Zweibrücken
Zweibrücker Tafel: Noch sind genug Lebensmittel für alle da
„Der Andrang ist größer als damals bei den Syrern“, vergleicht Annette Peetz, die Gründerin und Vorsitzende der Zweibrücker Tafel Heilig Kreuz, die Flüchtlingswelle von 2015 mit der Situation in diesem Jahr. Mit Unterstützung des Sozialamts habe man es aber früh geschafft, für Verständigung mit den Neuankömmlingen aus der Ukraine zu sorgen und sich „gut arrangiert“. Das Durchschnittsalter der Tafel-Kunden habe sich durch die Ukrainer auf 40 Jahre gesenkt.
Sie wisse aber auch, sagt Peetz, dass es bei anderen Tafeln mit durchaus anspruchsvollen Ukrainern nicht so gut klappe. Deshalb sei sie froh, die Regeln schon früh festgelegt zu haben. Das gelte etwa auch für das Tragen von Masken vor und hinter der Theke. „Insgesamt geht’s gesittet zu“, fasst Peetz zusammen.
Inzwischen gibt es Mitbewerber
160 Kunden sind derzeit in der Kartei; 450 Personen werden damit erreicht. Im April waren es noch 220 und 600 Personen. Neukunden werden Annette Peetz zufolge „rollierend“ aufgenommen, sobald ein Platz frei wird; auch wenn jemand ohne Entschuldigung an mehreren Ausgaben nicht da war, wird dessen Nummer dann frei. Peetz: „Es ist im Moment insgesamt etwas ruhiger. Und das nicht zuletzt, weil es viele Mitbewerber gibt.“ So biete etwa Lidl eine günstige Reste-Tüte an, Supermärkte hätten Regale mit reduzierter Ware und auch an den Foodsharing-Standorten könne man Lebensmittel abholen, zählt Peetz auf.
Was die Tafel ihren Kunden in welchen Mengen anbieten könne, wechsle von Woche zu Woche. Vorvergangene Woche etwa habe es wenig Obst und Gemüse gegeben. Grundsätzlich aber reichten die Lebensmittel aus, auch wenn die Tafel weniger in den Geschäften abholen könne als ehedem, stellt Peetz fest: „Insgesamt hat’s abgenommen.“ Deshalb müsse man ab und an Nudeln und Reis mit Spendengeldern zukaufen. Es werde weniger gekauft, folglich stellten die Händler auch weniger ins Regal. Und deshalb gebe es auch weniger für die Tafel, erklärt Annette Peetz. Auf die seit Jahren treuen Versorger, die überschüssige Ware abgeben, könne man sich aber verlassen.
Überraschungstüten für sehr große Familien
Es komme auch vor, dass Privatpersonen etwa eine überreiche Apfelernte in der Canadastraße 32 ablieferten. Darüber freut man sich dann ebenso wie über die Tütenaktionen einzelner Geschäfte. „Bei der letzten Edeka-Tütenaktion sind 80 Tüten zusammengekommen. Die können wir dann als Überraschungstüten an besonders große Familien ausgeben“, sagt die Tafel-Chefin. Sie persönlich würde es sehr begrüßen, wenn man sich wieder mehr auf die Grundnahrungsmittel besinnen würde. „Warum müssen Kartoffeln zu allem möglichen weiterverarbeitet werden? Das kostet doch in Zeiten, wo alles knapp wird, unnötig Geld. Viele müssen aber erst mal lernen, mit den Grundnahrungsmitteln zu kochen“, stellt Peetz fest.
Mit einem Helferteam von 35 Personen sei man „gut aufgestellt“, sagt sie: „Im Großen und Ganzen können wir nicht klagen. Die Moral der Truppe ist gut. Wir wursteln uns durch, sind ein Team, jeder bringt seine Talente mit.“ Froh sei man allerdings, dass es nur eine Ausgabe pro Woche gebe, jeden Donnerstagnachmittag. Denn anstrengend sei es schon. Nicht zuletzt wegen der vielen erwartungsvollen Blicke, die man aushalten müsse. „Wir können nur geringfügig unterstützen, die Menschen aber erhoffen sich Hilfe für alle ihre Lebensprobleme“, beobachtet Annette Peetz.