Handball
Zweibrücker Drittliga-Spieler Kian Schwarzer zieht in Lemgo in erste eigene Bude
Ab Sommer muss Schwarzer sich in einem neuen Team beweisen, in einem neuen sportlichen Umfeld durchsetzen. Er weiß genau um den großen Schritt in die Selbstständigkeit, denn „ich werde dann zum ersten Mal nicht mehr zu Hause wohnen“, sagt der 22-Jährige, der noch in Niederwürzbach bei Papa Christian und Mama Tanja lebt. Die 22 soll dabei zu seiner Glückszahl werden: In Lemgo wird er die Schnapszahl auf dem Trikot tragen.
Kochen erst mal nach Apps
Im Sommer zieht er also erst mal um. Eine Ferienwohnung wird Schwarzers erstes eigenes Zuhause sein. „Ein bisschen kochen kriege ich hin. Ansonsten gibt es ja Apps, die Rezepte verraten und zeigen, wie es geht“, sagt er lachend zu Herausforderungen, die sein langgehegter Traum, mal Bundesliga-Handball zu spielen, mit sich bringt. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass er zunächst für das Drittliga-Team des TBV spielt und bei den Profis mittrainiert. Aber das Probetraining, das er in Lemgo absolvierte, „lief richtig gut“, freut sich Schwarzer.
Aktuell ist er im Bundesliga-Team als Nummer zwei auf Linksaußen eingeplant. Hinter dem isländischen Nationalspieler Bjarki Már Elísson, in der Saison 2019/20 mit 216 Treffern erfolgreichster Bundesliga-Torschütze. „Von ihm kann ich sicher viel lernen“, sagt Schwarzer. Mit Florian Kehrmann wird er in Lemgo einen Trainer haben, „der ein Weltklasse-Außen war. Auch wenn er auf der rechten Seite gespielt hat, weiß ich, dass ich auch von ihm eine Menge lernen kann“, ist Schwarzer sicher. „Und dann muss ich beweisen, dass ich es kann“, weiß er.
Derzeit absolviert Schwarzer ein duales Studium der Sport-Ökonomie in Saarbrücken. „Das werde ich auf jeden Fall zu Ende bringen“, unterstreicht er. „Online-Vorlesungen hatten wir ja jetzt schon während der vergangenen Monate, daran ändert sich also nichts“, sagt er zum Hochschulteil. Die betriebliche Ausbildung durchläuft er aktuell beim Landessportverband des Saarlandes (LSVS). Das funktioniert dann nicht mehr. „Ich werde beim Kreissportbund Lippe arbeiten“, erzählt Schwarzer.
Noch dreimal für SV 64 Zweibrücken
Bis zu seinem Wechsel nach Lemgo wird er noch drei Spiele mit dem SV 64 Zweibrücken in der Dritten Liga bestreiten. Am Donnerstag (17 Uhr, Westpfalzhalle, nur live auf Sportdeutschland.TV) gegen Gelnhausen erst mal die Partie, die coronabedingt verlegt werden musste. „Eine junge Mannschaft, viele Spieler aus der eigenen Jugend“, beschreibt SV 64-Trainer Stefan Bullacher den Gegner und freut sich wie das gesamte Team auf ein spannendes und attraktives Handballspiel. „Die spielen einen unglaublich schnellen Handball“, sagt er. Aber Tempo gehen können die Zweibrücker bekanntlich ja auch.
„Ein bisschen komisch ist es schon, nach der langen Zeit zu gehen“, sagt Kian Schwarzer. Dass der Abschied nicht mit Fans gefeiert werden kann, sei „schon ein bisschen traurig“, bekennt er. Aber er werde auf jeden Fall sehr viele, sehr gute Erinnerungen mitnehmen. Erstmals Handballluft hatte er in Ostwestfalen geschnuppert, weil Papa Christian „Blacky“ Schwarzer damals nach seiner Rückkehr vom FC Barcelona von 2001 bis 2007 für Lemgo in der Bundesliga spielte. Gemeinsam mit Kians künftigem Trainer Florian Kehrmann übrigens sehr erfolgreich: Pokalsieger 2002, Deutscher Meister 2003 mit Coach Volker Mudrow und dem konsequenten Umsetzen der „Schnellen-Mitte“-Regel als Markenzeichen, EHC-Pokalsieger 2006.
Auf Linksaußen spezialisiert
Die Schwarzers zogen danach zurück nach Niederwürzbach, in der C-Jugend wechselte Schwarzer zum SV 64. Die ohnehin erfolgreiche Jugendzeit hatte einen besonderen Höhepunkt. „Das Halbfinale mit der B-Jugend um die deutsche Meisterschaft gegen die Füchse Berlin vor 1200 Zuschauern in der Westpfalzhalle. Da bekomme ich heute noch jedes Mal Gänsehaut, wenn ich daran denke“, gesteht er. Es folgte die A-Jugend-Bundesliga, der Wechsel zu den Aktiven. In dieser Zeit lernte Schwarzer auch mit schweren Verletzungen umzugehen, sich immer wieder zurückzukämpfen. Zweimal die Schulter, einmal eine schwere Fußverletzung, die er sich im Derby gegen die VTZ Saarpfalz zugezogen hatte, zwangen ihn zu monatelangen Pausen. „Auch das gehört dazu“, weiß Schwarzer. Aufgeben? „Das gibt es für mich nicht“, sagt er.
1, 81 Meter ist er groß. „Definitiv zu klein, um am Kreis höherklassig zu spielen“, weiß er. Deshalb habe er vor nicht allzu langer Zeit bewusst die Entscheidung getroffen, die in Jugendjahren angestammte Kreisposition zu wechseln, sich stattdessen auf Linksaußen zu spezialisieren. In den letzten drei Spielen beim SV 64 wird er aber, wie auch zuletzt gegen die HSG Bieberau-Modau, noch mal am Kreis anspielbar sein.