Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Trainer der VTZ Saarpfalz nutzen lange Pausen sinnvoll

Fußball spielen alle Handballer gerne im Training – natürlich auch (von links) Moritz Baumgart, Robin von Lauppert, Kevin Hauck
Fußball spielen alle Handballer gerne im Training – natürlich auch (von links) Moritz Baumgart, Robin von Lauppert, Kevin Hauck und Dominik Rifel von der VTZ Saarpfalz. Trotz vermehrter Wettkampfpausen in der Saison hat die Häufigkeit laut Trainer Kai Schumann aber nicht zugenommen.

Durch das Teilen der RPS-Oberligen wegen der Corona-Krise haben die Mannschaften deutlich weniger Spiele als in einer normalen Saison. Auch das Herren-Team der VTZ Saarpfalz spielt vorerst nur 14-mal. Da muss VTZ-Coach Kai Schumann das Training ein wenig umplanen.

„Klar haben wir darüber gesprochen, wie wir mit solchen Phasen umgehen“, berichtet Schumann vom Austausch mit seinem gleichberechtigten Trainerkollegen Philip Wiese über die ungewohnte Trainingsperiodisierung. Corona-bedingt hat die Oberliga-Saison, die etwas später begann, eine verkürzte Vorrunde, später folgt eine Auf- und Abstiegsrunde. Die Folge: Deutlich längere Pausen zwischen den Spielen der VTZ-Handballer, der normale Wochenrhythmus mit Training und Spiel am Wochenende ist dahin.

Saisonstart erneut verschoben

Am 2. Oktober hätte die VTZ eigentlich zu Hause mit dem Derby gegen den TV Homburg in die Saison einsteigen sollen, damals bremste sie ein Stromausfall in der Stadt aus. Das nächste Spiel steht erst vier Wochen später erneut freitags, am 30. Oktober, gegen die HSG Völklingen (20 Uhr, Westpfalzhalle) an – falls Corona das Spielen weiter zulässt. Am Wochenende war nun eigentlich ein Testspiel gegen die HSG Bingen geplant. „Aber das haben wir natürlich gecancelt, weil wir bei der jetzigen Lage keine unnötigen Kontakte provozieren wollten“, erklärt Schumann.

„Dass das erste Spiel gleich ausgefallen ist, war nicht gut“, erläutert er weiter. Seit Mitte März hatte sein Team keine richtige Wettkampfpraxis mehr. „Wir hatten das bis zum ersten Spiel eigentlich gut gesteuert und wieder Spannung aufgebaut“, findet der 43-jährige Lehrer. Nach der Absage sei seine Mannschaft motivationsmäßig (Schumann: „Wie nach einem anstrengenden Trainingslager“) dann in ein kleines Loch gefallen, „das hat so eine bis eineinhalb Wochen angedauert“.

Aufgefangen habe er das kurze Motivations-Down, indem er im Training weniger kognitiv Belastendes auf seinen Plan geschrieben habe. Weil kein Spiel anstand, war zwischendurch sogar mal Zeit für kollegiale Amtshilfe. „Wir haben drei Trainingseinheiten geopfert, in denen Wladislaw Kurotschkin mit dem Team Fitnesstests für seine Master-Arbeit gemacht hat“, berichtet Schumann, dass der ehemalige Mannschaftskollege vorbeischaute, der von 2016 bis 2019 für die VTZ am Ball war und jetzt für Liga-Konkurrent HG Saarlouis spielt.

Dreier-Rhythmus beibehalten

„Unseren Dreier-Rhythmus ziehen wird durch. Wir finden schon, dass das sein muss. Trainingsfrei gab es bisher noch nicht“, stellt Schumann mit Blick auf die VTZ-Einheiten dienstags, donnerstags und freitags fest. Nur montags trainiere jeder individuell für sich. Und nein, es werde – obwohl mehr Zeit ist – nicht mehr Fußball im Training gespielt als sonst. „Wir spielen sowieso in 50 Prozent der Fälle Fußball zum Aufwärmen“, sagt Schumann lachend über das Lieblingsspiel der Handballer. Die Hauptsache sei aber eine Wettkampfform und dass ein Ball (auch mal ein Basketball oder ein Rugby-Ei) im Spiel sei. „Wie Jung gegen Alt und dass sich dabei entscheidet, wer am Ende die Tore abbauen muss oder für ein Kabinenfest verantwortlich ist.“

Eine Chance sehen Kai Schumann und Philip Wiese in den längeren Wettkampfpausen aber durchaus. „Wir können jetzt auch mal ein, zwei Wochen ganz andere Impulse im Training setzen. Oder mal eine Woche lang körperlich sehr intensive Trainingseinheiten ansetzen. In einem normalen Rundenablauf wäre das eher nicht möglich.“ Bis zu Nikolaus mit dem Zweibrücker Heimspiel gegen die HF Illtal hat sein Team jetzt wieder einen guten, fast wöchentlichen Spielrhythmus. Im Januar soll auch die Partie gegen den TV Homburg noch nachgeholt werden.

„Das Problem mit den Pausen kommt eher wieder in der zweiten Saisonhälfte“, weiß Kai Schumann. Ob dann Trainingsspiele gegen Mannschaften der anderen Oberliga-Staffel aus Rheinhessen und dem Rheinland möglich sind, muss die dann aktuelle Corona-Lage zeigen. Klar ist aus Schumanns Sicht: „Vier Wochen ganz ohne Spiele gehen dauerhaft nicht.“

Fokus auf nächste Derby

Wie schwierig das angesichts von Corona allerdings ist, hat er bereits am eigenen Leib erfahren. „Ich war selbst schon zwei Wochen in Quarantäne, hatte aber einen negativen Test“, erzählt der Lehrer („Alles, was mit BWL zu tun hat, dazu Ethik und Religion“) am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum in Neunkirchen über einen Fall in seiner Klasse, in der er Klassenlehrer ist. Dass er komplett ohne weitere Quarantäne durch die Krise kommt, glaubt er kaum. „Ich bin in insgesamt 18 Klassen eingesetzt“, sagt der dreifache Vater, der mit seiner Familie in Niederbexbach lebt. Dennoch schwört er auf den Präsenzunterricht, „weil die schlechten Schüler sonst hinten runterfallen“.

Seit eineinhalb Wochen richtet sich sein Fokus mit dem jungen, fast runderneuerten VTZ-Team mit neun Neuzugängen nun langsam auf das nächste Derby gegen Völklingen in einer Woche. „Aber erst haben wir uns im Training noch auf unser Spiel konzentriert, gar nicht auf den Gegner“, verdeutlicht er. Denn: „Ich habe es als Spieler immer gehasst, wenn im Training die Hälfte der Zeit rumgestanden und was zum Gegner erzählt wurde“, erinnert er sich schmunzelnd. Die Schussbilder der Völklinger und zusammengeschnittenen Videos über die gegnerischen Spieler gebe es aber schon zum richtigen Zeitpunkt.

x