Handball RHEINPFALZ Plus Artikel 600 Zuschauer in der Westpfalzhalle bei Benefiz-Spiel für Fritz Schäfer

Der emotionalste Moment des Abends: Fritz Schäfer steht auf und geht, unterstützt von seiner Schwester Elisabeth Metzger, einige
Der emotionalste Moment des Abends: Fritz Schäfer steht auf und geht, unterstützt von seiner Schwester Elisabeth Metzger, einige Schritte.

Fritz Schäfer, Fritz Schäfer, Fritz Schäfer – auf (fast) jedem Trikot, egal ob grau, grün oder rot, stand am Samstag in der Westpfalzhalle dieser Spielername. Natürlich spielten nicht nur Handballer des SV 64 Zweibrücken und der VTZ Saarpfalz namens Fritz Schäfer gegeneinander. Aber alle Handballer und die Fußballer des TuS Rimschweiler spielten für Fritz Schäfer. Es war ein bewegter und ein bewegender Abend.

Der emotionalste Moment war der kurz vor dem Anpfiff des Benefizspiels der Zweibrücker Handball-Oberligisten: als Fritz Schäfer aus seinem Rollstuhl aufstand und ein paar Schritte aus dem Anwurfkreis in Richtung Tribüne machte. 600 Menschen, die mit ihrem Besuch ihre Unterstützung für den langjährigen Sport-Chronisten bekundet hatten, freuten sich über Schäfers Fortschritte. Seit einem verhängnisvollen Sturz im Oktober 2020 ist der Journalist querschnittgelähmt.

Für die Fortschritte hat er täglich hart trainiert, mit viel Unterstützung. Er werde weiter trainieren, versprach er, und stellte schmunzelnd fest: „Bulli, Philip, wenn ihr noch einen Abwehrspieler braucht, in einem Vierteljahr bin ich soweit.“ Auf das Angebot kommen die Trainer Stefan Bullacher (SV 64) und Philip Wiese (VTZ) sicher gerne zurück, Kämpfer sind im Handball gefragt. Auch im Fußball. Weshalb sich auch die Kicker aus Rimschweiler (Schäfers Heimatverein), die sich in der Pause in einem Spaßwettbewerb miteinander maßen, über seine Fortschritte freuen. Mit dem Harz der Handballer kamen sie beim Werfen aber nicht gut klar.

Vereinslegenden und Bruderduell

Schäfer verfolgte das Spiel gemeinsam mit seiner Schwester Elisabeth Metzger vom Spielfeldrand, überwältigt vom Zuspruch. Am Samstag schickten Bullacher und Wiese jeweils eine bunt gemischte Truppe aus Junioren, Oberliga-Spielern und Ehemaligen aufs Feld, die sich in schweißtreibenden 45 Minuten ein freundschaftliches Duell lieferten. Verbunden mit viel Hallo in der Halle und bei der After-Play-Party in Rimschweiler.

In Schwetzingen ist zum Beispiel Raimonds Trifanovs, der frühere lettische Nationalspieler, heimisch geworden. „Ich spiele keinen Handball mehr, ich habe drei Kinder“, sagte er lachend, mittlerweile Bart tragend. Sein Sprungwurf, mit dem er das 8:8 erzielte, hat aber nichts von der früheren Eleganz eingebüßt. Begeisterungsstürme löste bei SV-Fans die Rückkehr von Thorsten „Nosi“ Hoffmann aus, eine „Vereinslegende“. Den früheren Linksaußen beorderte Bullacher in die Startformation. Die zauberte gleich mal: Philipp Hammann auf der rechten Außenbahn, aus dem halbrechten Rückraum fliegt Aris Wöschler ein und nutzt sein Zuspiel per Kempa-Trick, um für den SV zu treffen. Da war VTZ-Torwart Norman Dentzer chancenlos. Handball-Fans lernten am Samstag, dass dort, wo Dentzer draufsteht, nicht immer ein Dentzer drinsteckt. Denn auch der frühere VTZ-Torhüter Thomas Becker, der alte Klasse aufblitzen ließ, trug ein Dentzer-Trikot. Ein Kreuzbandriss hatte seine Karriere beendet. „Ich habe tatsächlich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder im Tor gestanden“, freute er sich. Sein langjähriger Gespannspartner Stephan Heinrich schaute zu. Das Handballkapitel hat er beendet, erkundet jetzt intensiv die Unterwasserwelt. „Tauchen ist meine große Leidenschaft“, verriet er.

Hoffnung auf fünfstelligen Betrag für „de Fritz“

Es gab schöne Duelle. Zum Beispiel als Daniel Wenzel, der das SV-Tor hütete, mit einer Parade einen Treffer seines Bruders Pascal – VTZ-Vorstandsmitglied – verhinderte. Das Duell um die buntesten Handballschuhe gab es auch. Das gewinnt meist VTZ-Spieler Tomas Kraucevicius, der eine Vorliebe für farbenfrohes Schuhwerk hat. Dieses Mal hatte er allerdings Konkurrenz: SV-Spieler Dominik Mader setzte eine auffällige Socken-Schuh-Kombination dagegen. „Irgendwie muss man ja Akzente setzen“, meinte Mader lachend.

Die wurden gesetzt am Samstag. Für Fritz Schäfer. Der an diesem Abend mit einem Tabu brechen musste. „Als Journalist lernt man, nicht danke zu schreiben“, erinnerte er. Aber jetzt müsse er danke sagen, gestand er und dankte allen, die ihn unterstützen. Stellvertretend sei Hermann Grieser genannt, der das Benefizspiel mit einem Team organisierte und hofft, „dass wir am Ende auf einen fünfstelligen Betrag für den Fritz kommen“. Denn wie es so sei, Versicherungen streiten, und bis alles geklärt sei, vergehen Jahre. „Aber Fritz braucht jetzt Hilfe“, sagte Grieser.

Promi-Trikots heiß begehrt

Das Spiel endete freundschaftlich 29:29. Wichtiger waren die 50 Euro, die Barbara Starck spontan auf das schon für 50 Euro ersteigerte VTZ-Trikot draufzahlte. Oder die 111 Euro, die das SV-Trikot brachte, das Andrea Fischer steigerte und die 253 Euro, die Thomas Hofer erfolgreich für das Trikot der Rhein-Neckar Löwen bot. Das zum zweiten Mal zugunsten Schäfers versteigert werden konnte: Online bereits versteigert (351 Euro), hatte es der Höchstbietende bezahlt und wieder zur Versteigerung freigegeben. 191 Euro brachte eine Nationalmannschaftsjacke von Amelie Berger, 200 Euro ein Trikot von Jerome Müller und 51 Euro ein Trikot von Björn Zintel.

Ein „Streitpunkt“: Wer ist der Gewinner im Wettbewerb des Spielers mit den buntesten Handballschuhen? Tomas Kraucevicius (links)
Ein »Streitpunkt«: Wer ist der Gewinner im Wettbewerb des Spielers mit den buntesten Handballschuhen? Tomas Kraucevicius (links) von der VTZ oder doch Dominik Mader (beim Wurf), der für den SV 64 auflief?
SV-Spieler Philipp Hammann (links) und VTZ-Torwart Norman Dentzer überreichen Fritz Schäfer vor dem Benefizspiel ein Trikot mit
SV-Spieler Philipp Hammann (links) und VTZ-Torwart Norman Dentzer überreichen Fritz Schäfer vor dem Benefizspiel ein Trikot mit den Wappen des SV 64 Zweibrücken, der VTZ Saarpfalz und des TuS Rimschweiler.
Keine gute Idee: SV-Handballer Tom Grieser (links) reicht Fußballer Helmut Emrich vom TuS Rimschweiler in der Pause die Harz-Dos
Keine gute Idee: SV-Handballer Tom Grieser (links) reicht Fußballer Helmut Emrich vom TuS Rimschweiler in der Pause die Harz-Dose.
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