Zweibrücken
Bob Dylan kommt nicht ins Gestüt, aber dafür Feriengäste
Kulturelle Großveranstaltungen, die nichts mit Pferden zu tun haben. Konzerte mit Bryan Adams, Bob Dylan, den Toten Hosen, Bon Jovi, U2 oder Robbie Williams. Damit könnte das Landgestüt schwarze Zahlen schreiben. 2004 gab es tatsächlich mal diesen Vorschlag, der an der damaligen Zweibrücker Fachhochschule erarbeitet worden war. Joe Cocker, der dabei auch genannt wurde – und der tatsächlich mal bei „Rock im Wald“ auf dem Sportplatz in Pirmasens-Erlenbrunn auftrat – , ist im Jahr 2014 gestorben. Auch die anderen Rockgrößen hat es seitdem nicht nach Zweibrücken verschlagen. So langsam schwarze Zahlen schreibt das Landgestüt mittlerweile dennoch. Geschäftsführerin Maren Müller spricht zwar noch von einem Defizit von 60.000 Euro im Jahr 2019, die aber mit Hilfe des Bürgerfonds Landgestüt und des Landes ausgeglichen werden konnten. Maren Müllers Ziel: Langfristig mit einem Vier-Säulen-Konzept eine schwarze Null erreichen.
Auf kulturelle Veranstaltungen setzt sie dabei nicht, schon gar nicht mit der irischen Rockband U2 und dem Literaturnobelpreisträger Bob Dylan. Wenn sie von Veranstaltungen spricht, dann meint sie Veranstaltungen rund ums Pferd: Turniere, Springen, Dressurprüfungen, Zuchtveranstaltungen, Stutenschauen, Lehrgänge. Das ist eine der vier Säulen, auf denen das Landgestüt fußt – neben den regelmäßigen Reitern und Voltigierern, der Zucht und den Vereinen. Einfach mehr Veranstaltungen anbieten, hilft aber nicht: „Wenn Sie als Bäcker mehr Brötchen backen, verkaufen Sie nicht automatisch mehr.“ Zwar schwärmt die Geschäftsführerin von den „optimalen Bedingungen“ bei den Paddocks und den Reitplätzen, aber sie weiß auch, was sie noch verbessern möchte: „Wir brauchen einen ordentlichen Abreitplatz.“ Der jetzige – am Ende in Richtung Goetheplatz gelegen – sei zu klein und werde noch nicht wie die übrigen Plätze computergesteuert be- und entwässert, dass der Sand immer ein wenig feucht, nie staubig und nie dreckig ist. „Das finden Sie so nirgends, dafür müssen Sie weit fahren“, sagt Maren Müller. Mit einem neuen Abreitplatz – beispielsweise zum Aufwärmen vor Turnieren – könnte man auch internationale Turniere veranstalten – „das wäre ein Wunsch“, sagt Maren Müller, die in Hengstbach wohnt und seit drei Jahren Geschäftsführerin des Landgestüts ist.
Ebenerdiger Glaskubus
Ihre Ideen drehen sich aber nicht nur ums Reiten und um die Pferde: Sie macht sich Gedanken, wie sie das Landgestüt mit seiner „wunderschönen Lage“ in der Innenstadt auch für Touristen interessant machen könnte. Davon hätten auch die Zweibrücker selbst etwas: „Gastronomie ist da ein Muss“, sagt sie. Eine Gaststätte gab es auch mal im Gestüt, mit Blick in die kleine Reithalle. Aber um die wieder richtig zu nutzen, bräuchte man eine zweite Fluchttreppe. Maren Müller kann sich stattdessen vorstellen, an die Halle ebenerdig einen Glaskubus anzubauen und die Küche in den früheren Umkleiden zu nutzen, die derzeit noch eine Behelfsküche für die Vereine ist. Dass eine Wirtschaft im Gestüt funktioniert, davon ist sie überzeugt: Der frühere Gastwirt, „der hatte busseweise Leute hier“. Und auch jetzt seien mögliche Gäste da: Auch am Wochenende sei im Gestüt immer etwas los.
Während eine Gaststätte noch Zukunftsmusik ist, werden die Pläne für die frühere Stallmeisterwohnung bereits umgesetzt: Sie wird zur Ferienwohnung. 30 Jahre wohnte der Leiter der Hengststation in den Räumen über der jetzigen Geschäftsstelle, auf die man zuläuft, wenn man durch den Haupteingang aus Richtung Hilgardplatz das Gestüt betritt. Danach wurde die Wohnung noch eine Zeit lang von Angestellten genutzt, doch dann stellte sich die Frage, was aus ihr wird. „Vermieten? Schwierig. Wir sind ein laufender Betrieb. Wir haben hier Lärm, Fliegen, jeden Tag, auch Samstag, Sonntag, Feiertag“, erklärt Maren Müller.
„Die Aussicht ist einfach gigantisch“
So entstand die Idee mit der Ferienwohnung mit der Aussicht auf die Allee, die Müller „einfach gigantisch findet“ und wunderschönen Holzdielen, die sich jahrelang unter Linoleum versteckt hatten. Feriengäste seien nicht immer in der Wohnung, und möglicherweise könnte man in Zukunft auch Pakete mit Reiturlaub anbieten. So weit ist es aber noch nicht: Derzeit wird die große Wohnung fertig renoviert, danach kommen die Möbel. Ab Frühjahr 2023 möchte das Landgestüt sie als Ferienwohnung über booking.com und über die eigene Website vermarkten. Bis zu sechs Personen können auf den 110 Quadratmetern übernachten, es gibt zwei Schlafzimmer für je zwei Personen und eine Couch für zwei weitere.