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Zweibrücken

Zweibrücken: Viel Sonne und noch mehr Einhörner

Von Marco Hey

Dicht an dicht tummelten sich die Zuschauer gestern vor der Bühne am Busbahnhof. (Foto: Füßler)

Tausende von Zuschauern erwarteten gestern bei strahlendem Sonnenschein den Zweibrücker Faschings-Umzug.

https://www.rheinpfalz.de/lokal/zweibruecken/artikel/bildergalerie-strassenkarneval-in-zweibruecken/Eine Bildergalerie des Umzugs finden Sie hier.

Die Sonne lachte gestern so hell über dem Zweibrücker Faschingsumzug als wolle sie die Herzogsnarren für den Umzug 2016 entschädigen, der vor zwei Jahren wegen Sturms und Regens abgesagt wurde. Das kalte, aber schöne Wetter ließen sich die Narren nicht entgehen, die bestens gelaunt die Straßen an der neuen Umzugsstrecke säumten.

Angesichts des perfekten, aber ziemlich kalten Wetters setzten die Zuschauer vor allem bei den Kleinen auf Kostüme, die praktischerweise den ganzen Körper in kuscheliges Kunst-Fell hüllten und meist sogar den Kopf schön warm hielten. So rannte gestern so ziemlich alles, was die Tierwelt zu bieten hat, durch die Zweibrücker Straßen: Giraffen, Zebras, Eisbären, Tiger, Affen und ab und zu auch ein paar Kühe, die in den vergangenen Jahren sehr in Mode waren.

Doch in diesem Jahr wurden die Kühe eindeutig von den Einhörnern abgelöst. Egal, ob in hellblau, rosa oder pink – die Fabeltiere wuselten überall herum und boten manchmal auch einen verstörenden Anblick. Etwa, wenn sie mit Bierdose in den Hufen und Zigarette im Mundwinkel herumhüpften. Wenn das Feen-Komitee das sieht, gibt’s garantiert Platzverweis im Märchenwald. Mindestens so sehr in Mode wie das Einhorn lag bei den Erwachsenen und den mehr oder weniger erwachsenen Jugendlichen das Kostüm der Marke „Faschingsmuffel“: dicke Jacke, Jeans und Turnschuhe. Und wer es ganz neckisch mochte, trug dazu Wollmütze und Sonnenbrille.

Vor allem die Kleinen nutzten das Warten auf den Zug, um wichtige Details zu klären. Beispielsweise, die Frage, wann denn die Bonbons kommen und ob man die essen kann. Sie kamen. Angeführt von der Stadtkapelle in Ponchos und Sombreros zogen die knapp 30 Zug-Nummern an den Schaulustigen vorbei, die eifrig nach den geworfenen Gaben griffen oder zur Musik von den Wägen hüpften. Direkt ins Auge fiel der tolle, von Hand gezogene, Motivwagen des Zweibrücker Gemeinsamhandels. Aufgeschlagen wie die Bibel auf einem Altar zog die Gruppe ein gebasteltes Buch hinter sich her. Auf den Seiten tat der Gemeinsamhandel seine Abneigung gegen einen möglichen Möbelpark auf dem Flugplatz kund. „Mir schlan hier neue Seite uff! Statt e Möbelhaus liewer e Puff“ , war da zu lesen. Regionale Themen oder politisches griff ansonsten nur der Zweibrücker Karnevalverein mit seinem Zweibrücker Wassermann auf. Den Wagen des KVZ zierte eine Meerjungfrau mit Dreizack und dem Kopf des Oberbürgermeisters. Eine Anspielung auf das Projekt „Stadt am Wasser“, die auch die SPD an ihrem Wagen zusammenreimte: „Dank Fasenacht un viel Gewässer geht’s Zweibrücken immer besser.“

Die restlichen Teilnehmer verzichteten darauf, Zweibrücker Themen oder Geschehen aufzugreifen und konzentrierten sich statt dessen auf laute Allez-Hopp-Rufe und Bonbonwerfen. Die Fußballer vom TSC Zweibrücken heizten den Zuschauern mit Partymusik ein. Diese ergriffen die Gelegenheit zum Hüpfen bereitwillig. Dass es dem TSC um nichts anderes als den Spaß ging, war mit einem Blick auf das Schild am Wagen klar: „Wir haben kein Motto. Wir feiern bis der Arzt kommt.“

Etwas ratlos ließ indes der Auftritt des SVN Zweibrücken zurück. Was wollten die jungen Männer mit Bier in der Hand, die einen Wagen hinter sich herzogen, in dem andere biertrinkende junge Männer lagen, darstellen oder mitteilen? Einer im Wagen hatte sogar sein Mobiltelefon vor dem Gesicht, auf dem er konzentriert und unberührt vom Rest des Geschehens herumtippte. Den Teilnehmern und Zuschauern dürfte es egal gewesen sein. Die Großen hüpften und lachten, während die kleinen Einhörner, Bärchen, Drachen und Käfer zwischen ihren Füßen herumwuselten und nach Bonbons, Lutschern, Chips und anderem „Schnäkes“ griffen, das in großen Mengen von den Wägen flog. „Mir hann Spaß. Un mir hann scheen Wetter.“, verkündete SPD-Urgestein Fritz Presl über Lautsprecher vom SPD-Wagen. Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

 

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr Bildergalerien von den Fasnachtsveranstaltungen dieses Jahres.

 

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