Südwestpfalz
Storchen-Frühling: Viele sind jetzt schon auf den Nestern
Auf dem Nestmast hinter dem Feuerwehrhaus in Rieschweiler hat Helmut Ziehl am 17. Januar den ersten Storch gesehen. Dieser Frührückkehrer musste wenige Tage später für einige Tage im Schnee schlafen. Da gab bei uns erstmals mehrere Wintertage am Stück, mit einer Schneedecke und Nachtfrösten am Schwarzbach bis zu minus zehn Grad. Helma Ziehl machte sich große Sorgen, ob der Storch die eisigen Nächte überlebt. Am liebsten hätte sie ihm eine warme Decke gebracht, damit er sich zumindest in der Nacht hätte einpacken können.
Naturforscher haben jedoch herausgefunden, dass der Storch die Minustemperaturen durch sein schützendes, wärmendes Federkleid überlebt. Nur Schnabel und Füße sind empfindlicher. Darum zieht der Storch auch oft ein Bein im Wechsel in sein Bauchfederkleid, und den Schnabel versteckt er im Bartgefieder, wo es wärmer ist. In Thüringen sind einem überwinternden Storch an einem Fuß die Zehen abgefroren. Trotz der Verstümmelung bewältigt er weiterhin den Alltag als Storchenvogel.
Futtersuche bei Frost schwierig
Das größere Problem bei Frost ist es für die Störche, ausreichend Nahrung zu finden. Der Allesfresser verschmäht in dieser schwierigen Zeit keinen Happen. Er sucht im Komposthaufen, fängt eine unvorsichtige Maus, durchsucht Müllablagerungen und lässt sich füttern, wenn die Not extrem wird. Forschungsergebnisse der Biologen der Vogelwarte Radolfzell besagen, dass der Storch eine Woche ohne Nahrung auskommt.
Am Nest in Rieschweiler ging am Wochenende ein Ehepaar auf dem Radweg mit dem Hund spazieren und wollte nicht glauben, dass der Storch trotz des Raureifs in der Talaue schon zurück ist. Der Mann fragte sogar, ob der Storch schon ein Ei gelegt hätte. Dies ist noch nicht möglich, da er noch auf seine Braut wartet. Bis sie eintrifft, hat er schon mit ersten Renovierungsarbeiten am Nest begonnen. Die Weibchen treffen in der Regel etwa zwei Wochen nach den Männchen im Brutgebiet ein. Auf dem Hitscherhof und dem Kirschbacherhof gibt es jedoch schon erkennbar erfolgreiche Verpaarungen.
„Störche treffen immer früher ein“
Der erste Storch auf dem Hitscherhof sei am 9. Februar eingetroffen, berichtet Mechthilde Pick der RHEINPFALZ. Sie mag das Treiben der besonderen Vögel während ihrer Brutzeit und der Betreuung des Nachwuchses rund um die Hofsiedlung. Egal, wo sie auf den Dächern und Bäumen bauen, seien sie willkommen. „Es hat sich ein Wandel vollzogen, der einem Sorgen macht, da die Störche immer früher eintreffen, wo der Winter noch nicht vorüber ist“, äußert Hofbesitzer Hans Fischer Sorgen. Noch vor zehn Jahren seien die Störche immer erst Anfang März gekommen, wo sie nur noch wenige frostige Nächte miterleben mussten.
Funkprobleme bei Senderstörchen
Wie in den vergangenen beiden Jahren haben die GPS-Sender der Störche Christian und Pirmin Übertragungsstörungen. Es kommen einige Tage gar keine Meldungen oder lediglich eine einzige Standortnachricht am Tag. Fest steht, dass Christian noch am Küstensaum der Costa Brava im Umfeld von Fontclara ist. Noch scheint er nicht zur Rückreise aufgebrochen zu sein. Pirmin blieb erneut über Winter im Elsass und ist nicht mehr nach Spanien geflogen. Er hält sich zwischen den Geispolsheim, Blaesheim und Molsheim auf, wo er in den vergangenen Jahren erfolgreich gebrütet hat.
Bei der Vogelwarte in Radolfzell am Bodensee und dem Storchenzentrum Rheinland-Pfalz in Bornheim bei Landau hofft man, dass die Sender beider Störche im Frühling wieder regelmäßig Daten übertragen. Dies hat im letzten Jahr plötzlich auch wieder funktioniert. Bei Storch Hans haben die Fotos der RHEINPFALZ im vergangenen Jahr ergeben, dass der Storch keinen Sender mehr auf dem Rücken hat. Nur durch die Ablesung des Beinringes konnte er als Brutvogel auf dem Hitscherhof erkannt werden. Unter den gegenwärtig anwesenden beringten Störchen im Zweibrücker-Land wurde Hans bisher noch nicht entdeckt.