Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Tage Messe „Wein am Dom“: Im Paradies der Weinverkoster

Speyer-Besucher für die Weinmesse: Zum guten Wetter kam die auffallend gute Laune der Gäste.
Speyer-Besucher für die Weinmesse: Zum guten Wetter kam die auffallend gute Laune der Gäste.

Mit mehr als 3500 verkauften Tickets an zwei Tagen war die Messe „Wein am Dom“ nach Einschätzung der Veranstalter Pfalzwein und Landwirtschaftskammer ein voller Erfolg. Angesichts von 139 Ausstellern mussten Gäste beherzt Prioritäten setzen.

Die Tickets für den Samstag waren nach Auskunft von Joseph Greilinger, Geschäftsführer der Werbevereinigung Pfalzwein, schon 14 Tage vor Messebeginn ausverkauft. Aber auch am Sonntag war die Lust am Genießen deutlich spürbar. Bei frühsommerlichen Temperaturen an beiden Messe-Tagen zogen die Wein-Flaneure zu den sechs Ausschankstationen im Zentrum der Stadt und nippten mit Ausdauer an ihren Gläsern.

Die Veranstalter, die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und die Pfalzwein-Werbung, zeigten sich hochzufrieden mit der Besucherresonanz. Die Winzer lobten die positive Grundstimmung an den Ständen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten für die Weinbaubetriebe sei das ein sehr positives Zeichen, lobte Greilinger.

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Speyer und der Pfälzer Wein

Den Auftakt bildete am Samstag die Siegerehrung des Wettbewerbs „Best of Wein am Dom 2024“, für die drei pfälzische Weinhoheiten zuständig waren. Die Verkostungssieger wurden in acht Kategorien prämiert. Eine Fachjury aus neun Personen hatte zuvor rund 300 Weine blindverkostet. Die Konkurrenz war also riesig.

Stationen an sechs Standorten

Für Weinfreunde war die sorgfältige Planung des Messebesuchs ein guter Berater. Rot oder Weiß? Riesling oder Sauvignon Blanc? Sekt oder Secco? Es war schlichtweg unmöglich, das ganze Angebot dieser Genießer-Messe zu verkosten. Die Maxime beim Erkunden der Pfälzer Weinlandschaft war deshalb die gezielte Wahl: Man musste beherzt Prioritäten setzen, um bei dieser Angebotsfülle die rauschhafteren Gefühle etwas hinauszuzögern. Wer sich auf bestimmte Themen konzentrierte, konnte Interessantes entdecken, auch mit seltener angebotenen Rebsorten wie dem Gänsfüßer oder neuen pilzresistenten Sorten.

Zum Erfolg der Weinmesse hat sicher auch das sonnige Wetter und das stilvolle Ambiente der sechs gewählten Lokalitäten beigetragen. Im Historischen Rathaus, im Sophie-La-Roche-Haus, im Alten Stadtsaal, in der Städtischen Galerie oder auch in der Heiliggeistkirche in geselliger Runde Weine zu verkosten und ins Gespräch zu kommen, war nach Aussagen von Winzern und Besuchern ein besonderes Erlebnis. Dieses Jahr erstmals als Ausschankstation dabei: das „Philipp eins“ in der Johannesstraße, das wohl älteste Gasthaus der Domstadt.

„Die Junge Pfalz“ siebt aus

Dort waren die Nachwuchswinzer der Pfalz am Start. Sie haben sich über den alljährlich stattfindenden Wettbewerb „Die Junge Pfalz“ für die Messe qualifiziert. Alle unter 36 Jahre alt, zählen sie laut Verband zur „Avantgarde einer neuen Winzer-Generation“. Eine sechsköpfige Jury, besetzt mit Top-Sommeliers, Händlern, Journalisten und Influencern aus ganz Deutschland und den Niederlanden, hat via Blindverkostung aus 50 Bewerbungen 20 Jungwinzer für die „Junge Pfalz“ 2023/2024 ausgewählt. Unter diesem Namen treten sie bundesweit als Markenbotschafter auf. Im „Philipp eins“ herrschte dann auch drangvolle Enge, was den Winzern zufolge der Stimmung nie schadete.

Unter den Ausstellern war auch Steffen Burnikel, ein Winzer aus Leidenschaft. Er ist zum ersten Mal bei der „Wein am Dom“ dabei. Die Liebe zum Weinmachen habe er von seinem Vater geerbt, betont er. Das 23 Hektar große Familienweingut liegt in Niederkirchen. Burnikel produziert ausschließlich Bio-Weine und freut sich darüber, bei der „Wein am Dom“ eine neue Generation von Winzern zu vertreten. Ganz nebenbei könne er bei dieser Gelegenheit den Kundenkreis für das eigene Weingut erweitern. „Tempo, Zielgerade und Siegertreppchen sind mir nicht so wichtig“, sagt der Jungwinzer. Was ihn bewegt, ist der Weg des Weinmachens an sich. Deshalb darf ihn jeder seiner Weine auf die ihm eigene Art beschreiten.

Auch im Marketing schlägt Burnikel neue Wege ein: Hase und Schildkröte, also zwei symbolträchtige Tiere, zieren seine Etiketten. Damit lassen sich – auch mit Blick auf die unterschiedlichen Reife- und Herstellungsprozesse seiner Weine – wunderbare Geschichten erzählen. Auf den Weinkartons prangt in großen Lettern: „No fast food“. Im „Philipp eins“ schenkt er neben Lagenweinen eine sehr spezielle Kreation aus: „6 am Gaumen“ heißt der im Internet-Shop des Weinguts neonfarben blinkende Flaschenwein. Es ist eine Bio-Weißwein-Cuvée aus sechs Rebsorten. Die Zweideutigkeit der Namensgebung ist ein gutes Verkaufsargument, betont Burnikel. Der Cuvée-Wein präsentiert sich in der Nase aromatisch nach Pfirsich und gelben, reifen Früchten. Der Geschmack ist fein und fruchtig. In der einschlägigen Weinwerbung wird „6 am Gaumen“ auch zum „exzellenten Gaumensprinter“ hochgelobt.

Auf Tour mit der Prinzessin

Ein weiterer Bestandteil der Messe: Mit sechs „Winewalks“ (Weinspaziergängen) wollen die Ausrichter ihre Kunden mit besonderen Themen rund um den Pfälzer Wein vertraut machen. Ein Beispiel: Weinprinzessin Laura Götze informiert bei ihrer Tour sachkundig über sogenannte Piwi-Weine – die Rebsorten der Zukunft. Es handelt sich dabei um neue, pilzwiderstandsfähige Sorten, die auf dem Geilweilerhof (Siebeldingen), im Pfälzischen Institut für Rebenzüchtung, entstehen. Sie tragen exotische Namen wie der „Muscaris“ des Weinguts Schwarztrauber aus Neustadt-Mußbach, der „Souvignier Gris“ der Weinwelt Herrenberg-Honigsäckel oder auch ein „Cabernet Blanc“ des Weinguts Kastanienberg aus Hainfeld. Es könnten schon mal 20 Jahre vergehen, bis eine Neuzüchtung im Glas der Endverbraucher landet, weiß Götze. Die Bezeichnung der neuen Züchtungen als „Piwi-Weine“ klingt nicht sehr verkaufsträchtig, aber die Prinzessin ist eine gute Botschafterin.

Abrunden konnten Gäste den Messerundgang am Abend mit einer ausgesprochen lukullischen Erfahrung in der heiligen Zeit der Spargelfreunde: Im Haus Trinitatis kredenzten die pfälzischen Weinhoheiten acht ausgewählte Weine zu einem Spargelmenü, das dem beliebten pfälzischen Stangengemüse huldigte. Matthias F. Mangold, Chefredakteur des „Vinum Wineguides“ und Leiter einer Koch- und Weinschule, hatte für den Workshop „Pfälzer Wein zum Pfälzer Spargel“ in das Geschmacksbild des Spargels passende Weine ausgewählt, gelegentlich aber auch geschmackliche Spannungen und Gegensätze zu fünf verschiedenen Spargelgerichten ausgelotet. Auch diese stießen bei den Genussfans auf großes Interesse.

„6 am Gaumen“: Thomas Gallee freut sich auf die besondere Bio-Weißwein-Cuvée, die Winzer Steffen Burnikel im „Philipp eins“ eins
»6 am Gaumen«: Thomas Gallee freut sich auf die besondere Bio-Weißwein-Cuvée, die Winzer Steffen Burnikel im »Philipp eins« einschenkt.
Messebesucher aus Speyer und Bayern: Genuss vor dem Dom.
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