Zweibrücken Hier wohnte der Sohn von Pekazett-Gründer Carl Peschke

Etwas verloren wirkt der Backsteinbau mit dem beherrschenden Viereckturm, verloren zwischen Gewerbe- und Industrieanlagen in der Schillerstraße. Aber das war so gewollt und auch nicht unüblich in der sogenannten Gründerzeit. Errichtet im Jahr 1905, stand die Villa Erna gleich neben der Baumaschinen-Fabrik von Karl, Otto und Anna Peschke – in der Straße nach Ernstweiler, die seinerzeit schnurstracks zum ersten, 1875 aufgegebenen Zweibrücker Bahnhof am Schönhof führte.

Erna hieß die Frau des Bauherrn, und nach ihr nannte Karl, der älteste Sohn des Firmengründers Carl Anton Peschke, seine Villa. Der Name, ein Relief des Bauherrn und die Symbole Zahnrad und Hammer finden sich in einem Medaillon seitlich am Haus. Es steht im ursprünglichen Zweibrücker Industrieviertel, das schon damals über einen Gleisanschluss verfügte. Hier entstanden auch Firmen wie Wery, die Keimzelle des heutigen John-Deere-Werks in Zweibrücken. Hatte Karl Peschkes Vater zunächst Bauwerkzeuge, Schubkarren und Kamintüren hergestellt, konzentrierte sich der Sohn auf Turmdrehkrane, eine Entwicklung des Vaters kurz vor dessen Tod. Auch die Aufhängung von Betonmischer-trommeln, ein bis heute weltweit umgesetztes Prinzip, hatte Carl Anton Peschke entwickelt. Karl Peschke oblag es dann, das 1927 in „Pekazett“ (Peschke Karl, Zweibrücken) umbenannte Unternehmen zur Blüte zu führen. Mitte der 1960er-Jahre beschäftigte es mehr als 300 Menschen; 1974 ging es jedoch in die Insolvenz. So verloren der Standort seiner Villa heute erscheint, so konsequent war er doch seinerzeit. Denn die 1877 angelegte Bismarckstraße, die von 1945 bis 1953 den Namen „Karl-Marx-Straße“ trug, galt als Standort vornehmer Wohnhäuser. Nicht selten residierte der Fabrikbesitzer gleich neben seinem Werk – um die Wege kurz zu halten und jederzeit ansprechbar zu sein. Als repräsentativ darf man die Villa Erna bis heute bezeichnen. Der zweigeschossige rote Backsteinbau ist mit zahlreichen Sandstein-Ornamenten verziert; im Eckwinkel zum vorspringenden Giebel an der Schwarzbachseite steht der erwähnte Viereckturm. Dessen Unterdach erscheint geschweift, mit einem viereckigem Spitzdach auf dem Turmstübchen, dem allenfalls eine kleine Glocke zu fehlen scheint. Ins Auge fällt außen ein kunstvoll gestaltetes schmiedeeisernes Gitter vor der Erdgeschossterrasse. Innen blieb in einigen Räumen Deckenstuck mit Jugendstil-Motiven erhalten. Vor allem florale Reliefs, die den in der Literatur erwähnten „Baumeister Kennerknecht“ offenbar ebenso faszinierten wie den Bauherrn. Im Treppenhaus sind bis heute Kriegsschäden erkennbar, die möglicherweise von der Explosion eines Munitionszuges beim nahe gelegenen Bahnhof im Jahr 1945 herrühren. Wesentliche Kriegsschäden trug die Villa aber nicht davon, im Gegensatz zu Nachbargebäuden. Bewohner der Villa ist seit 1975 die Familie von Christoph und Gisela Legner. „Es ist halt ein Haus mit Geschichte“, erläutert die Hausherrin die damalige Entscheidung. Der parkartig angelegte Garten hat ihr von Anfang an gefallen; ein Faible für alte Häuser und für großzügiges Wohnen teilt sie mit ihrem Mann. „Verändert haben wir außen nichts“, betonen beide. Schließlich stehe das Anwesen nicht ohne Grund unter Denkmalschutz. info Weitere Information und Anekdoten zu Zweibrücker Villen und deren Erbauern liefert – neben der RHEINPFALZ-Reihe – die Zweibrücker Villen-Rundfahrt des Kultur- und Verkehrsamtes mit Stadtführerin Monika Link. Nächster Termin: Sonntag, 2. Oktober, 15 Uhr.