Hornbach
Wirtschafts-Staatssekretärin sieht: In Hornbach läuft’s
Mehr als 700.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, verteilt auf 153.000 Unternehmen. Kleine und mittelgroße Unternehmen, von der Ein-Mann/Frau-Firma bis zum Industriebetrieb mit 500 Beschäftigten, sind der Motor der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Was treibt sie an und um, was hemmt sie? Fragen, die Wirtschafts-Staatssekretärin Petra Dick-Walther am Donnerstag mit Unternehmern und Vertretern von Verbänden und Initiativen in Hornbach besprach. Auf Wandertour.
Der Verein Zukunftsregion Westpfalz hatte in seinem bewährten Veranstaltungsformat „Wirtschaftsge(h)spräche eingeladen. Um auf einer Firmenbesuche verbindenden, dreistündigen Wanderung Interessierte aus Unternehmen, verschiedenen Wirtschaftsförderungen, Verbänden und Kommunen ins Gespräch miteinander zu bringen, Schulter an Schulter. Um gerade Umtreibendes zu erörtern. In Hornbach kamen pfälzische und saarländische Akteure zusammen, und der Blick über die Grenze nach Frankreich blieb nicht aus. „Es ist wichtig, ganz nah an ihrer praktischen Arbeit zu sein, die Programme, wie wir im Ministerium etwa für den ländlichen Raum auflegen, mit den Bedürfnissen der Adressaten, eben Ihnen, abzugleichen“, sagte Staatssekretärin Petra Dick-Walther bei der Begrüßung der 25 Mitgeher im Hornbacher Dorfgemeinschaftshaus.
Selbst kommt die Bad Dürkheimerin aus einem Handwerksbetrieb, war Geschäftsführerin einer Dachdeckerfirma und ist noch Gesellschafterin. So hörte sie sich die Sorge von Edelbert Lösch vom Hotel Kloster Hornbach an, als er, für seine Branche sprechend, die mutmaßlichen Folgen der beabsichtigten Rückkehr zum 19-prozentigen Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie skizzierte. „10 bis 15 Prozent der Betriebe werden das wohl nicht verkraften“, sagte Lösch, der auch das Wirrwarr der unterschiedlichen Steuersätze ansprach. Sein Wunsch: Die Politik, und damit auch die rheinland-pfälzische Landesregierung über ihren Einfluss auf die Bundespolitik, möge für einfache, klare Regeln sorgen. Dick-Walther, die dasselbe Parteibuch wie der Bundesfinanzminister hat, das der FDP, wicht nicht aus, gab zu bedenken, dass die Kommunen anteilig an der in der Corona-Pandemie abgesenkten Steuer beteiligt sind, ihnen also Geld fehlt. Dass Kost und Logis ab nächstem Jahr wieder teurer werde, sei noch nicht beschlossen, sagte die Staatssekretärin; es sei gerade „Bewegung drin“.
Gerne hörte Sie, dass die Hoteliersfamilie Lösch mit Ideen und Erfolg dem allgemeinen Fachkräftemangel in der Branche entgegentritt, ein eigenes Haus für ihre Mitarbeiter gekauft und umgebaut hat. Auch dass das Porsche-Museum kürzlich das Klosterhotel zum Ausgangspunkt genommen hat, um mit mehr als 100 internationalen Journalisten die Pfalz zu erkunden. Und dass Ende September sechs neue, öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge am Kloster entstehen. Nicht zuletzt, dass mit Tochter Franziska die fünfte Generation von Gastronomen aus der Familie Lösch bereitsteht, um Verantwortung zu übernehmen. 75 Mitarbeiter beschäftigen die Löschs im seit dem Jahr 2000 von ihnen geführten Vier-Sterne-plus-Hotel Kloster Hornbach und dem auf der Tour auch besuchten, 2011 eröffneten Gästehaus „Lösch für Freunde“ mit seinen 15 Apartments.
Neues Projekt der Gärtnerei Hohn: Eigene Wasserstoffproduktion
Vorbei an der Baustelle des Oberbeiwalderhofs, wo im kommenden Jahr nach einem Invest von 17 Millionen Euro eine psychosomatische Klinik eröffnen soll, ging es zur Gärtnerei Hohn, wo Hornbachs Stadtbürgermeister in der Rolle des Unternehmers seine Gründung aus dem Jahr 1986, heute von Sohn Thomas geführt, vorstellte. Etwa ein Viertel aller in Europa über Garten-, Baumärkte und als Aktionsware in Discountern wie Aldi und Lidl verkauften Kakteen und Bonsais stammen von Senior und Junior Hohn. Ein Hidden Champion aus der äußerten Ecke der Westpfalz. 50 Mitarbeiter beschäftigt Sohn Thomas in Hornbach, 30 Vater Reinhold im eigenständigen Betrieb auf Teneriffa, wo auf neun Hektar Freiland die in Hornbach gesäten Kakteen heranwachsen.
Was es für einen Betrieb wie die Gärtnerei Hohn mit ihren 35 in Frankreich wohnenden Mitarbeitern bedeutet, wenn im Zuge nationaler Regimes von einem Tag auf den nächsten in der Corona-Pandemie zwischen Hornbach und Schweyen die Grenzschlagbäume wieder fallen, rief Reinhold Hohn ins Gedächtnis. Und auch die Folgen der Embargos nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Die Hohn’schen Gewächshäuser werden mit Heizöl temperiert. „Vergangenes Jahr bedeutete das Mehrkosten von 100.000 Euro für meinen Sohn“, sagte Hohn Senior. Die Lehre daraus: Die Gärtnerei will sich vom fossilen Brennstoff unabhängig machen. Man arbeite zusammen mit Bosch an einer Lösung, um in Kombination mit einer PV-Anlage eigenen Wasserstoff in Hornbach herzustellen und ihn nach Speicherung wieder für eine Elektroheizung zu verstromen. Spätestens wenn das gelungen ist, lohnt sich ein erneutes Wirtschaftsge(h)spräch in der Klosterstadt.