Zweibrücken Mennoniten machen ihre Geschichte öffentlich

Der frühere Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte, Roland Paul (graues Sakko) erinnerte bei einem Festakt an die mennon
Der frühere Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte, Roland Paul (graues Sakko) erinnerte bei einem Festakt an die mennonitische Tradition des Wahlerhofs bei Mittelbach-Hengstbach.

In und um Zweibrücken finden sich besonders viele Mennoniten, die auch „Täufer“ genannt werden. Viele von ihnen bewirtschaften Höfe. Orte, an denen Täufer lebten und wirkten – häufig bis zum heutigen Tag – werden nun mit Tafeln bestückt, die über ihre Geschichte Auskunft geben.

„Ich bin in der Region großgeworden, ich kenne die Höfe und habe über die Mennonitengemeinde Kontakt zu den Familien“, schickte Renate Guth vom Wörschweilerhof auf Anfrage voraus. Sie koordinierte das Projekt vor Ort in enger Absprache mit Astrid von Schlachta, der Vorsitzenden des mennonitischen Geschichtsvereins sowie der Schriftführerin des Vereins, Sibylla Hege-Bettac. Waren die Höfe mit dem Anbringen von Täuferspurentafeln einverstanden, mussten die Texte abgestimmt, in wenigen Sätzen das Wesentliche formuliert und die Tafeln gefertigt werden, zählte Guth auf. Nach zweieinhalb Jahren intensiver Arbeit habe man am Sonntag in der Mennonitengemeinde – an der ebenfalls ein Täuferspurenschild hängt – die Eröffnung der Täuferspuren feiern können, so Guth. Auch an der Bibliotheca Bipontina findet sich nun eine Tafel. Die Bibliotheca Bipontina verwahrt, wie die Leiterin Sigrid Hubert-Reichling in ihrem Festvortrag ausführte, zahlreiche landwirtschaftliche Fachbücher der Täufer aus dem 18. Jahrhundert. Sie verwies auch auf die Bedeutung, die die Mennoniten mit ihren fortschrittlichen Methoden der Mehrfelderwirtschaft und neuen Düngungsformen für die Landwirtschaft im Herzogtum hatten. 2015 hatte Hubert-Reichling gemeinsam mit dem mennonitischen Geschichtsverein eine Ausstellung zur Täufergeschichte im Herzogtum Zweibrücken erarbeitet. Das wird auch auf der Täuferspurentafel erwähnt. Über die lange mennonitische Tradition des Wahlerhofes bei Mittelbach-Hengstbach sprach Roland Paul, ehemaliger Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, bei der Enthüllung des dortigen Täuferspurenschildes. Schon 1789 übernahmen amische Mennoniten den Hof, und er wird heute noch von traditionsverbundenen Mennoniten bewirtschaftet. Ebenfalls mit Täuferspurentafeln versehen wurden laut Guth der Kirschbacherhof und Heckenaschbacherhof – beide werden heute nicht mehr von Mennoniten bewohnt –, der Hof Monbijou, der Ransbrunnerhof und der Werderhof. Sechs weitere Täuferspuren-Stationen in der Region sind in Planung. Außerdem sollen ein Pilgerweg und eine Broschüre entstehen. INTERNET www.täuferspuren.de
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