinstitutionen?

Ja, das ist völlig offen. Wir fördern öffentliche Institutionen wie das Hack-Museum, aber eben auch die freie Szene. Die Entscheidung, welche Projekte im Rahmen von „Tor 4“ unterstützt werden, trifft dabei eine extern besetzte Jury. Sie bewertet den Beitrag der Projekte zur jeweiligen Fragestellung. In der aktuellen Ausschreibungsrunde lautet sie „Wie geht Freiheit wirklich?“ – ein Thema, dass uns als Gesellschaft in vielfältiger Weise beschäftigt.

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