Blickpunkt: 50 Jahre HHG in St. Valentin
Ein Tag im Leben eines Ski-Anfängers des Zweibrücker Helmholtz-Gymnasiums
Da stehen sie nun, zusammen mit ihren Klassenkameraden, neben der Ausfahrt des Teller-Schlepplifts und warten auf ihren Skilehrer. Nennen wir sie der Einfachheit halber Sabine Schmidt und Thomas Müller, das sind angeblich die häufigsten Vor- und Nachnamen in Deutschland. Gleich steht für die Schüler der achten Klasse des Zweibrücker Helmholtz-Gymnasiums (HHG) die erste richtige Fahrt auf Skiern an: Vom oberen Ende des Vallatsch-Lifts auf der Haideralm – dem Hausberg St. Valentins – geht es von 2174 Meter Höhe 400 Meter bergab zum Lifteinstieg.
Die beiden Skianfänger sind mächtig aufgeregt, da soll es gleich auf diesen rutschigen Brettern an den Füßen runtergehen? Nie im Leben geht das! Gestern bei der Ankunft in der „Pension Lärchenhain“ der Wirtsfamilie Egger wirkte alles noch so lustig, aber jetzt hier diese Piste runter und nach der Hälfte dann über die steile Kante?
Heute bestes Material vor Ort
Tags zuvor hatten die HHG-Schüler früh aufstehen müssen, noch lange vor dem ersten Schulgong war Abfahrt mit dem Bus in Richtung Südtirol. Rund sieben Stunden dauert ihre Fahrt gen Süden, am Schloss Neuschwanstein bei Füssen vorbei, dann über den Fernpass und schließlich den Reschenpass nach Italien. Schön ist das bei strahlendem Sonnenschein und schneebedeckten Hängen draußen. Gott sei Dank nur auf den Hängen, andere Klassen hatten wegen großer Schneemassen auf den Straßen auch schon deutlich längere Anfahrten mit Umwegen über den Arlberg oder sogar den Brenner.
Ankommen, Zimmer beziehen und nachmittags schon bald im Skigeschäft „Tenne“ im Ort vorstellig werden, um das neuwertige, moderne Sportmaterial zu empfangen: Ski, Skischuhe, Stöcke und natürlich einen Helm. Alles bestens vorbereitet, die Größen der Schüler werden vorab übermittelt, das Austeilen jetzt klappt wie das sprichwörtliche Brezelbacken. Das schuleigene, arbeitsintensive Arsenal mit Skiern und Skischuhen, von dem die Eltern so oft erzählt haben, ist längst Geschichte. Abends dann noch die erste Anprobe im Skikeller von Eggers: einmal alles anziehen, damit es am nächsten Morgen schneller klappt. Die Skianfänger Sabine Schmidt und Thomas Müller hatten dann eine eher unruhige Nacht. Wie das so ist auf einer Klassenfahrt samt Vorfreude auf die Skiwoche und Nervosität vor dem nächsten, dem ersten Skitag.
Die Liste für die Trottelkasse
Heute morgen war dann Frühstück um 8.30 Uhr; wer zu spät kam, durfte gleich in die legendäre „Trottelkasse“ einzahlen, das hatten die Lehrer gestern schon angekündigt. Dafür gibt’s auch eine extra Liste. Noch ein Lunchpaket machen und mit dem Umziehen beeilen, um 9.30 Uhr ist Treffpunkt vor dem Skikeller. „Fertig gestiefelt und gespornt“ hieß es. Der ein oder andere muss aber noch mal zurück: Handschuhe oder Skipass vergessen. Wieder ein Fall für die Trottelkasse. Mancher soll auch mal die Skischuhe am jeweils falschen Fuß angezogen haben. Und so läuft sich’s halt schlecht zur Talstation der Haideralm-Bahn.
Um 10 Uhr ist die ganze Mannschaft auf dem Berg, der Haideralm. Die Zeiten, in denen erst mal die Wiese neben dem Haus Egger plattgetreten (dort, wo heute die neue Feuerwehr von St. Valentin steht) und später der „Hasenlift“ unsicher gemacht wurde, sind lange vorbei. Und mit einem offenen Stahlkorb geht’s auch nicht mehr zur Bergstation.
Erste Gehversuche auf glatten Brettern
In ihren eingeteilten Skigruppen haben Sabine Schmidt und Thomas Müller auf ebenem Terrain ihre ersten Gehversuche auf Skiern gemacht. Gehen, „Roller fahren“ auf einem Ski, um die Kurve treten, einfach ans Sportgerät gewöhnen. Dann geht’s schon aufs Förderband. Die Skilehrer – meist Sportlehrer der Schule, aber immer auch einige auswärtige Freiwillige – zeigen den Anfängern, wie man mit einem Pflug bremsen und mit richtiger Gewichtsverlagerung auch Kurven fahren kann. Puh, gar nicht so einfach und anstrengend, denken Sabine und Thomas. Manch einer hat den Dreh schneller raus als andere. Und mancher „Supersportler“ entdeckt plötzlich Grenzen, während wieder andere ein neues sportliches Talent erleben. Zwischen 12 und 12.30 Uhr rufen dann die heutigen Organisatoren der Fahrt, die Lehrer Kevin Kupfer und Ulrike Pfeiffer, deren Vater Heinz-Kurt Weskamp die Fahrt auch jahrelang prägte, die Mittagspause im Bergrestaurant aus.
Aufregung macht sich an den Tischen breit, nach dem Essen steht die erste Liftfahrt an. Rausfallen ist am ersten Tag noch nicht so schlimm, nur Könner zahlen direkt in die Trottelkasse, weil am Ausstieg dann alle auf einen warten müssen. Jetzt aber los, wo bleibt unser Skilehrer, denken Sabine und Thomas. Da kommt er und erzählt gleich was von Berg- und Talski, vom richtigen Aufkanten, und dass das Gewicht beim Pflugbogen über dem bogenäußeren Ski sein muss. In der Praxis klappt das schon ganz gut, stellen Sabine und Thomas fest, auch wenn zur Einfahrt in den letzten „Steilhang“ auch eine Portion Mut gehört. Aber die Skilehrer sind ja da, machen vor, wie es richtig geht und helfen auch mit viel Lob. Später am Tag können die Schüler schon Hütchen im Schnee umkurven und ordentlich bremsen.
Pflug, Talabfahrt, Rennen
Das ist eine wichtige Voraussetzung für die vier Kilometer lange Talabfahrt von der Haideralm mitten durch den Wald ins Tal, die für alle Skianfänger meist am dritten Skitag auf dem Programm steht. Die übrigen früheren Lifte wie der Panoramalift, der Haideralmlift und der Seebodenlift, der fast bis unter die Seebodenspitze (2860 Meter) führte, wurden inzwischen alle abgebaut, seit die neue Verbindungsbahn ins Nachbarskigebiet Schöneben zur Saison 2018/19 eröffnet wurde. Die ermöglicht der Helmholtz-Mannschaft – den Fortgeschrittenen und später auch den Anfängern – ein einfaches Übersetzen nach Schöneben. Früher mussten 40 bis 50 Schüler immer mit den örtlichen Skibussen rüberfahren. Eingequetscht zwischen vielen Touristen drückte im schaukelnden Bus da bei manch einem auch mal das Frühstück auf den Aufzugsknopf. Vorbei: Jetzt können die Schüler bei der Gondelfahrt die malerische Bergwelt und die Aussicht auf den Reschensee genießen.
Frühestens um 16 Uhr sind Sabine, Thomas und ihre Kollegen zurück in der Unterkunft. Jetzt ist erst mal technischer Dienst am Körper (sprich: Duschen) angesagt. Früher konnte jetzt noch Langlauf gemacht werden, heute gehen die Kinder lieber „in die Stadt“. Aber immer zu dritt, ordentlich abgemeldet und je nach Witterung richtig angezogen. Um 18.30 Uhr gibt’s reichlich Abendessen, liebevoll gekocht von Rosl, während Wolfi serviert.
Nachtwanderung im Schnee
„Was steht heute Abend auf dem Programm?“ fragen Sabine und Thomas die Lehrer. Schlittenfahren auf der Rodelbahn am alten „Hasenlift“ hinterm Haus? Viele Kinder heute kennen das von zu Hause gar nicht mehr. Das ist immer eine Riesengaudi, auch wenn die Götter vor den Spaß den Schweiß gesetzt haben, denn der Aufstieg mit Schlitten dauert eine halbe Stunde. Oder die Nachtwanderung zu einer Berghütte, der Spieleabend, der Diavortrag mit dem einheimischen Bergführer Josef Plangger aus dem benachbarten Langtauferer Tal über die Bergwelt und seine Touren rund um die Welt? „Oder haben wir schon Zeit, was für unseren Abschlussabend vorzubereiten?“
Ach egal, und morgen geht’s wieder auf die Ski. Schließlich muss ja auch ein bisschen trainiert werden für das Abschlussrennen am letzten Skitag, denken sich Sabine und Thomas. Da stecken die Skilehrer einen Slalom-Parcours, der in Gruppen von allen Schülern – den Anfängern bis zu den Könnern – zweimal zu bewältigen ist.
Aufruf