FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Die Karrieren von Nico und Lena Zimmermann aus Lambsborn

Karriere-Höhepunkt: 2011 spielte Nico Zimmermann (rechts) im Trikot von Eintracht Braunschweig in der ersten DFB-Pokal-Runde geg
Karriere-Höhepunkt: 2011 spielte Nico Zimmermann (rechts) im Trikot von Eintracht Braunschweig in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Bayern München und den späteren Weltmeister Philipp Lahm.

Eine beachtliche Karriere haben die Geschwister Nico und Lena Zimmermann aus Lambsborn im Fußball hingelegt. Nico Zimmermann, früher in der Zweiten Bundesliga Profi bei Eintracht Braunschweig, ist nun 35 und Co-Spielertrainer in der Oberliga. Für seine Schwester geht der Beruf vor.

Für Nico Zimmermann, der in Lambsborn aufgewachsen ist, war der Höhepunkt seiner Fußballkarriere sicher der 1. August 2011. Da spielte er mit Eintracht Braunschweig in der ersten Runde des DFB-Pokals vor 23.645 Zuschauern gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München. „Gegen die Stars zu spielen, das ist eine ganz andere Welt“, erzählt der heute 35-Jährige, der damals im Mittelfeld der gelb-blauen Braunschweiger mitmischte.

Manuel Neuer, David Alaba, Holger Badstuber, Jérome Boateng, Philipp Lahm, Rafinha, Toni Kroos, Luiz Gustavo, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez und Thomas Müller“, geht Zimmermann die Aufstellung der damals von Jupp Heynckes trainierten Bayern-Elf durch. Zimmermann stand 70 Minuten auf dem Platz, nach 90 Minuten hieß es 0:3 aus Eintracht-Sicht. .„Das sieht im Fernsehen anders aus, als es auf dem Feld ist, wenn man gegen so eine Mannschaft spielt. Das ist alles viel schneller“, erzählt Zimmermann, der heute in Saarbrücken lebt.

Studierter Betriebswirt

Als Profi ist er nicht mehr unterwegs, nun läuft er für den SV Röchling Völklingen in der Oberliga auf. „Nur ein Hobby ist es trotzdem nicht“, sagt der Angestellte in einem Baustoffhandel, der als offensiver Mittelfeldspieler agiert. Für Völklingen spielte er schon seit Jahresbeginn 2016, nachdem er zuvor noch mal versucht hatte, bei den Profis der SV Elversberg Fuß zu fassen.

Mit den Völklingern kickte er, abgesehen von einer Saison, stets in der Oberliga. „Der Aufstieg in die Regionalliga war damals ein Bonusjahr für den Verein. Wir haben uns auch gut geschlagen“, erzählt der studierte Betriebswirt, der mit seinem Klub aber postwendend wieder in die Oberliga abstieg.

Seine sportliche beste Zeit erlebte Nico Zimmermann aber in seinem Jahr in Braunschweig, wo er auf 22 Einsätze (zwei Tore) in der Zweiten Bundesliga kam. „Ich hatte dann einige Verletzungen und war vom Kopf her einfach nicht stark genug“, erinnert sich Zimmermann, Von 2012 bis 2014 spielte er für drei Vereine (VfR Aalen, Hansa Rostock und SV Elversberg) in der Zweiten und Dritten Liga. Es folgten eineinhalb Regionalliga-Jahre in Elversberg und Homburg.

Aufgegangen war sein fußballerischer Stern beim 1. FC Saarbrücken, bei dem er eine überragende Saison 2010/11 spielte (37 Einsätze, acht Tore) und Begehrlichkeiten anderer Klubs weckte. „Die Zeit in der Dritten Liga in Saarbrücken war schon geil.“

Auch mal Interimstrainer

Ein bisschen bereut er heute, dass er trotz eines laufenden Vertrags in Braunschweig zu schnell die Handbremse gezogen habe. „Es war die gleiche Mannschaft, die anschließend in die Bundesliga aufgestiegen ist. Es war ein bisschen früh zu wechseln. Ich habe mir vieles zu sehr zu Herzen genommen. Der Wechsel zum damaligen Zweitligisten VfR Aalen war ein Schnellschuss“, sagt Zimmermann, der auch nach seiner langsam ausklingenden Karriere dem Fußball möglicherweise erhalten bleiben will. „Ich habe da noch nichts im Kopf. Ich muss auch abwarten, was mein Körper sagt. Ich will in zehn bis 15 Jahren noch laufen können“, sagt der Ex-Profi, der schon ein halbes Jahr Interimstrainer in Völklingen war, zurzeit als spielender Co-Trainer agiert. Ob es wegen einer Verletzung für ihn nach der Corona-Pandemie noch weitergeht, ist fraglich. „Ich musste in der letzten Zeit den 20 Jahren als Fußballer Tribut zollen und hatte diese Saison noch keinen Einsatz. Ich kann zurzeit fußballerisch nur ein bisschen was machen.“

Polizei und Regionalliga

Auch seine Schwester Lena Zimmermann hat eine beachtliche Fußballkarriere hingelegt. Mit 29 Jahren spielt die angehende Saar-Polizistin noch immer in der Regionalliga, der dritthöchsten Klasse, für den SC Siegelbach. Beim FSV Jägersburg konnte sie sogar in der Zweiten Bundesliga Erfahrungen sammeln. Gerade der Jugend entwachsen, spielte sie als 17-Jährige gegen Bayer Leverkusen ihre Premieren-Partie in der Zweiten Liga. Im Januar 2009 wurde sie von den RHEINPFALZ-Lesern – zusammen mit den VB Zweibrücken und Schwimmer Florian Schmidt – zur Sportlerin des Jahres 2008 gewählt.

Wechsel nicht gewagt

Aber Lena Zimmermann war schnell klar, dass sie keine hauptberufliche Fußballerin werden kann. „Im Frauenfußball braucht man, wenn man keine Werbeverträge hat, ein zweites Standbein. Ich wusste auch nicht, ob ich mich wirklich durchsetzen kann.“ Noch während ihrer Zeit beim FSV Jägersburg absolvierte sie ein Probetraining beim 1. FC Saarbrücken. „Es hätte einen Wechsel nach Saarbrücken geben können, aber ich habe es nicht gewagt“, sagt die Studentin. So habe sie für sich beschlossen, dass sie eine Karriere in der Regionalliga besser mit einem Beruf und einer vorherigen Ausbildung verbinden könne.

Im Jahr 2014, als es in Jägersburg zu einem Bruch kam, wechselte Lena Zimmermann nach Siegelbach. Nach einem Jahr in der Verbandsliga spielt sie bis heute dort in der Regionalliga. „Der Wechsel nach Siegelbach bot sich an, weil ich damals in Kaiserslautern und Landstuhl gearbeitet habe“, erklärt Lena Zimmermann, die in Siegelbach zeitweise auch Trainerin war. Heute wohnt sie im Lambsborn Nachbarort Bechhofen, fährt in ihrer Freizeit zum Ausgleich gerne Rad. Zurzeit sei sie wegen ihrer Berufsausbildung nicht so ganz nah am Fußball, „Ich bin deshalb schon fast froh, dass die Saison unterbrochen ist. Sport brauche ich zum Ausgleich aber trotzdem“, fügt sie an.

Wenn die Familie fehlt

Auch wenn die Erste Bundesliga für Lena Zimmermann in Sichtweite war, sieht sie darin keine verpasste Chance. „Natürlich hätte ich da wie Nico viel erlebt. Da denkt man auch mal: ,Wow, wenn man sieht, wo er überall gespielt hat.’ Aber ich kenne auch die anderen Seiten des Fußballs. Ich habe Nico oft in Rostock, Braunschweig und Aalen besucht“, sagt Lena Zimmermann. Ihr Bruder schlägt in die gleiche Kerbe: „Wenn man im Fußball unterwegs ist, ist man oft auf sich alleine gestellt. Die Nähe der Familie ist nicht immer da. Wenn die Familie in der Nähe ist, fällt es einem leichter. Man kann aber nicht verlangen, dass die Familie quer durch Deutschland fährt.“

Seit 2014 spielt Lena Zimmermann in für den Regionalligisten SC Siegelbach.
Seit 2014 spielt Lena Zimmermann in für den Regionalligisten SC Siegelbach.
Heute lässt Nico Zimmermann die Karriere bei Röchling Völklingen ausklingen.
Heute lässt Nico Zimmermann die Karriere bei Röchling Völklingen ausklingen.
x