Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Muskelspiele im Zweibrücker Stadtderby zwischen SV 64 und VTZ

Fühlt sich im Moment auf der Kreisposition sehr wohl: der Abwehrchef des SV 64, Tom Grieser (links).
Fühlt sich im Moment auf der Kreisposition sehr wohl: der Abwehrchef des SV 64, Tom Grieser (links).

Derby in der Oberliga – Zweibrücken ist mal wieder im Handball-Fieber. Das einzige noch verlustpunktfreie Team, der SV 64 Zweibrücken, empfängt die VTZ Saarpfalz. Das Spiel elektrisiert die Fans, weil es mit vielen persönlichen Geschichten und Emotionen verbunden ist. Und das nicht nur, weil etliche Spieler in jüngeren Jahren das Trikot des Stadtrivalen getragen haben.

„Das ist schon so lange her, das spielt wirklich keine Rolle mehr“, sagt Tom Grieser, Abwehrchef des SV 64 Zweibrücken, lachend. Der 24-Jährige hat seine Handballkarriere nämlich bei der VTZ begonnen: In der D-Jugend hieß sein Trainer Philip Wiese. Der coacht am Samstag (18 Uhr, Westpfalzhalle) mit Kai Schumann das Oberliga-Team der VTZ Saarpfalz im Derby beim SV 64.

„In den 60 Handballminuten schenken wir uns nichts, aber danach trinken wir wieder ein Bier zusammen“, sagt Grieser lachend, der gemeinsam mit Wiese schon mal nach Kaiserslautern fährt, um den FCK anzufeuern. Der emotionale Anführer des SV-Teams steht exemplarisch für das Derby. „Die Emotionen machen das Derby sicher so besonders“, sagt der Heilerziehungspfleger, der in Zweibrücken an der Förderschule arbeitet. „Natürlich wird im Training geredet“, macht Grieser deutlich, dass seine Mannschaft dem Spiel entgegenfiebert. Weil es für volle Ränge, beste Handballstimmung und Gänsehautmomente sorgt. „Auch die Neuzugänge merken, dass das ein besonderes Spiel ist“, sagt Grieser. Zu denen gehört Lasse Finck, der in der vergangenen Oberliga-Rückrunde noch für die VTZ spielte.

Grieser stemmt gern Gewichte

Die SV-Truppe freut sich, dass sie nach fünf Wochen mal wieder zu Hause spielen darf. „Und dann gleich Derby“, unterstreicht Grieser, der seit der C-Jugend das SV-Trikot trägt und etliche Erfolge mit den Zweibrückern feierte, in der Saison 2019/20 gar zwei Siege im städtischen Duell. An der Aufholjagd im letzten Aufeinandertreffen im Jahr 2019, als der SV 64 einen 5:10-Rückstand in einen 27:20-Erfolg ummünzte, hatte der 1,86 Meter große Rimschweilerer erheblichen Anteil.

Er hat schon einige Derbys gespielt, meist gesetzt in der Abwehrzentrale. Im Angriff „habe ich öfter gewechselt, mal Rückraum, mal Kreis. Wo ich gefordert war“, sagt Grieser. Aktuell ist er die Nummer eins am SV-Kreis. „Und hier fühle ich mich im Moment sehr wohl“, sagt er und will auch gegen die VTZ aus der Nahwurfzone Akzente setzen. Dafür müssen die körperlichen Voraussetzungen stimmen. „Die Athletik wird im Handball immer wichtiger“, bestätigt Grieser. Bei einer Körpergröße von 1,86 Meter bringt er 80 Kilogramm auf die Waage und arbeitet daran, „dass das meiste davon Muskeln sind“, meint er lachend. Athletik- und Krafteinheiten stehen regelmäßig auf dem Plan. Grieser geht, zusätzlich zum SV-Training, gerne ins Fitnessstudio. „Mir macht es, Spaß Gewichte zu stemmen“, erzählt er.

Lauppert ist FCK-Fitnesscoach

Zu den Spielern, die wissen, dass es wichtig ist, an Fitness und Athletik zu arbeiten, um gut Handball zu spielen, gehört auch Rückraumakteur Robin von Lauppert von der VTZ Saarpfalz. Seit er in der B-Jugend zum SV 64 kam, über die Stationen Dansenberg, Homburg und Worms den Weg zurück nach Zweibrücken fand – allerdings nun zur VTZ – hat sich der 23-Jährige zum Modellathleten entwickelt. Bei 1,82 Meter Größe wiegt er 90 Kilogramm, mit gut sichtbaren Muskeln. In Kaiserslautern studiert er Sportwissenschaften und Gesundheit.

Dass er von seinen Fächern einiges versteht, ist auch Fußball-Zweitligist FCK nicht verborgen geblieben: Von Lauppert ist neben dem Studium als Athletiktrainer bei der U14 und U15 der Roten Teufel aktiv, bringt die Nachwuchskicker in körperliche Bestform. „Die ist enorm wichtig, wenn man erfolgreich spielen will“, sagt er über die körperlichen Grundlagen. Dazu gehört für ihn auch, auf die Ernährung zu achten. „Aber zum Feiern darf es mal ein Bier sein“, sagt der VTZ-Getränkewart lachend. Nach zuletzt zwei Siegen durfte mal wieder angestoßen werden.

SV 64-Team geht favorisiert ins Stadtderby

Mit SV 64-Außenspieler Sebastian Meister hat von Lauppert Erfolge mit der B-Jugend des SV gefeiert, mit Grieser und Niklas Bayer stand er gemeinsam im A-Jugend-Bundesligateam, wenn die B-Junioren aushalfen. Den Wechsel zwischen Rückraum und Kreis hat von Lauppert in der Jugend wie Tom Grieser immer mal wieder mitgemacht. „Im Rückraum fühle ich mich deutlich wohler“, sagt er zufrieden über seine aktuelle Position. Er freut sich mit zuletzt gewachsenem Selbstvertrauen auf tolle Derby-Stimmung. Wie auch seine Teamkollegen von der Außenbahn, Moritz Michel und Marian Graff, die in der Jugend des SV 64 mit ausgebildet wurden.

Einig sind sich Grieser und von Lauppert, dass der SV als Gastgeber favorisiert ins Derby geht. Das bestätigen SV-Trainer Stefan Bullacher und VTZ-Coach Kai Schumann. Die VTZ habe aber einen guten Lauf, mit Abdu Belhadi einen Spielmacher in Top-Form, lobt Bullacher und ergänzt: „Torwart Norman Dentzer hat uns schon mal den Zahn gezogen.“ Nach zwei Siegen gehe auch die VTZ mit selbstbewusst ins Derby, sagt Schumann. Ein Plus des SV sei – auch mit Blick auf die Meisterschaft –, „dass die Mannschaft eine enorme Mentalität hat“, lobt Schumann. Die paare sich mit viel Qualität.

Beide Teams haben also Gründe, um im Derby die Muskeln spielen zu lassen. Aber für erfolgreichen Handball reichen Muskeln alleine ja nicht, wie Grieser und von Lauppert schmunzelnd bestätigen.

Kommt derzeit im Rückraum der VTZ Saarpfalz gut zurecht: Robin von Lauppert (Mitte).
Kommt derzeit im Rückraum der VTZ Saarpfalz gut zurecht: Robin von Lauppert (Mitte).
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