Zweibrücken
Marko, der Held
HANDBALL: Spannung pur bis zum Schlusspfiff. Das Zweibrücker Stadt-Derby gestern hielt, was sich die Fans von dieser Partie versprochen hatten. Es war ein Spitzenspiel. Den Krimi entschied der SV 64 Zweibrücken vor 1200 begeisterten Zuschauern für sich. 24:23 (10:10) siegte der Tabellenführer bei der VT Zweibrücken-Saarpfalz und grüßt weiter ungeschlagen von der Tabellenspitze.
SV-Spielmacher Marc-Robin Eisel erklomm nach dem Schlusspfiff die hohe Balustrade in der Westpfalzhalle. Mit den Fans im Rücken dirigierte er den SV-Spielerchor. Der sang: „Derbysieger, Derbysieger“ und „Auswärtssieg, Auswärtssieg“.
„Marko, Marko“, hätten sie auch singen können. SV-Torwart Marko Ivankovic avancierte gestern zum Helden des 60-minütigen fairen Fights. „Marko hat heute den Unterschied ausgemacht. Unfassbar was er alles gehalten hat. Freie Bälle, Abpraller…“, lobte VTZ-Trainer Danijel Grgic den gegnerischen Keeper, der 15 Paraden zu Buche stehen hatte. „Dafür haben wir ihn geholt“, merkte SV-Trainer Stefan Bullacher schmunzelnd an.
Ivankovic trieb die SV-Spieler an
Seine starke Leistung krönte der kroatische Neuzugang mit einem wichtigen Tor zum 22:20 (56.). Es sei dennoch schöner, Bälle zu halten, verriet Ivankovic nach dem Schlusspfiff lachend. Er trieb die Jungs vor sich immer wieder an. Als Tom Grieser einen Ball, den Ivankovic abgewehrt hatte, im Eifer des Gefechts aus dem Raum holte, explodierte der Torwart fast. „Ich dachte mein Herz zerspringt“, bekannte Ivankovic.
Der Tabellenführer begann standesgemäß. SV-Kapitän Philip Hammann nutzte den ersten Gegenstoß, um das 1:0 zu erzielen. Zwei sicher verwandelte Strafwürfe von Tim Schaller und die 64er lagen 3:0 vorne. Aber die VTZ kämpfte sich ins Spiel. Sie schaffte es immer wieder, das SV-Tempospiel zu unterbinden, Gegenstoßmöglichkeiten zu vereiteln. Seine Mannschaft habe mit den Mitteln, die sie zur Verfügung habe, versucht dagegenzuhalten, analysierte Danijel Grgic.
VTZ kämpfte bis zum Schluss
Wie von VTZ-Kapitän Martin Mokris versprochen kämpfte die VTZ bis zur Schlusssekunde, brachte ihre Erfahrung ein. „Ich denke, dass wir es über weite Strecken ganz gut gemacht haben“, resümierte Grgic. Beim 6:6, das Tom Paetow mit einem seiner Klasse-Rückraumwürfe erzielte, war die Partie wieder offen.
In der gefühlten Beurteilung der 60 Minuten waren sich Bullacher und Grgic einig: Der SV war die agilere Mannschaft, die dem Spiel den Stempel aufdrückte. Zur Halbzeit habe man deshalb vermuten können, seine Mannschaft liege einige Tore zurück, bekannte Grgic. Dem war nicht so. 10:10 stand es, unter anderem dank eines aufopferungsvoll kämpfenden Tomas Kraucevicius, der das VTZ-Spiel zusammenhielt.
Variantenreiche VTZ-Defensive
Die VTZ-Defensive stellte den SV – von Bullacher erwartet – vor Herausforderungen. Grgic ließ variantereich decken. Mal offensiv 3-2-1, mal 3-3, mal zwei Spieler eng gedeckt, wobei vor allem die Kreise von Tim Schaller als Anspieler gestört wurden. „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Ein paar verschossene Bälle, ein paar technische Fehler, ein paar falsche Entscheidungen“, bilanzierte Bullacher. Das trug dazu bei, dass die VTZ immer wieder herankam, obwohl die Partie schon zugunsten der 64er gelaufen schien.
Der Krimi nach dem 18:18
Ivankovic wehrte einen Gegenstoß von Paetow ab, im Gegenzug markierte Christopher Huber per Heber das 18:14 (43.). Das Momentum sprach für den SV. Die VTZ setzte als taktische Variante auf den siebten Feldspieler, glich fünf Minuten später durch Jacob Brauns zum 18:18 aus. Marc-Robin Eisel, der sich im Spielverlauf deutlich steigerte, traf zum 19:18. Tom Grieser ließ nach Klasse-Zuspiel von Schaller das 20:18 (51.) folgen. Und das konnte die VTZ nicht mehr egalisieren.
So spielten sie
VT Zweibrücken-Saarpfalz: Klöckner, 53. Dörr – Kraucevicius (3), Mokris (6/3), Paetow (9) – Brauns (2), Wilga (1) – Bach – Rifel, Schweitzer, Zilincik (2), Berndt, Michel, Mayer
SV 64 Zweibrücken: Ivankovic (1), Berz (Siebenmeter) – Bayer (4), Schaller (2/2), Eisel (5) – Hammann (2), Zellmer (5/3) – Grieser (1) – Huber (1), Schwarzer (2), Alt (1), Wöschler, Ihl
Spielfilm: 0:3 (4.), 6:6 (18.), 7:9 (27.), 10:10 (Halbzeit), 11:14 (35.), 14:18 (43.), 18:18 (48.), 21:23 (59.), 22:24 (60.), 23:14 (Ende) – Siebenmeter: 3/3 – 6/5 Zeitstrafen: 3:3 – Beste Spieler: Ivankovic, Eisel, Bayer– Kraucevicius, Paetow, Mokris – Zuschauer: 1200 – Schiedsrichterinnen: Jelicic/Zintel (HV Saar).