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Kultur

„Die innere Haltung ist der Schlüssel“

Interview: Die Neue-Deutsche-Welle-Ikone Nena über 40 Jahre auf der Bühne, Tourneerituale und ihre Motivation

„Ich arbeite sehr gerne und viel, aber ich passe auch auf mich auf“, sagt Nena über die ab Mai anstehende Mammuttour zum Bühnenjubiläum.

„Ich arbeite sehr gerne und viel, aber ich passe auch auf mich auf“, sagt Nena über die ab Mai anstehende Mammuttour zum Bühnenjubiläum. ( Foto: dpa)

Nena wurde als Idol der Neuen Deutschen Welle in den 1980ern weltbekannt, ihr Lied „99 Luftballons“ erklingt auch gerade in den närrischen Tagen immer wieder. Dieses Jahr feiert die 57-jährige vierfache Mutter und dreifache Großmutter, die als Gabriele Susanne Kerner in Wuppertal zur Welt kam, ihr 40. Bühnenjubiläum mit einer ausgedehnten Tournee und einem Greatest-Hits-Album.

Ihre Jubiläumstournee unter dem Motto „Nichts versäumt“ ist Ihre längste Konzertreise seit 2010. Was treibt Sie nach all den Jahren noch an?

Tourneeleben ist für mich meistens bunt, aufregend und schön. Ich bin seit 40 Jahren auf der Bühne, und es bleibt spannend. Immer noch ist jedes Konzert neu und anders. Es ist herrlich, mit den Leuten, die in unsere Konzerte kommen, im direkten Austausch zu sein. Was mich auch immer wieder fasziniert, ist, dass man in den letzten Minuten vor einem Auftritt nicht einfach aussteigen kann. Man kann sich nur noch voll auf das Abenteuer einlassen, ohne zu wissen, was genau passieren wird. (lacht)

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihren Songs?

Ein Song wie „99 Luftballons“ ist auch ein Wesen. Es wird für mich nach wie vor keine Show ohne ihn geben. Die Kunst ist, diesem und anderen Songs, die mich schon so lange begleiten, den Raum zu geben, sich auch weiterzuentwickeln.

 

Hatten Sie als Kind in Ihrer Familie ein leuchtendes Beispiel, was die Musik betrifft?

Mein Vater interessierte sich sehr für Musik. Er war Studiendirektor an einem Jungengymnasium und unterrichtete Latein, Biologie, Altgriechisch und Sport. In seinen Abiturklassen setzte er sich zur Beruhigung aller oft ans Klavier und klimperte ein bisschen darauf rum. Er hatte großes Verständnis für meine Musikleidenschaft. Mit sechs schenkte er mir ein Akkordeon, zwei Jahre später lag eine Akustik-Gitarre unterm Tannenbaumbaum. Irgendwann brachte er sogar ein Klavier mit nach Hause. Mit meinen eigenen Kindern hab ich’s genauso gehalten.

 

Bei vielen Künstlern, die früh starten, ist das Erwachsenwerden die schwierigste Phase. Wie sind Sie mit dem frühen Erfolg klar gekommen?

Ich war 17, als ich meine erste Band gründete und von da an hab ich praktisch im Proberaum gewohnt. Wenig später standen wir als Band mit unserem allerersten Live-Konzert auf der Bühne. Noch bevor wir groß drüber nachdenken konnten, standen plötzlich ein paar A&R-Jungs vor der Tür und wollten uns unbedingt einen Plattenvertrag aufschwatzen. (lacht) Es hatte ihnen gereicht, uns einmal live zu sehen. Sie wollten es unbedingt, und wir wollten es auch. Jugendlicher Leichtsinn war für mich immer ausschließlich positiv besetzt. Und diese Kraft führt mich auch heute noch in tolle Abenteuer.

 

Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Konzert?

Ich erinnere mich an alles. Den Tag, den Ort, die Leute, die da waren ... Das war im Hasper Jugendheim. Ich hatte damals noch keinen Führerschein und spielte vor 28 Menschen. 24 davon waren Family und Friends, drei oder vier Leute hatten sich ein Ticket gekauft. Ich ging mit Mega-Respekt auf die Bühne und dachte, das wird eine krasse Herausforderung für mich. Und dann stand ich plötzlich da oben. In dem Moment wusste ich: Das ist es!

 

Woran denken Sie, wenn Sie auf der Bühne stehen?

An nichts. Würde ich während einer Show anfangen zu denken, wüsste ich, ich bin nicht wirklich drin. Die genialsten Dinge passieren, wenn man nicht denkt. Sportler, die gerade einen Rekord aufstellen, reflektieren in dem Augenblick mit Sicherheit nicht. Der Flow ist für mich der schönste Zustand. Man handelt rein intuitiv, und Dinge kommen wie ein Blitz zu einem.

 

Warum schaut man manchen Künstlern völlig gebannt zu, während andere einen kalt lassen?

Die innere Haltung ist der Schlüssel. Und wie viel ein Mensch von sich zeigt und rauslässt. Man kann Musik ausschließlich konsumieren und sich damit berieseln lassen, oder man erlebt die Schwingung der Töne ganz tief und fühlt sie. Und wenn ich von mir nichts zeigen will, kann ich auch nicht erwarten, dass Menschen mich spüren. Das ist mein Anspruch. Ich will nicht einfach nur irgendwas runtersingen.

 

Viele Künstler geben offen zu, Workaholics zu sein. Sind Sie schon mal auf eine Tournee gegangen, obwohl Sie sich müde und ausgebrannt fühlten?

Ich arbeite sehr gerne und viel, aber ich passe auch auf mich auf. Außerdem habe ich auch genug Zeit, mich auf eine Tournee vorzubereiten. Und meine Nichts-Versäumt-Tour ist mein Highlight des Jahres. Dafür tue ich alles, um komplett am Start zu sein. Ich werde alles geben und freue mich auf die Leute, die in die Konzerte kommen, auf das Herumreisen mit meiner Band-Familie und die Musik, die uns alle verbindet!

 

Wie tanken Sie sich wieder auf? Wie bereiten Sie sich vor?

Ich gehe auch auf Tourneen morgens raus aus den Hotels und suche mir den nächsten Wald, durch den ich laufen kann. Außerdem feiern wir viel und ausgiebig, das ist mindestens genauso wichtig wie die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft. Konzerte zu spielen ist immer wieder ein Abenteuer. Und auch wenn ich darin jede Menge Erfahrung habe, wird mir das bis heute nicht zur Routine. Es ist wichtig, mit einem guten Gefühl und Freude auf die Bühne zu gehen. Wenn der Vorhang aufgeht, spielt nur noch das Jetzt eine Rolle. Alles andere muss dann für mindestens zwei Stunden in der Garderobe auf mich warten.

 

Termine

„Nichts-versäumt-Tour“: 8. Mai, Luxemburg (Rockhal); 10. Mai, Saarbrücken (Saarlandhalle); 1. Juni, Darmstadt (Schlossgrabenfest); 15. Juni, Stuttgart (Freilichtbühne Killesberg); 9. September, Koblenz (Deutsches Eck)

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